Der Werder-Kapitän kennt das „gute Gefühl“ einer Last-Minute-Rettung

Clemens Fritz: Gegen Frankfurt konzentrieren wir uns nur auf uns

+
Werder-Kapitän Clemens Fritz versprüht Optimismus vor dem Abstiegsfinale gegen Eintracht Frankfurt.

Bremen - Von Malte Rehnert. Clemens Fritz könnte sich durchaus ein wenig bedrängt gefühlt haben. Als der Werder-Kapitän am Dienstagmittag in die Mixed-Zone kam, hatte sich schon ein gutes Dutzend Journalisten in einem Halbkreis aufgebaut und erwartete den 35-Jährigen zum einzigen Spielergespräch in dieser Woche.

Die anderen Bremer Profis sollen vor dem Abstiegsfinale gegen Eintracht Frankfurt am Samstag (15.30 Uhr) schweigen. „Schön, dass ihr alle da seid“, begrüßte Fritz die Medienvertreter und lächelte. Danach ging’s los – über 20 Minuten lang sprach der Mittelfeldmann über die wichtigsten Themen vor dem alles entscheidenden 34. Bundesliga-Spieltag.

Die Stimmung

Im Training ging es am Dienstagvormittag ordentlich zur Sache – und es wurde auch mal lauter. Vor allem, wenn Fritz das Wort erhob. „Das ist doch ganz normal“, wiegelt der Kapitän ab. Insgesamt habe er seine Teamkollegen zum Auftakt der Trainingswoche sehr konzentriert erlebt, urteilt der 35-Jährige.

Bei aller Fokussierung auf Samstag müsse aber auch „eine gewisse Lockerheit“ erlaubt sein, betont Fritz: „Wir können jetzt auch anfangen, noch mehr Druck zu machen und hier rumzurennen und zu sagen: ,Wir dürfen alle nicht mehr lachen.’ Es kann auch mal ein paar Späße und Scherze geben.“

Die Anspannung

In seinem Alltagsleben wird Fritz täglich mit der prekären Situation und dem Abstiegsfinale konfrontiert – und spürt die Sorgen der Fans. „Es ist ein Thema in der ganzen Stadt. Ob du morgens zum Bäcker gehst, zum Mittagessen oder im Supermarkt stehst – du wirst auf das Wochenende angesprochen. Da merkt man, um was es geht. Es ist eines der wichtigeren Spiele der Vereinsgeschichte. Das wird auch keiner von uns vergessen.“ Die insgesamt „positive Stimmung in Bremen“ hebt er besonders hervor: „Es könnte ja auch sein, dass du beim Bäcker bepöbelt wirst. Das ist hier nicht so – das ist ein großes Plus und etwas Besonderes.“

Bei den Spielern werde sich „die Anspannung zum Wochenende hin weiter aufbauen“, glaubt Fritz, der sich und seinen Teamkollegen in den kommenden Tagen zumindest zwischendurch ein bisschen Ablenkung empfiehlt: „Wenn man sich zu viele Gedanken macht, schläft man schlecht. Der eine geht spazieren, der andere macht was anderes. Ich hole heute meinen Neffen vom Kindergarten ab.“

Die Vorbereitung

Vor Stuttgart (6:2) war Werder im Kurztrainingslager in Verden, vor Köln (0:0) schon einen Tag eher in der Domstadt. Vor Frankfurt ist – Stand gestern – nichts Besonderes vorgesehen. Gestern Morgen frühstückte das Team gemeinsam im Weserstadion. „Das war aber nicht geplant“, sagt Fritz.

Weitere Gemeinschaftsaktionen wird es offenbar nicht geben. Angesprochen darauf, reagiert Fritz recht unwirsch: „Ganz ehrlich, ich kann es nicht mehr hören. Wenn ich hier immer danach gefragt werde: Wollt ihr noch mal einen Mannschaftsabend machen oder einen Spaziergang? Alles, was hilft, ist am Wochenende auf dem Platz. Da muss die Leistung her, die zu drei Punkten führt. Alles andere ist uninteressant. Da kann sich auch einer in die Sonne legen, wenn er am Wochenende 90 Minuten Gas geben kann.“

Der Rückenwind

Sieben Punkte aus den vergangenen vier Partien – für einen Abstiegskandidaten eine ordentliche Ausbeute, die Selbstvertrauen gibt, meint Fritz – aber: „Wir haben nichts, auf das wir uns verlassen können. In der letzten Zeit wurde viel über das Stuttgart-Spiel geredet. Es war ein fantastisches Spiel mit einer unglaublichen Stimmung im Stadion – aber es war eben Stuttgart. Jetzt kommt Frankfurt.“

Der Psychologe

Prof. Dr. Andreas Marlovits ist nach wie vor eng dran am Team, mischte sich gestern Vormittag unter die Fans und schaute sich die Einheit genau an. Über Details seiner Arbeit mochte der Sportpsychologe nicht sprechen.

