Florian Kohfeldt – vom Bremen-Liga-Kicker zum Co-Trainer der Profis

„Mein Karriereplan hat mich gerade überholt“

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Gefühlte 400 Mal, wie er selbst sagt, saß Florian Kohfeldt auf der Tribüne des Weserstadions und schaute den Profis zu, jetzt ist er am Spielfeldrand als Co-Trainer ganz dicht dran.

Bremen - Er ist der jüngste Co-Trainer der Bundesliga, auch wenn er es nicht wahrhaben mag. „Der in Paderborn ist noch jünger“, behauptet Florian Kohfeldt – und liegt damit falsch: Volkan Bulut ist zwar wie er 32 Jahre alt, aber knapp sieben Monate älter. Doch wer will dem neuen Co-Trainer des SV Werder den kleinen Rechenfehler in diesen turbulenten Zeiten verübeln? Über Nacht ist aus dem einstigen Bremen-Liga-Torwart und Nachwuchscoach bei Werder ist ein Mitglied der Bundesliga geworden. Weil es Viktor Skripnik, der Nachfolger von Robin Dutt, unbedingt so wollte.

Dabei hatte es zwischen den Beiden gar nicht so gut begonnen, wie sich Kohfeldt grinsend erinnert: „Er hat mich nicht spielen lassen.“ 2005 war das – bei Werder Bremen III in der Bremen-Liga. Kohfeldt war vier Jahre zuvor als Keeper von Jahn Delmenhorst an die Weser gewechselt und bekam nun den Double-Sieger Skripnik als Trainer. „Da guckst du natürlich erst mal.“ Dass er unter Skripnik nicht regelmäßig im Tor stand, konnte der damals 23-Jährige durchaus verkraften – denn vom Thema Profi-Fußball hatte er sich schon viel eher verabschiedet: „Eigentlich wusste ich schon nach meinen ersten beiden Trainingseinheiten in Bremen, dass es damit nichts wird. Richtig eingestanden habe ich mir das aber erst ein Jahr später.“

Kohfeldt schulte früh um, wurde nebenbei Nachwuchstrainer bei Werder. Dazu passte auch sein parallel laufendes Studium (Sport- und Gesundheitswissenschaften). Dort erwies sich Professor Dietrich Milles als Glücksfall. Der ließ den Studenten Kohfeldt an einem Forschungsprojekt „Psychologische und gesundheitliche Leistungsförderung für jugendliche Fußballtalente“ in Kooperation mit Werder und dem DFB mitarbeiten.

Zusammen mit Henning Struck hält Kohfeldt inzwischen Vorträge bei Trainerlehrgängen des DFB. Und lässt sich gerade selbst zum Fußball-Lehrer ausbilden, gemeinsam mit Torsten Frings, dem zweiten Co-Trainer bei den Werder-Profis – und dem wesentlich bekannteren. Doch Kohfeldt hat da keine Berührungsängste: „Wir fahren seit acht Monaten zusammen nach Hennef, wir verstehen uns sehr gut.“ Er fühlt sich auch nicht unwohl, als einstiger Amateurkicker auf der Bank neben den beiden Werder-Legenden zu sitzen: „Ich habe da keine Minderwertigkeitskomplexe.“

Trotzdem nimmt Kohfeldt eine Sonderrolle ein. Skripnik nennt ihn gerne „unseren Studenten“ – und meint das keineswegs hämisch oder abwertend. Ganz im Gegenteil, Kohfeldt soll den Ex-Profis einen anderen Blickwinkel verschaffen. „Weil sie schon alles erlebt haben, setzen sie bei den Spielern vieles voraus. Ich schlage dann vor, das eine oder andere noch mal anzusprechen, weil es vielleicht nicht bei allen angekommen ist“, berichtet Kohfeldt, möchte aber sogleich noch etwas klarstellen: „Ich würde mich nicht als Theoretiker im klassischen Sinne bezeichnen. Ich bin nicht derjenige, der ihnen an der Tafel die Welt erklärt.“

Er gehöre ganz normal zum Trainerteam – und in dem würden die Aufgaben jeden Tag neu verteilt, niemand sei allein für die Defensive oder Offensive zuständig. Sein Sonderjob sei es lediglich, sich intensiver mit den Scouts auszutauschen und das Filmmaterial über den nächsten Gegner für die Teamsitzungen in Form zu bringen.

Bislang hat das gut geklappt. Drei Spiele, drei Siege – es läuft. Doch Kohfeldt hebt nicht ab, umschreibt ganz unaufgeregt das Ziel des Trainerteams: „Wir wollen die Mannschaft stabilisieren und bis zum Winter eine gute Ausgangslage schaffen, damit wir die Klasse halten.“

Dafür sind Kohfeldt und Co. im Dauereinsatz. „Freizeit gibt es gerade nicht“, sagt der 32-Jährige und fügt lachend an: „Wenn Viktor von seinem freien Dienstag erzählt, sitzen Torsten und ich in Hennef und büffeln. Aber das ist alles okay. Es ist doch eine Riesenehre für mich, dass ich hier diese Chance bekomme.“

Seine Frau trage das natürlich mit. Und der Syker Tennisclub Barrier TC muss es ertragen und in diesem Winter wohl auf die Dienste von Kohfeldt verzichten. Vielleicht auch für immer. Denn der bei Werder sehr beliebte 32-Jährige gilt als große Trainer-Hoffnung – doch in die Zukunft mag er jetzt noch nicht schauen: „Ich muss das alles erst sacken lassen. Mein Karriereplan hat mich gerade überholt. Ich bin extrem glücklich mit dem, was ich tue. Es ist unglaublich, vor 40000 in dieses Stadion zu gehen. Und es war umwerfend, wie wir bei unserem ersten Training empfangen wurden. Es macht hier einfach großen Spaß.“

Co-Trainer der Bundesliga

Werder Bremen: Torsten Frings (37), Florian Kohfeldt (32).

Bayern München: Domenec Torrent (52), Hermann Gerland (60).

VfL Wolfsburg: Dirk Bremser (49), Ton Lokhoff (54).

Borussia M'Gladbach: Frank Geideck (47), Manfred Stefes (47).

Hannover 96: Julen Masach (47), Xaver Zembrod (48).

TSG Hoffenheim: Frank Fröhling (36), Frank Kaspari (44).

Bayer Leverkusen: Oliver Bartlett (45), Daniel Niedzkowski (38), Lars Kornetka (36).

FC Augsburg: Tobias Zellner (37), Wolfgang Beller (50).

Mainz 05: Keld Tande Bordinggard (51), Bo Svensson (35).

SC Paderborn: Volkan Bulut (32), Asif Saric Alter (49), Manfred Schmid (43).

FC Schalke 04: Attilio Lombardo (48), Sven Hübscher (35).

Eintracht Frankfurt: Wolfgang Rolff (54), Matthias Hörnerbach (52).

SC Freiburg: Lars Voßler (38), Patrick Baier (47).

Hertha BSC: Markus Gellhaus (44), Rob Reekers (48).

Borussia Dortmund: Peter Krawietz (42), Zeljko Buvac (53).

Hamburger SV: Patrick Rahmen (45).

VfB Stuttgart: Reiner Geyer (50), Armin Reutershahn (54).

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