Franco Di Santo lobt sein Argentinien: „Mehr als nur Messi“ / Deutschland Favorit

„Es wird ein großes Finale“

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WM knapp verpasst, beim Finale nur ein Fan. Aber damit hat der Argentinier Franco Di Santo kein Problem: „Für mich war es eine Freude, mit dem Team trainiert zu haben.“

Bremen - Der Begriff des „Fast-Vize-Weltmeisters“ macht schon die Runde. Gemeint ist Franco Di Santo (25), der es vor der WM beinahe ins Aufgebot Argentiniens geschafft hat und nun morgen nicht dabei ist, wenn sein Land gegen das DFB-Team eben nicht den Titel holt, sondern nur Zweiter wird.

So weit die – zugegeben – überhebliche deutsche Art des Denkens. Werder-Stürmer Di Santo denkt anders. Zwar sieht er in Deutschland den Favoriten, aber Argentinien sei nicht chancenlos. In einer Runde mit Bremer Journalisten erläuterte er gestern, was für seine Landsleute spricht: Eine Bombenabwehr, die weltbeste Offensive, ein großer Zusammenhalt und natürlich die außergewöhnlichen Fähigkeiten des Lionel Messi.

Sie gehörten vor der WM zum noch 30 Mann starken argentinischen Aufgebot, wurden dann aussortiert. Das Finale sehen Sie deshalb nur im Fernsehen – traurig?

Franco Di Santo: Nein. Für mich war es eine Freude, mit dem Team trainiert zu haben. Jetzt freue ich mich über den Erfolg der Mannschaft – es ist eine großartige Truppe.

Wie gespannt sind Sie auf das Endspiel?

Di Santo: Ich denke, es wird ein großes Finale.

Wer ist aus Ihrer Sicht der Favorit?

Di Santo: Argentinien (lacht). Nein, nach dem, was im Halbfinale gegen Brasilien passiert ist, ist Deutschland der Favorit.

Das 7:1 war Spektakel pur, das zweite Halbfinale zwischen Argentinien und den Niederlanden dagegen von Taktik geprägt. Welche Art Fußball erwarten Sie im Finale?

Di Santo: Es kann beides passieren. Es war ja verrückt, was Brasilien da gegen Deutschland zugestoßen ist. Sieben Gegentore in einem Spiel, allein fünf in der ersten Halbzeit – das ist nicht normal für einen fünffachen Weltmeister. Argentinien wird morgen aber sicherlich vorsichtiger sein als Brasilien. Es kann ein von Taktik geprägtes Spiel werden – oder aber das genaue Gegenteil. Ich weiß es einfach nicht.

Was auffällt: Argentiniens Defensive hat in den drei K.o.-Spielen kein einziges Gegentor zugelassen. Kann diese Abwehr auch Deutschlands Offensive mit Thomas Müller und Miroslav Klose stoppen?

Di Santo: Wieso nur Müller und Klose? Deutschland hat eine Mannschaft, in der jeder Spieler gefährlich ist. Es reicht nicht, sich den oder den rauszupicken.

Viele sagen, dass das bei Argentinien anders ist und allein Lionel Messi die Qualität der Mannschaft bestimmt. Wie kann Deutschland ihn stoppen?

Di Santo: Jeder stellt mir diese Frage. Bei Messi ist es doch so: Der Gegner nimmt ihn völlig aus dem Spiel, doch dann ist er plötzlich da und schießt ein, zwei Tore. Fragen Sie mal die deutschen Verteidiger, wie sie Messi stoppen wollen. Ich glaube, dass es sehr, sehr schwierig wird. Er ist aktuell der beste Spieler der Welt.

Messi hat in der Gruppenphase die Partien entschieden, dann hat er jedoch Spiel für Spiel abgebaut. ist noch ein Pfeil im Köcher?

Di Santo: Er hat vier Tore geschossen, dazu ein paar Vorlagen gegeben – es ist schon jetzt eine große WM von Messi. Zuletzt war er vielleicht nicht so auffällig, aber ich glaube, er kann im Finale noch mal einen raushauen.

Sie kennen die deutschen Verteidiger aus der Bundesliga. Passen sie zu Messi?

Di Santo: Das kann man nie mit Sicherheit sagen. Es ist doch so: Wenn Messi den Ball hat, weiß niemand, was er im nächsten Moment damit macht. Aber ich muss auch den Experten widersprechen: Argentinien ist zwar auf Messi fokussiert, die Mannschaft hat aber viel mehr zu bieten. Wir haben Sergio Agüero, Gonzalo Higuain, Ezequiel Lavezzi, hoffentlich auch Angel Di Maria – alles sehr schnelle Angreifer mit großen Qualitäten. In meinen Augen ist das die beste Offensive der Welt. Deutschland muss in der Abwehr wirklich aufpassen.

Di Marias Einsatz ist wegen muskulärer Probleme noch offen. Was würde sein Einsatz oder sein Ausfall für Argentinien bedeuten?

Di Maria: Er ist ein toller Fußballer. Im Champions-League-Finale hat er für Real Madrid überzeugend gespielt, während der WM auch. Er ist neben Messi der beste Spieler im Team. Wenn er dabei ist, wird er sehr wichtig sein.

Wo und wie gucken Sie das Finale?

Di Santo: Ich fliege nach Spanien. Hier kann ich unsere Tore ja nicht richtig bejubeln… (lacht) Im Ernst: Einige meiner Familienmitglieder und Freunde sind in Spanien. Mit denen möchte ich gucken. Also nutze ich die Chance, weil wir bei Werder ja freie Tage haben.

Oder flüchten Sie vor den Siegesfeiern auf deutschen Straßen?

Di Santo: Nein. Ich ziehe es vor, selber zu feiern – mit meiner Familie.

Ihr Tipp?

Di Santo: Ich hoffe, dass Argentinien gewinnt. Aber es wird schwierig – für beide Mannschaften.

csa

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