Werder-Kapitän im Interview

Fritz: „Nicht alles negativ sehen“

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Bremen - Niederlagen mit vielen Gegentoren, zuletzt sieben in zwei Spielen. Dazu Leistungen wie von einem Abstiegskandidaten: Werder Bremen ist wieder da angekommen, wo man vor ein paar Monaten war – und eigentlich nicht mehr hinwollte. Doch Kapitän Clemens Fritz schaut nicht zurück und ist weit davon entfernt, in der erneut schwierigen Situation in Panik zu verfallen. Im Gegenteil: Der 32-Jährige gibt sich alle Mühe, Optimismus zu verbreiten. Im Interview spricht er zudem über die Sorgen der Werder-Fans und den Trainer-Rauswurf beim HSV.

Aus aktuellem Anlass zunächst zum nächsten Gegner: Wie beurteilen Sie den Rauswurf von Trainer Thorsten Fink beim Hamburger SV?

Clemens Fritz:Dazu will ich mich gar nicht groß äußern. Wir haben hier genug Arbeit vor uns. Ob es beim HSV vor dem Nordderby einen Trainerwechsel gegeben hat, hat uns einfach nicht zu interessieren. Wir wollen auf dem Platz zeigen, worum es geht. Da brauchen wir im Vorfeld nicht viel zu reden.

Trotzdem noch mal zum HSV: Neben einigen anderen Trainerkandidaten taucht natürlich ein Name auf: Thomas Schaaf. Können Sie sich Ihren Ex-Coach überhaupt beim Nordrivalen vorstellen?

Fritz:Es wäre schön, ihn wieder in der Bundesliga zu sehen. Das würde uns alle sehr freuen. Wo das ist, da wird er sich seine Gedanken machen und dann die richtige Entscheidung treffen.

Nicht viel besser als in Hamburg sieht es sportlich derzeit in Bremen aus. Drei Niederlagen in Folge – was ist los mit Werder?

Fritz:Das Spiel in Dortmund war teilweise noch ganz gut. In Gladbach haben wir sehr viel falsch gemacht, das hat sich leider bis ins Frankfurt-Spiel gezogen. Man muss festhalten, dass wir die ersten 20, 25 Minuten gar nicht stattgefunden und keine Zweikämpfe gewonnen haben. Wir haben dem Gegner nicht wehgetan. Man muss aber von der ersten Minute an voll da sein. Und wenn man merkt, dass es spielerisch nicht läuft, muss man über die Zweikämpfe kommen.

Wehrt sich Werder zu wenig?

Fritz:Wenn man sich die erste Hälfte des Frankfurt-Spiels anschaut, dann müssen wir uns den Vorwurf gefallen lassen. Das haben wir hinterher auch klar angesprochen.

Das Auftreten und die Ergebnisse erinnern inzwischen an die beängstigende Rückrunde der Vorsaison.

Fritz:Man wird ständig und überall darauf angesprochen. Das muss aus unseren Köpfen raus. Wir Spieler sollten nicht zurückschauen, sondern nach vorne. Wenn man sich immer wieder die negativen Dinge vor Augen hält, kann einen das hemmen. Da fehlt einem dann die Leichtigkeit. Wenn ein Stürmer zum Beispiel länger nicht trifft, fängt er an nachzudenken. Wenn er trifft, denkt er gar nicht nach. Dann macht er es einfach. So müssen wir es alle machen.

Gerät Werder wieder in den Abstiegskampf?

Fritz:Es wird eine sehr, sehr schwierige Saison, das haben wir aber von Anfang an gesagt. Wir wussten das auch nach den beiden Auftaktsiegen einzuschätzen. Von uns hat keiner über eine leichte Saison oder internationale Plätze gesprochen. Wir müssen uns jeden einzelnen Punkt hart erarbeiten. Das sieht man mittlerweile.

Können Sie die immer größer werdenden Sorgen der Fans nachvollziehen?

Fritz:Ich kann verstehen, dass sie unruhig sind. Uns wäre es natürlich lieber, wenn wir ihnen etwas anderes präsentieren könnten. Da sind wir jetzt alle in der Pflicht, denn wir sind dafür verantwortlich. Wir müssen unseren Fans die Sorgen nehmen.

Wie schnell geht das?

Fritz:Wir sollten gleich damit anfangen.

Wie groß sind Ihre eigenen Sorgen?

Fritz:Ich bin lange hier und mir bewusst, worum es geht. Dass es eine anstrengende Saison werden kann. Ich schaue trotzdem positiv nach vorne. Man sollte nicht immer alles negativ sehen und sich runterziehen lassen. Denn wenn man das tut, kann man nicht seine volle Leistung abliefern.

Woher nehmen Sie Ihren Optimismus?

Fritz:Ich sehe, was wir uns im Training erarbeiten. Wir haben ein Trainerteam, das uns immer wieder sehr gut einstellt und die Fehler analysiert. Ich weiß, dass wir es können, dass wir Talent in der Mannschaft haben. Wichtig ist aber, dass wir uns verbessern und uns wieder Selbstvertrauen erarbeiten. · mr

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