Fürths neuer Trainer gibt sich im Abstiegskampf keinen Illusionen hin / Nach Bremen kommt er am Samstag noch ohne Lizenz

Frank Kramer denkt „nicht an das große Ganze“

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Der neue Mann: Frank Kramer gestern bei seiner Vorstellung als Trainer von Greuther Fürth.

Bremen / Fürth - Frank Kramer kam direkt von der Fußballlehrer-Ausbildung in Hennef. Morgens gleich um acht Uhr noch eine mündliche Prüfung in Fußballlehre, Trainingswissenschaften und Sportpsychologie, dann um 13.30 Uhr die Vorstellung als Fußballlehrer der SpVgg Greuther Fürth – so hatte sich der 40-Jährige das gedacht.

Dummerweise sind auch seine Reisepläne gestern vom landesweiten Wintereinbruch durchkreuzt worden: Am Autobahnkreuz Biebelried geriet der neue Hoffnungsträger „bei dichtem Schneetreiben“ (Kramer) in eine Vollsperrung. Kann passieren.

Deshalb wurde er erst mit erheblicher Verspätung in jenem Fürther Presseraum vorgestellt, in dem drei überdimensionale Schwarz-Weiß-Ablichtungen der Meistermannschaften von 1914, 1926 und 1929 hängen. Nachdem Kramer die Kamerateams ein ganzes Fußballspiel lang warten ließ, stellte er sogleich klar, dass er diese Saison anständig abwickeln möchte.

„Der Verein, das ganze Umfeld und die Mannschaft haben unheimlich lange darauf hingearbeitet, in der Bundesliga zu spielen. Wenn noch neun Spieltage zu spielen sind, dann sollten das sowohl die Mannschaft als auch das Umfeld ein bisschen genießen“, sagte Kramer, der als Dozent der Universität Erlangen Auftritte vor Publikum gewohnt ist. Oder geht im Auswärtsspiel am Samstag beim SV Werder schon mehr? „Es ist klar, dass wir in Bremen anders auftreten wollen“, so Kramer. Spaß solle es machen, Gas wolle man geben. So sprach der Pragmatiker, denn: „In der Situation, in der wir uns befinden, sind wir gut beraten, nicht an das große Ganze zu denken.“

Der vorerst bis 2014 beurlaubte Gymnasiallehrer für Sport und Englisch gilt als gewissenhafter Mensch und „hochqualifizierter Trainer“, wie Hoffenheims Manager Andreas Müller betont. Im Kraichgau hatten sie ihrem U 23-Coach als Übergangslösung nur für zwei Hinrundenpartien die Verantwortung übertragen, im Frankenland ist das Vertrauen größer: Sein Vertrag, gültig für erste und zweite Liga, läuft bis 30. Juni 2015.

Am Ronhof wird er mit offenen Armen empfangen. „Ein alter Bekannter, eine alte Konstante. Die meisten kennen ihn – und ich habe nur Gutes gehört“, erklärte Kapitän Mergim Mavraj. Viele seiner Kollegen haben Kramer entweder als Spielertrainer der zweiten Mannschaft erlebt, später trainierte er auch U 19 und U 23 der Spielvereinigung.

Präsident Helmut Hack hat diesen Mann ausgewählt, um „den Neuanfang voranzutreiben“. Kramer möchte „Zuschauer und Umfeld mitnehmen“ – und er weiß, dass eine Überraschung im Weserstadion helfen kann, um jene tiefen Risse zwischen Fans und Mannschaft zu kitten, die bei der Heimpleite gegen Hoffenheim (0:3) entstanden waren. Der neue Coach wird wohl schon in Bremen jenen unverbrauchten Kräften vertrauen, die auch bei einem Neuaufbau in der zweiten Liga in Frage kommen. Der alternde Stürmer Gerald Asamoah oder der zum VfB Stuttgart wechselnde Sercan Sararer scheinen endgültig außen vor.

Bis Saisonende bekommt Kramer Assistenz von Interimscoach Ludwig Preis, der in Hacks Tee-Unternehmen eigentlich den Bereichsleiter Zoll und Logistik gibt und keine Fußballlehrer-Lizenz besitzt. Die hat auch Kramer am Samstag noch nicht in der Tasche – seine letzte Prüfung steht erst am Dienstag an. „Das ist aber nur eine Lehrprobe“, sagt er. Die Bewährungsprobe heißt Bremen. · mb

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