„Ich habe nichts gegen Argentinien“ / Seitenhieb für Bundestrainer Löw

Frings will keine Rache, aber einen deutschen Sieg

Schlechter Verlierer: Leandro Cufre streckte Per Mertesacker nach der Viertelfinal-Niederlage bei der WM 2006 nieder.

Bremen - Von Björn Knips · Torsten Frings ist genervt. Eigentlich will er nicht über die WM sprechen. Schließlich hat ihm Joachim Löw schon im Januar die große Chance auf das dritte WM-Turnier seiner Karriere genommen und ihn nach 79 Länderspielen abserviert.

Deshalb hieß es Urlaub in den USA statt WM in Südafrika. Bis gestern. Frings kehrte nach Bremen zurück – und sein Telefon stand nicht mehr still. Denn Deutschland spielt am Samstag im Viertelfinale gegen Argentinien. Da muss der 33-Jährige einfach sprechen. Schließlich wurde er vor vier Jahren das Opfer in einem von Argentiniern angezettelten Tumult. Ein Faustschlag kostete ihn das Halbfinale. Von Rache für die „Gauchos“ will er aber nichts wissen, dafür glaubt er fest an einen deutschen Sieg und drückt allen beim DFB die Daumen – außer Löw.

„Ich habe nichts gegen die Argentinier, die FIFA hat mich damals doch gesperrt, obwohl die Argentinier für mich ausgesagt haben“, erinnert sich Frings an das denkwürdige Viertelfinale von Berlin. Nach dem deutschen Sieg im Elfmeterschießen rasteten die Verlierer aus. Leandro Cufre streckte Per Mertesacker mit einem Kung-Fu-Tritt nieder – und dann gab’s ein wildes Durcheinander. Mittendrin auch Frings. Später tauchten TV-Bilder auf, die einen Schlag des Deutschen gegen Julio Cruz zeigten. Die FIFA nahm das zum Anlass, den bis dahin überragenden Mittelfeldspieler fürs Halbfinale zu sperren. Ein Desaster für Frings. „Das kann man ja nicht mehr ändern“, will sich der Werder-Profi darüber aber nicht mehr ärgern.

Trotzdem hätte er natürlich nichts dagegen, wenn es die DFB-Auswahl den „Gauchos“ am Samstag wieder sportlich zeigen würde. „Ich drücke den Jungs ganz fest die Daumen“, sagt Frings. Eine Stichelei gegen Löw kann er sich aber nicht verkneifen: „Es ist doch klar, dass ich für Deutschland bin. Ich habe doch mit niemandem beim DFB Probleme – außer mit dem Trainer.“

Dazu passt auch, dass er das Hochjubeln von Jogis Jugendstil nicht ganz nachvollziehen kann. „Man muss doch mal ehrlich sein: Bei der Vorrundengruppe hätte man eigentlich einen Durchmarsch erwartet und kein Endspiel gegen Ghana“, meint Frings und fährt fort: „Gegen England haben sie wirklich gut gespielt, aber auch ziemlich viel Glück mit dem Wembley-Tor gehabt. Ich hätte gerne mal gesehen, wie die junge Mannschaft mit dem 2:2 umgegangen wäre. Sie hat ja schon nach dem Anschlusstreffer ziemlich gewackelt.“

Argentinien sei nun ein ganz anderes Kaliber. „Jetzt kommen die wichtigen Spiele, in denen Erfahrung gefragt ist“, sagt Frings. Und es ist ihm anzuhören, dass er nur zu gerne dabei wäre. „Doch ich bin jetzt nur noch Fan.“ Als solcher wird er am Samstag vor dem Fernseher sitzen und mitfiebern. Vorher wird er aber noch Kurznachrichten an seine Werder-Kollegen Mesut Özil, Per Mertesacker, Marko Marin und Tim Wiese schicken „und ihnen Glück wünschen, das können sie gegen so einen Gegner ganz besonders gebrauchen“.

Aber Angst muss auch keiner haben, sagt Frings – und demonstriert ein Selbstvertrauen, als würde er am Samstag selbst auf dem Platz stehen: „Ich tippe, dass wir 2:1 gewinnen.“ Wir? Frings hat tatsächlich wir gesagt und dabei nicht wie ein Fan geklungen. „Mensch“, entschuldigt er sich fast, „ich habe doch immer gerne für Deutschland gespielt. So etwas vergisst man nicht.“

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