Torsten Frings nicht nominiert – sein Abschied aus dem Nationalteam wird immer wahrscheinlicher

Löw zahlt die nächste Rate

Shakehands zwischen Torsten Frings und Joachim Löw. Das war bei Frings’ bis dato letztem Länderspiel im Februar. Jetzt kocht der Streit zwischen dem (Ex-?)Nationalspieler und dem Bundestrainer wieder hoch.

Bremen - Ist das das Ende seiner  Nationalmannschaftskarriere? Torsten Frings wurde gestern von Bundestrainer Joachim Löw nicht für das WM-Qualifikationsspiel in Aserbaidschan nominiert.

Und der Zwist zwischen dem Werder-Profi sowie Deutschlands oberstem Fußball-Lehrer flammt nun wieder auf. Frings ist jedenfalls sauer. Freuen dürfen sich dagegen Tim Wiese und Mesut Özil. Die beiden stehen wie Per Mertesacker im DFB-Aufgebot. Werder-Neuzugang Marko Marin fehlt dagegen.Während das bei dem 20-Jährigen nach durchwachsener U 21-EM und einer von Verletzungen gestörten Vorbereitung nachvollziehbar ist, wundert sich Frings über die eigene Ausbootung. „Ich kann die Entscheidung absolut nicht verstehen. Ich bin körperlich in einer Top-Verfassung und in guter Form. Für mich ist es nicht okay, dass ich nicht dabei bin“, schimpfte der Bremer Kapitän gestern.

Hitzlsperger ist besser

Löw hatte Frings – kurz bevor er am Nachmittag den Kader für die Partie am Mittwoch bekanntgab – mitgeteilt, dass er nicht auf ihn setzt. Begründung des Bundestrainers auf „dfb.de“: „Torsten ist ein Routinier mit fast 80 Länderspielen, der, wenn er eingeladen wird, eigentlich auch von Beginn an eingesetzt werden muss. Ich habe mit ihm gesprochen und ihm mitgeteilt, dass ich dies derzeit nicht garantieren kann, weil Thomas Hitzlsperger auf seiner Position bei mir momentan die Nase vorne hat.“

Frings bleibt angesichts dieser Aussagen fast die Spucke weg. Aber nicht die Sprache. „Löw widerspricht sich“, meinte der 32-Jährige und erinnerte an den Streit im Herbst 2008. Damals hatte Löw den 79-fachen Nationalspieler gegen Russland nur acht Minuten spielen und gegen Wales komplett auf der Bank schmoren lassen. Als Frings heftig aufbegehrte, gab’s die Zurechtweisung von Löw, er (Frings) müsse es auch mal aushalten, nur Ersatz zu sein.

Die Überprüfung, ob der Bremer das schafft, bleibt nun aus. Und vielleicht ist damit das Kapitel Nationalmannschaft für Torsten Frings für immer beendet. Er möchte „darüber nicht sprechen“, sagt er. Gleichwohl hatte er bereits im Herbst mit dem Rücktritt geliebäugelt. Dass er sich anders entschied, lag auch daran, dass Löw ihm noch Hoffnungen auf die Teilnahme an der WM 2010 in Südafrika machte. Es wäre die dritte für Torsten Frings.

Auch gestern beteuerte der Bundestrainer: „Wir alle hoffen, dass Torsten in dieser Saison nicht wieder vom Verletzungspech verfolgt ist. Dann ist er weiterhin ein wichtiger Spieler für uns.“ Aber wohl nur, wenn andere ausfallen. Im 20er-Kader für die Partie in Aserbaidschan bekamen der fünf Jahre jüngere Hitzlsperger und der zehn Jahre jüngere Neuling Sami Khedira den Vorzug im defensiven Mittelfeld. Dass das ein deutlicher Fingerzeig für die Zukunft ist, muss nicht betont werden. Auch der Routinier hat verstanden, verkneift sich aber weitere kritische Kommentare: „Der Bundestrainer nominiert, und ich muss es akzeptieren.“

Das Hin und Her zwischen Löw und Frings läuft schon seit der EM 2008. Frings kam nach dem Finale gegen Spanien nur auf 74 Einsatzminuten – verteilt auf zwei Länderspiele. Mehrmals war er verletzt, mehrmals verzichtete Löw auf den Vize-Weltmeister von 2002 und Vize-Europameister von 2008. Als Frings dann doch spielte, versagte er. Beim peinlichen 0:1 im Februar gegen Norwegen – sein bis dato letzter Einsatz für die Nationalelf – stand der Leistungsträger der Vergangenheit völlig neben sich. Sein Abschied auf Raten hatte da schon längst begonnen. Gestern gab’s von Joachim Löw die nächste Zahlung.

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