„Ich fühle mich in Toronto pudelwohl“

Voller Einsatz für Toronto: Torsten Frings.

Toronto - Bei Werder Bremen hatte Torsten Frings als Fußball-Profi keine Zukunft mehr, der Bundesligist ließ den Vertrag des Ex-Nationalspielers im Sommer auslaufen. Doch der 34-Jährige wollte unbedingt weiterspielen, entschied sich für das Abenteuer Kanada und wurde nicht enttäuscht.

Beim FC Toronto fühlt er sich „pudelwohl“, auch wenn‘s mit dem Erreichen der Playoffs in der nordamerikanischen Major League Soccer (MLS) nicht geklappt hat. Seine Leistungen stimmten. Journalist Steven Bottjer vom kanadischen Soccer Magazin „RedNation Online“ spricht vom „besten Spieler, den der TFC je hatte“. Ohne Frings gewann Toronto nur drei von 20 Spielen, mit ihm seit dem 20. Juli gab's aus elf Partien 13 Zähler (drei Siege). Im Interview verrät der Ex-Bremer, wie es ihm ergangen ist.

Herr Frings, der Toronto Star hat sie jüngst als „on-field general“ bezeichnet. Wie sehen Sie Ihre Rolle beim FC Toronto?

Torsten Frings: Ich möchte versuchen, den jungen Spielern zu helfen. Hier gibt man mir die Möglichkeit. Hier macht es Spaß, es ist ein großes Abenteuer. Man sieht mal eine andere Liga. Von daher bin ich froh, dass es im Moment so ist, wie es ist. Ich fühle mich unheimlich wohl hier. Es könnte nicht besser sein.

Sie haben eben angesprochen, dass Sie gerne eine Art Leitfigur für jüngere Spieler sind. Ihren angeblich autoritären Führungsstil hat Philipp Lahm in seiner Biografie kritisiert. Wie gehen Sie damit um?

Frings: Ich habe auch nur in den Zeitungen gelesen, dass es da ein bisschen Kritik gab. Mich interessiert auch nicht, wie andere Spieler das sehen. Jeder macht seine eigenen Erfahrungen. Ob man sie dann in einem Buch veröffentlichen muss, bleibt jedem selbst überlassen.

Genießen Sie in Ihrem Verein eine Art Sonderrolle als Aushängeschild?

Frings: Das weiß ich nicht. Ich möchte hier ein ganz normaler Spieler sein, der versucht zu helfen und seine Erfahrung weiterzugeben. Wir haben hier sehr viele Talente, die das auch annehmen.

War Ihr Englisch anfangs ein Problem? Wie ist es mittlerweile?

Frings: Es ist sicherlich schon besser geworden. Die Jungs üben fleißig mit mir. Verstanden habe ich schon immer alles. Man hat eben auch ein bisschen Scheu am Anfang.

Wie lebt es sich hier abseits des Sports? Haben Sie schon die amerikanischen Highways mit Auto und Motorrad unsicher gemacht?

Frings: Das war alles mal. Mit dem Alter wird man auch ein bisschen ruhiger, dann ist das alles nicht mehr so wichtig. Abgesehen davon darf man hier nur 100 km/h fahren. Das ist auch ein Riesenunterschied, an den ich mich erst gewöhnen musste. Aber ich fühle mich in Toronto pudelwohl.

Schließt Ihr Amerika-Faible auch die traditionellen Sportarten ein?

Frings: Natürlich, hier gibt es ja alles. Du hast hier NHL, Baseball, die NBA, alles ist auch relativ schnell zu erreichen. Toronto ist eine Stadt, in der es niemals langweilig ist. Hier kannst Du immer ‘was machen, hier gibt es immer ‘was zu tun. Von daher passt das auch.

Was sind die Vorzüge gegenüber dem Leben in Deutschland? Gibt es auch Dinge, die Ihnen fehlen?

Frings: Hier lebt es sich einfach ruhiger. Nicht viele erkennen einen. Das ist das Positive. Ich genieße es, unbeschwert durch die Straßen zu marschieren. Aber natürlich bin ich auch froh, wenn ich wieder in Deutschland bin. Wenn die Saison zu Ende ist, werde ich auch direkt nach Hause fliegen und da eine schöne Zeit haben, bevor es dann nächstes Jahr hier weitergeht.

Wie sehen Sie die MLS im Vergleich zur Bundesliga?

Frings: Es ist schon ein Riesenunterschied. Aber ich denke, es ist alles im Kommen. Überall, wo ich in den letzten vier Monaten gespielt habe, waren die Stadien voll. Die Liga ist unheimlich schwer zu spielen. Es sind sehr, sehr weite Reisen, nach Los Angeles sechs Stunden zum Beispiel. Das zehrt unheimlich am Körper. Und es ist schwer, eine gute Mannschaft zusammenzubauen, weil hier viel gewechselt wird. In meinen ersten zwei Wochen haben wir zwölf, 13 neue Spieler bekommen.

Verfolgen Sie noch das Geschehen bei Werder?

Frings: Natürlich. Werder ist mein Verein. Ich gucke fast jeden Tag nach, was es da Neues gibt. Ich freue mich unheimlich, dass es für die Jungs so gut läuft. Ich hoffe natürlich, dass es so weitergeht, dass sie am Ende der Saison alles erreichen, was sie sich vorgenommen haben.“  sid

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