Wie Werder gegen die Krise kämpft / Marin versichert: „Natürlich erreicht der Trainer uns noch“

Frostige Zeiten am Osterdeich

Rückendeckung von allen Seiten: Obwohl’s derzeit nicht läuft, sitzt Thomas Schaaf als Trainer von Werder Bremen offensichtlich ganz fest im Sattel.

Bremen - Von Malte Rehnert· Die Sonne war gestern die einzige, die lachte. Ansonsten herrschte am Osterdeich – passend zu den Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt – eine äußerst eisige Atmosphäre.

Die Profis des SV Werder Bremen gingen am Morgen immer noch schockgefrostet vom historischen 0:6-Debakel in Stuttgart in die Kabine und durften erst sechs Stunden später wieder in ihre Dienstautos steigen. Viel besser sahen sie da auch nicht aus.

Werder-Training am Montag

Werder-Training am Montag

Kein Wunder, denn Werder steckt so tief in der Krise wie schon lange nicht mehr. Professionelle Einstellung und Teamgeist wurden als vermisst gemeldet. Deshalb steht auch die sportliche Leitung – speziell Trainer Thomas Schaaf – unter Druck. Das Umfeld wird immer unruhiger, hier und da wird sogar schon die Trainerfrage gestellt.

Für Marko Marin, der sich als einziger Profi den wartenden Journalisten stellte, ist die Anwtort klar: „Natürlich erreicht der Trainer uns noch. Diese Frage stellt sich nicht. Und das ist nicht nur meine Meinung, sondern die der gesamten Mannschaft.“ Sportchef Klaus Allofs, der direkte Vorgesetzte von Schaaf, stellt den Coach ebenfalls nicht infrage. Er traut ihm die Wende zu: „Ich bin überzeugt, dass er das kann.“ Und auch vom Aufsichtsratsvorsitzenden Willi Lemke gibt’s die volle Rückendeckung – nicht nur für Schaaf, auch für Allofs (siehe Interview unten).

Werders Debakel in Bildern

Werders Debakel in Bildern

Angesichts der sportlichen Situation ist das keine Selbstverständlichkeit. Werder ist höchstens noch Mittelmaß und offenbarte zuletzt erschreckende Emotionslosigkeit. Zudem griffen Schaafs Schachzüge nur selten. Er hat vieles probiert, sei es personell oder taktisch – so richtig geholfen hat nichts. Die bittere Zwischenbilanz: Werder hat vier Pflichtspiele in Folge verloren, ist raus aus dem DFB-Pokal, so gut wie raus aus der Champions League – und in der Bundesliga nach zwei Niederlagen hintereinander mittlerweile nur noch fünf Punkte von Relegationsplatz 16 entfernt.

Die Noten der Werder-Spieler

Die Noten der Werder-Spieler

Zur rasanten Talfahrt wollte sich Schaaf gestern nicht äußern – wie die meisten anderen auch. Tacheles hatten die Bremer tags zuvor gesprochen. Mit fast immer gleichem, alarmierenden Inhalt: Die Einstellung stimmt nicht mehr, der Teamgeist ist futsch. Schonungslose Worte fand Keeper Tim Wiese: „Das ist schlimm, desolat. Wir liegen schon 0:4 zurück und rennen immer noch alle nach vorne. Stuttgart hat am Donnerstag noch gespielt und ist trotzdem vier Mal so viel gelaufen wie wir. Die Qualität ist da, aber der letzte Biss nicht. So hoch zu verlieren und keine Gegenwehr zu leisten – das ist eine Sache der Einstellung.“ Und auf die Frage, warum Werder keine Mannschaft mehr sei, erwiderte der 28-Jährige: „Ich weiß es nicht.“

Werder fehlt der Zusammenhalt, das Aufopfern füreinander, das Kapitän Torsten Frings schon zwei Mal in aller Deutlichkeit angemahnt hatte. Sogar Schaaf kam nach dem Spiel nicht mehr drumherum, diese Defizite anzuprangern. „Wir haben viele Probleme, haben alles vermissen lassen, keine Gegenwehr geleistet, nur Spalier gestanden“, monierte der Werder-Trainer und fügte an: „Wenn man sich nicht behaupten will, darf man sich nicht wundern, wenn der Gegner Tore schießt – auch in diesem Maß.“ Bei Werder laufen derzeit „einige Dinge falsch, nicht nur ein paar. Das abzustellen, wird kein kurzer, sondern ein sehr langer Weg“, meinte Schaaf.

Auch Allofs vermisst die nötige Einsatzbereitschaft: „Wir waren letzte Saison als Mannschaft stark. Uns war kein Weg zu weit. Das ist im Moment in Vergessenheit geraten. Was wir wollen, können wir nicht umsetzen.“ Jeder Bremer habe „Angst, die Verunsicherung ist deutlich zu sehen. So wie momentan können wir nicht erfolgreich sein. So erreichen wir unsere Ziele nicht“, mahnt Allofs und bemängelt: „Wir haben nicht die Begeisterung, um Spiele zu gewinnen“

Gemeinsam mit Schaaf muss sich der Sportchef nun als Krisenbewältiger beweisen. Und dabei will Allofs „nicht nur draufhauen. Das haben wir schon getan. Es bringt nichts, aus Verärgerung jetzt um sich zu schlagen, wir müssen auch Aufbauarbeit leisten.“ Aber: Der 53-Jährige warnt auch diejenigen, die sich nicht voll einbringen: „Wer nicht mitzieht, wird andere Maßnahmen zu spüren bekommen.“ Welche das sein könnten, behält Allofs für sich – ans Gehalt der Spieler wird er nach dem negativen Echo beim ersten Mal sicher nicht noch mal gehen.

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