Rückendeckung von Allofs und Fans – und das nach der 0:4-Blamage beim HSV

Freie (Tal-)Fahrt für Schaaf

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Schwere Zeiten für Thomas Schaaf, doch Sportchef Klaus Allofs rückt keinen Zentimeter vom Werder-Coach ab.

Von Björn Knips · Die Fans haben die Talfahrt des SV Werder Bremen gestoppt. Allerdings nur auf der Rampe zum Weserstadion. Dort hatten sich am Samstagabend 250 Anhänger niedergelassen und den Mannschaftsbus am Ende der Rückreise von der 0:4-Klatsche beim Hamburger SV aufgehalten.

Schließlich ist der Club der Zweiten Liga so nahe wie seit 1999 nicht mehr. Die Angst geht um – erst recht nach dem peinlichen Derby-Auftritt. Und selbst Sportchef Klaus Allofs gestand: „Die Leistung war schlimm. Wenn wir so weiterspielen, wird’s schwierig.“

Konsequenzen schloss Allofs allerdings aus: „Der Trainer steht nicht zur Disposition.“ Kein Thema sei auch ein Rücktritt von Thomas Schaaf. „Der Trainer beschäftigt sich schon intensiv mit den Planungen für die nächste Saison. Das würde er doch nicht machen, wenn er an Rückzug denken würde“, behauptete Allofs und schob den Profis den schwarzen Peter zu: „Ich sehe den Trainer absolut nicht in der Schuld, sondern zu 100 Prozent die Spieler.“ Zur Erinnerung: Allofs und Schaaf haben all’ diese Sündenböcke selbst verpflichtet.

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Doch dabei sieht sich Allofs auf der sicheren Seite, speziell was mögliche Kritik des Aufsichtsrats betrifft. Der sei schließlich in die Transferpolitik eingebunden gewesen, so Allofs: „Diese Entscheidungen sind schon im Vorfeld getroffen worden, deswegen muss man sie im Nachhinein nicht diskutieren.“ Will heißen: Der Aufsichtsrat hat abgenickt und muss das Ergebnis nun so akzeptieren. Ob er es tut, bleibt sein Geheimnis. Denn Willi Lemke und seine Kollegen geben sich seit Wochen äußerst wortkarg. „Der Aufsichtsrat hält sich auch weiterhin aus der öffentlichen Debatte heraus und äußert sich nicht, um keine weitere Unruhe zu produzieren“, meinte Lemke gestern. Die Sorge über die aktuelle Situation war ihm am Telefon aber deutlich anzuhören.

Training am Sonntag

Werder-Training am Sonntag

Allofs macht sich jedenfalls keine Sorgen, dass sein Job in Gefahr ist und er als Geschäftsführer abberufen werden könnte: „Ich spüre die absolute Rückendeckung vom Aufsichtsrat – genauso wie sie Thomas Schaaf von der Geschäftsführung bekommt. Bei uns gibt es keine Ungereimtheiten zwischen Aufsichtsrat, Geschäftsführung und Trainer.“

Auf dem Platz sieht das ganz anders aus. Da passt so gut wie nichts zusammen. Obwohl Schaaf dazu nach dem Debakel eine sehr eigene Meinung hatte: „In der ersten Halbzeit haben wir gut gespielt und dem HSV das Leben schwer gemacht.“ Zu sehen war davon allerdings nichts. Werder konnte nicht mal den Pauli-Schock der Gastgeber nutzen, die nach der Derby-Pleite vom Mittwoch gegen den kleinen Stadtrivalen mit vollen Hosen begonnen hatten. Die Gäste waren im Spiel nach vorne Meister der Langsamkeit und so harmlos wie seit Jahren nicht mehr. Und hinten ist immer einer für einen richtig großen Bock gut. In diesem Fall Per Mertesacker – und das gleich stolze drei Mal. Mladen Petric (42.), Paolo Guerrero (64./79.) sagten Danke – und Änis Ben-Hatira (87.) legte sogar noch einen drauf.

Werder ließ sich wehrlos abschlachten. Die Fans waren geschockt, sangen „Wir haben die Schnauze voll“. In Bremen gab’s die Fortsetzung per Sitzblockade; der ersten seit 2003. Damals – nach dem Pokal-Aus in Kaiserslautern – wurde es richtig ungemütlich, die Profis mussten vor den aufgebrachten Anhängern durch einen Wald zum Hotel flüchten. Diesmal blieben alle brav. „Es gab keine Pöbeleien, sondern wirklich gute Gespräche. Ich fand die Aktion gut“, berichtete Clemens Fritz. Genauso wie seine Teamkollegen und die sportliche Leitung war er sofort ausgestiegen. Schaaf soll am Ende sogar von den Fans gefeiert worden sein, berichtete Allofs stolz und fühlte sich damit in seinem (Nicht-)Handeln bestätigt. Doch die sportliche Talfahrt ist damit längst nicht gestoppt.

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