Frings stellt sich vor Schaaf

Per Mertesacker (li.) und Clemens Fritz verlassen nach über dreistündiger Krisensitzung die Kabine.

Werder-Bremen - Von Arne Flügge· Werder steckt tief im Abstiegsschlamassel. Und während bei anderen Clubs in vergleichbarer Situation längst die Hölle los wäre, scheinen die Bremer Fans eine Engelsgeduld zu haben. Die Protestwelle an der Weser würde nicht einmal ein Quietscheentchen zum Kentern bringen.

Keine lautstarken Unmutsäußerungen nach dem 0:3 in Köln, keine aufgebrachten Anhänger gestern am Trainingsplatz. Da grenzte es fast schon an Majestätsbeleidigung, dass vier mutige Anhänger mittleren Alters am Vormittag eine Papptafel vor dem Eingang zur Kabine aufstellten. „Schaaf + Allofs raus“, stand drauf. Und auf der Rückseite: „Schönreden, verkacken, weiterrumpeln.“ Für Bremer Verhältnisse ein fast schon revolutionärer Akt.

Stiller Unmut bei den Fans: Ein Plakat gestern am Weserstadion.

Zu diesem Zeitpunkt, es war 9.30 Uhr in der Früh, waren Spieler, Trainer und Sportchef bereits hinter verschlossenen Türen verschwunden. Coach Thomas Schaaf hatte eine Krisensitzung angesetzt, es war bereits die achte der laufenden Saison. Nach knapp eineinhalb Stunden kam Klaus Allofs heraus, hektisch, angespannt. „Ich habe nichts zu sagen“, winkte der Sportchef ab und verschwand. Vermutlich hatte der 54-Jährige als erster der Mannschaft die Leviten gelesen, Spieler und Trainer dann mit dem Videostudium und der Fehleranalyse für sich gelassen. Und es vergingen noch einmal eine Stunde und 45 Minuten, ehe Claudio Pizarro als Erster den Kopf durch die Tür steckte – nach jetzt über drei Stunden Krisensitzung. Es folgten nach und nach die anderen Spieler. Und alle schauten drein wie sieben Tage Regenwetter. Auf die Frage, ob das Donnerwetter von Thomas Schaaf wehgetan habe, antwortete Torwart Tim Wiese mit seinem ihm ganz eigenen Humor: „Nein, wir sind ja schon geschult darin. Gefühlt hatten wir so eine Sitzung ja schon zum 15. Mal.“

Mannschaftstraining am Dienstag

Training am Dienstag

Was sich zum Schmunzeln anhört, ist fast schon Resignation. Denn Besserung hatten alle anderen Krisengespräche bislang auch nicht gebracht. Und eine Erklärung, warum die Spieler trotz einer starken Trainingswoche in Köln wieder einmal versagt hatten, fanden sie auch diesmal nicht. „Ich kann es einfach nicht sagen“, gab sich Mittelfeldspieler Aaron Hunt ratlos: „Der Trainer hatte uns vor dem Spiel genau darauf hingewiesen, dass es nur über Kampf geht – wir haben das aber einfach nicht umgesetzt.“

Dass Thomas Schaaf angesichts der scheinbar beratungsresistenten Mannschaft irgendwann die Brocken hinschmeißen könnte, darüber machen sich die Spieler schon ihre Gedanken. Hunt: „Ich hoffe, er tut es nicht. Es ist sicher auch für ihn eine schwierige Situation, aber ich hoffe, dass wir in den nächsten Wochen da gemeinsam durchgehen.“ Natürlich sei Schaaf viel angespannter als sonst, „doch er arbeitet noch genauso akribisch wie vor zwei, drei Jahren“, berichtete Hunt. Während auch Co-Trainer Wolfgang Rolff bei Schaaf keinerlei Abnutzungserscheinungen erkannt hat („Er arbeitet konzentriert, topmotiviert und mit einer Topeinstellung“), brach Kapitän Torsten Frings eine Lanze für den 49-Jährigen: „Der Trainer kann überhaupt nichts dafür. Und dass wir wieder so einen Mist abgeliefert haben, hat mit Thomas gar nichts zu tun. Ich bleibe dabei: Das Ganze ist eine Sache der fehlenden Einstellung. Einige kapieren es immer noch nicht, worauf es ankommt.“ Auch Rechtsverteidiger Clemens Fritz ergriff Partei für seinen Trainer: „Ich kenne keinen Spieler, der nicht hinter Thomas Schaaf steht.“

Schaaf ließ im Training am Nachmittag keine Anzeichen erkennen, dass er die Nase voll hat. Im Gegenteil. So lautstark, aggressiv und immer wieder eingreifend hat man den Coach selten gesehen. Ob Sebastian Prödl, Mikael Silvestre oder auch Frings – jeder bekam einen Anpfiff, wenn’s nicht lief. „Es ist lange her, dass ich den Trainer so auf dem Platz erlebt habe. Aber vielleicht muss es so sein, sonst funktioniert’s ja nicht“, meinte Tim Wiese bei schon einbrechender Dunkelheit am Ende eines langen Krisentages. Die vier Revoluzzer vom Vormittag waren da bereits längst verschwunden. Ihre Protestpappe hatten sie vorher ins Gebüsch geschmissen. Sie hatte ohnehin kaum jemanden wirklich interessiert.

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