Frings freut sich nur ganz kurz

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Als das Weserstadion fast explodierte . . . Torsten Frings (4. von links) hat gerade das Siegtor gegen Hoffenheim geschossen. Seine Teamkollegen Clemens Fritz, Sebastian Prödl, Petri Pasanen, Per Mertesacker, Denni Avdic und Claudio Pizarro (von links) eilen zum Kollektivjubel herbei.

Von Malte Rehnert - Nein, geträumt hatte Torsten Frings von seinem tollen Siegtor nicht. „Wir wollen es ja nicht übertreiben“, sagte der Werder-Kapitän gestern Mittag. Nach dem Freistoßhammer zum erlösenden 2:1 (1:0) gegen 1899 Hoffenheim habe er „gut geschlafen“, meinte der 34-Jährige.

Von Freudentaumel oder Euphorie war nichts mehr zu spüren. Frings hat den wichtigen Erfolg zum Rückrunden-Auftakt gerne mitgenommen – aber er weiß, dass dies nicht mehr als ein kleiner Schritt war. Und: Er hat die katastrophale Hinrunde noch lange nicht abgehakt.

„So ein Einstellungs- und Charakterproblem hatten wir noch nie“, monierte der Kapitän – aber nicht etwa laut schimpfend, sondern ganz ruhig und sachlich.

Schon in den vergangenen Monaten hatte Frings mehrfach deutlich die Mentalität im Bremer Kader angeprangert, was Sportchef Klaus Allofs gestern in der „Sport1“-Sendung „Doppelpass“ durchaus kritisch beurteilte: „Klar ist es problematisch, wenn sich jemand so äußert, der selbst nicht so gut drauf ist. Das kam in der Mannschaft nicht immer so gut rüber. Am besten werden solche Äußerungen aufgenommen, wenn man selbst außerhalb jeder Kritik steht – und das war bei Torsten in der Hinrunde nicht der Fall.“

Werder Bremen - Die Noten

Werder gegen Hoffenheim - Die Noten

Gegen Hoffenheim schon – nicht nur wegen seines 108-km/h-Geschosses aus 24 Metern in der Nachspielzeit, mit dem er sehenswert auf den Hoffenheimer Ausgleich durch Boris Vukcevic (87.) geantwortet und Werder zum Sieg geballert hatte. „Er hat die Dinge gezeigt, für die er steht. Sich wehren, gegen Widerstände arbeiten, sich nicht alles gefallen lassen. Das alles hat er eindrucksvoll bewiesen“, lobte Trainer Thomas Schaaf. „Er war der Leader, der die Manschaft mitreißt“, ergänzte Allofs anerkennend. Und auch Claudio Pizarro, der das 1:0 (36.) erzielt hatte, schwärmte von einem „Super-Tor. So ‘was hat er lange nicht mehr gemacht. Er ist ganz wichtig für die Mannschaft“, unterstrich der Peruaner und fügte mit einem breiten Grinsen an: „Torsten ist wieder da!“

Sieg gegen Hoffenheim

SV Werder Bremen - 1899 Hoffenheim

Doch wie lange noch, ist weiterhin völlig offen. Die Verlängerung des am Saisonende auslaufenden Vertrags, zunächst scheinbar reine Formsache, ist eben doch kein Selbstgänger. Allofs jedenfalls äußerte sich diesbezüglich ziemlich zurückhaltend: „Konkrete Vertragsgespräche gibt es erst, wenn wir wissen, wie es sportlich bei Werder Bremen weitergeht. Aber wir versuchen, Lösungen zu finden, wie wir weiter zusammenarbeiten können.“

Ob nun auf dem Platz oder in anderer Funktion, mag auch Frings noch nicht so recht einschätzen. Er hat zwar weiterhin „Lust auf Fußball“, in den vergangenen Monaten „mit den ganzen Problemen aber auch ein bisschen den Spaß verloren. Es muss besser funktionieren, wir müssen als Team besser harmonieren. Das ist mir wichtig. Wir haben in der Hinrunde vergessen, was in den letzten Jahren immer unser Erfolgsrezept war – dass einer für den anderen da ist.“ Dennoch dachte und denkt er nicht daran, seine Kapitänsbinde abzugeben. „Ich stehe zu 100 Prozent hinter der Mannschaft“, versicherte Frings, der nun im Hoffenheim-Spiel endlich eine Werder-Einheit auf dem Platz gesehen hatte: „Da war’s super, hoffentlich gibt uns das einen Ruck. So muss es weitergehen – aber über einen längeren Zeitraum.“

Durch die drei Punkte schob sich Werder vom 14. auf den zwölften Platz vor und verhinderte extreme Abstiegsängste. „Wir haben uns riesig gefreut und gefeiert, als wären wir Weltpokal-Sieger geworden“, sagte Pizarro. „Es war eine Stimmung wie nach dem Gewinn einer Meisterschaft“, urteilte Co-Trainer Wolfgang Rolff. „Wir waren alle sehr erleichtert“, meinte Frings, der sich mit seinen Teamkollegen im „bebenden“ Weserstadion ordentlich hatte feiern lassen.

Von einem Befreiungsschlag wollte nach dem sehr hart erarbeiteten und nicht herausgespielten Sieg allerdings kein Bremer sprechen. „Wir haben gesehen, dass es in die richtige Richtung geht – aber wir haben noch längst nicht alles richtig gemacht“, bremste Schaaf. Und Frings empfahl: „Kurz freuen und dann an das nächste Spiel in Köln denken. Denn das wird wieder sehr schwer.“

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