Dass er dem Team guttut, haben bereits mehrere Profis verdeutlicht. Logische Konsequenz: Er ist auch an der Vorbereitung auf das Frankfurt-Spiel beteiligt. „Wichtig ist, dass wir am Wochenende mit einem positiven Gefühl Richtung Weserstadion fahren. Mit dem Gefühl, vorher alles getan zu haben, um eine optimale Leistung abzurufen“, betont Fritz: „Deshalb ist es wichtig, alles zu versuchen – und das werden wir auch tun.“

Der Gegner

2:1 gegen Mainz, 2:1 in Darmstadt, 1:0 gegen Dortmund: Frankfurt hat einen Lauf und sich mit den drei Siegen in eine gute Ausgangsposition geschossen. „Die Frankfurter haben es sehr, sehr gut gemacht“, lobt auch Fritz: „Sicherlich werden sie selbstbewusst hier anreisen, auch mit Überzeugung.“ Mehr Worte verliert er über den Gegner nicht: „Wir konzentrieren uns nur auf uns. Hier in Bremen spielt die Musik.“

Die Konstellation

Frankfurt reicht ein Remis zur sicheren Rettung, Werder muss gewinnen. Ansonsten droht die Relegation – oder gar der direkte Abstieg. „Wir haben es in der eigenen Hand und müssen es am Wochenende klären“, fordert Fritz und ergänzt: „Ich bin zu 100 Prozent davon überzeugt, dass wir es schaffen, weil ich total überzeugt von dieser Mannschaft bin.“

Der Kapitän räumt allerdings auch ein, sich mit einem möglichen Scheitern beschäftigt zu haben: „Es ist klar, dass man darüber nachdenkt, was wäre wenn. Es wäre blauäugig, wenn wir das nicht tun würden. Wir werden aber Gas geben und alles dafür geben, dass dieser Fall nicht eintritt. Keiner will das, keiner braucht das.“

Die Endspiel-Erfahrung

Fritz hat bisher drei Finals gespielt: 2009 gab es erst eine Niederlage im Uefa-Cup (1:2 nach Verlängerung gegen Schachtjor Donezk), dann einen Sieg im DFB-Pokal (1:0 gegen Leverkusen). Und 2010 folgte ein 0:4 im DFB-Pokal gegen die Bayern. Nun hat Werder wieder ein Endspiel – „aber es ist eine ganz andere Situation und ein anderer Druck“, betont Fritz. Mit Blick auf Frankfurt (Platz 15) und Werder (Relegationsplatz 16) ergänzt er: „Wenn du etwas hast, kann dir etwas weggenommen werden. Und wir wollen uns etwas nehmen.“ Nämlich Rang 15.

Wie es sich anfühlt, am letzten Spieltag am Konkurrenten vorbeizuziehen, weiß der 35-Jährige aus dem Jahr 2002. Mit dem Zweitligisten Karlsruher SC gewann er 3:0 gegen Unterhaching. „Da haben wir uns etwas genommen. Das war ein ganz gutes Gefühl“, erinnert sich Fritz. Der KSC blieb drin, Haching musste runter. Beim Absteiger stand damals übrigens Werders aktueller Ersatzkeeper Gerhard Tremmel im Tor. Sauer auf Fritz ist er allerdings längst nicht mehr – Dienstagmittag gingen die beiden zusammen essen.

Team Trump: Das Kabinett des künftigen US-Präsidenten

Team Trump: Das Kabinett des künftigen US-Präsidenten

Grande Dame des Liberalismus: Hildegard Hamm-Brücher ist tot

Grande Dame des Liberalismus: Hildegard Hamm-Brücher ist tot

Weihnachtskonzert des Rotenburger Ratsgymnasiums

Weihnachtskonzert des Rotenburger Ratsgymnasiums

Verden: Tanz macht Schule 

Verden: Tanz macht Schule 

Meistgelesene Artikel

Ein Bremer pfeift Werder

Ein Bremer pfeift Werder

Hertha BSC im Schnellcheck

Hertha BSC im Schnellcheck

Nouri kontert Petsos-Kritik

Nouri kontert Petsos-Kritik

„Das war die Wende“

„Das war die Wende“

Kommentare