Harsche Kritik nach Werders 2:3 gegen Nürnberg: „Einige kapieren es nicht“

Frings haut wieder drauf

Klare Worte: Werder-Kapitän Torsten Frings rechnete nach der Nürnberg-Pleite erneut schonungslos ab.

Bremen - Von Malte Rehnert · Bei Werder ist Feuer unterm Dach. „Brandstifter“ war Kapitän Torsten Frings – mal wieder. Schon nach dem peinlichen 1:4 am 21. September in Hannover hatte der 33-Jährige harsch die Egoismen im Bremer Kader kritisiert. Und am Samstagabend platzte ihm erneut der Kragen.

Nach der 2:3 (1:1)-Heimpleite gegen den 1. FC Nürnberg klagte Frings über fatale Fahrlässigkeiten in Abwehr und Angriff. Ein deutliches Alarmsignal vor dem wichtigen Champions-League-Heimspiel morgen Abend (20.45 Uhr) gegen Twente Enschede.

„In der ersten Halbzeit hatten wir das Spiel komplett im Griff, hätten Nürnberg nach Hause schießen müssen und schon Kräfte für Enschede sparen können. Wir hatten eine Chance nach der anderen, nutzen sie aber nicht. Das hat uns in München im Pokal das Weiterkommen gekostet – und diesmal den Sieg. Es macht sich keiner einen Kopf, was wir für Riesendinger liegenlassen. Offenbar fehlt uns der Killerinstinkt“, schimpfte der Bremer Kapitän über die Offensivleistung. Aber auch die Defensive bekam ihr Fett weg: „Hinten haben wir diese Aussetzer. Da arbeiten wir als Team nicht gut. 21 Gegentore: Das sagt doch alles. Wir müssen ganz schnell am Defensivverhalten arbeiten und die Fehler abstellen. Wir waren total offen.“

Werder verliert gegen Nürnberg

Werder Bremen verliert 2:3 gegen Nürnberg

Insgesamt gehen die Bremer „zu sorglos mit der ganzen Situation um. Wir haben Ansprüche, aber denen hinken wir weit hinterher“, mahnte Frings, der erneut – ohne Namen zu nennen – auch die Einstellung bemängelte: „Einige kapieren offensichtlich immer noch nicht, was es heißt, für Werder zu spielen. Dass man da immer alles abrufen muss. Hier die ganze Woche superlässig rumzulaufen und dann den Schalter umzulegen: Das geht nicht so einfach.“

Die Noten der Werder-Spieler

Die Noten der Werder-Spieler

Klaus Allofs wollte den Frings’schen Ausbruch „nach so einem Spiel nicht überbewerten. Aus Torstens Worten spricht eine Riesenenttäuschung.“ Der Bremer Sportchef war aber ebenfalls schwer frustriert: „Wir haben eine unheimliche Bandbreite gezeigt: erst begeisternd, dann leider überhaupt nicht mehr schön anzusehen. Plötzlich haben wir Fehler gemacht, die schwer zu verstehen sind. Wir haben halbe Arbeit abgeliefert, das kann uns nicht zufriedenstellen. Wenn man auf die Tabelle schaut, kann man verrückt werden.“

Nach dem Hannover-Spiel hatte Allofs angedroht, die Gehälter der Spieler wegen der schlechten Leistungen vorübergehend „einzufrieren“ – und dies dann auch durchgezogen. Ob den Profis erneut Konsequenzen drohen, sagte der Sportchef nicht: „Das werden wir nicht öffentlich ankündigen. Fakt ist aber leider, dass wir nur vorübergehend am Leistungslimit sind.“

Ein Umstand, der auch Trainer Thomas Schaaf mächtig wurmt. Der Coach sprach von Nachlässigkeiten im Umgang mit Chancen und einer „grausamen“ zweiten Halbzeit: „Da haben wir gefühlt keinen Zweikampf mehr gewonnen.“

Marko Marin hatte dennoch den Eindruck, dass bei Werder jeder alles gibt, um Erfolg zu haben. Er wollte auch „nicht von einer Krise sprechen. Vor dem Bayern-Spiel haben wir immerhin vier Mal in Folge nicht verloren.“ Der 21-Jährige gestand aber auch: „Nach so einem Start durften wir dieses Spiel nicht mehr verlieren.“

Hugo Almeida hatte Werder mit seinem frühen Kopfballtor (6.) einen Start nach Maß beschert. Anschließend drängten die Hausherren weiter, vergaben aber durch Marin, Almeida und Marko Arnautovic beste Chancen. Das rächte sich: Die beiden quirligen Deutsch-Türken Ilkay Gündogan (45.) und Mehmet Ekici (47.) trafen kurz vor und nach der Pause für den „Club“, der im zweiten Durchgang gegen wehrlose Bremer seinerseits ein Schützenfest hätte feiern können. Es reichte aber nur noch zum 3:1 (73.) durch Gündogan. Nachdem er die Latte und dann Julian Schieber den Pfosten getroffen hatte, versetzte Gündogan Werder im dritten Versuch den K.o.. Das Anschlusstor durch Claudio Pizarro fiel viel zu spät (90.+1).

Die Bremer verpassten damit die – vorübergehende – Verbesserung auf Platz drei, rutschten stattdessen runter auf Rang elf und gehen morgen mit angeknackstem Selbstvertrauen ins wegweisende Enschede-Spiel. „Es wird schwer nach dieser Niederlage“, weiß Marin, „aber wir müssen die drei Punkte hier behalten. Das ist unsere einzige Chance.“

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