Werder-Profis versprechen Leidenschaft – und Schaaf setzt gegen HSV auf Köln-Taktik

Aus Frust wird Lust auf das Krisenderby

Bremen - Von Björn Knips · Selten zuvor war den Beteiligten das Thema Nordderby so egal wie diesmal. Kampfansagen? Praktisch Fehlanzeige! Der SV Werder Bremen und der Hamburger SV hatten sich quasi eingebuddelt, um dort die Wunden der letzten Spiele zu lecken.

Denn vor dem 93. Nordderby (heute, 18.30 Uhr/Sky live und im LIVE-Ticker der Kreiszeitung) steckt der Gastgeber in der Krise, und wirklich weit davon ist der Gast auch nicht entfernt. Doch bei Werder hat sich etwas getan: Aus Frust wurde Lust – die Bremer sind nun richtig heiß auf das Krisenderby.

„Auf dem Platz muss es brennen“, kündigte zum Beispiel Marko Marin an – und Teamkollege Aaron Hunt verspricht: „Egal was passiert, wir kämpfen weiter und werden Leidenschaft zeigen.“ Noch einmal wollen sich die Werder-Profis nicht vorwerfen lassen, zu wenig Einsatz gezeigt zu haben. Das 0:2-Desaster vor einer Woche im eigenen Stadion gegen Mainz und das 1:4-Debakel am vergangenen Dienstag in Hannover waren schmerzhaft. Und wahrscheinlich tun den Spielern auch heute noch ein wenig die Ohren weh von den deutlichen Worten der sportlichen Leitung.

Trainer Thomas Schaaf setzt zudem auf Veränderungen. Zumindest deutete sich das gestern im Abschlusstraining an. Die Mittelfeld-Raute ist wieder da – mit Torsten Frings als Sechser, Tim Borowski und Wesley auf den Außenpositionen und Marko Marin als Spielmacher. Vorne wird der Angriff verdoppelt, neben dem wiedergenesenen Claudio Pizarro stürmt Marko Arnautovic. Das ist fast exakt die Formation vom Köln-Spiel. Nur Wesley war damals noch nicht dabei. Egal, wichtiger ist etwas anderes: Gegen Köln gab’s den letzten Werder-Sieg (4:2), und Arnautovic erzielte einen Doppelpack. Die Aufstellung und die taktische Ausrichtung ist also auch ein Psychotrick: Seht her Jungs, so haben wir schon mal gewonnen, so kann’s wieder klappen! In Krisenzeiten sind solche Maßnahmen besonders beliebt – selbst bei einem Thomas Schaaf, der immer so sachlich daherkommt. Oder hat der erfahrene Werder-Coach gepokert, will sein Gegenüber Armin Veh in die Irre führen? Vor Derbys ist manchmal alles möglich.

Nur keine Ruhe. Angesprochen auf die vielleicht etwas fehlende Brisanz wegen des frühen Spieltermins in der Saison, fauchte Per Mertesacker: „Das macht keinen Unterschied. Nordderbys sind immer brisant.“ Es soll knistern im Weserstadion. Hugo Almeida ist sich jedenfalls sicher: „Die Stimmung wird sensationell sein, und unsere Fans werden uns zum Sieg treiben.“

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