Juventus Turin will mit Werder kooperieren / Eichin: „Das kann eine tolle Geschichte werden“

Flirt mit einem Mythos

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Kreiszeitung Syke

Bremen - Was waren das noch für Zeiten, als Werder in einem Atemzug mit so Weltclubs wie Juventus Turin genannt wurde. Jetzt kehrt ein Hauch von Champions League an die Weser zurück. Werder flirtet mit einem Mythos.

Juventus Turin will mit dem Bundesligisten kooperieren – und Geschäftsführer Thomas Eichin ist nach seiner Italien-Reise ziemlich angetan: „Die haben tierisch Bock darauf, mit uns etwas zu machen. Das kann eine tolle Geschichte werden.“

Juve-Geschäftsführer Guiseppe Marotta höchstpersönlich zeigte Eichin in den vergangenen Tagen das Trainingszentrum des italienischen Rekordmeisters. „Sehr beeindruckend“ sei das gewesen, so Eichin: „Das ist ein unglaublicher Club.“ In jeglicher Hinsicht. So leistet sich Juventus dank der finanziellen Unterstützung des Fiat-Konzerns nicht nur einen sündhaften teuren Kader (Marktwert laut transfermarkt.de 355 Millionen Euro) sondern auch noch 40 bis 50 Spieler, die an andere Clubs ausgeliehen sind.

„Das ist ein Geschäftsmodell, das wir in Deutschland so nicht kennen“, erklärt Eichin. Um die ganzen Spieler einfacher unterzubringen und weiterzuentwickeln, sucht Juventus europaweit nach Kooperationspartnern. In Deutschland ist die Wahl auf Bremen gefallen. Dort sollen künftig Talente reifen oder auch schon ältere Profis, die bei Juventus nicht mehr so zum Zuge kommen, ihren Marktwert wieder steigern.

Junge Spieler haben es in Italien nicht leicht. Nach der U 19 gibt es bei den Proficlubs keine U 23 wie in Deutschland. Deshalb werden viele Talente anschließend in der Zweiten Liga geparkt. Luca Caldirola erging es ähnlich. Inter Mailand lieh ihn immer wieder aus und verkaufte ihn schließlich vor dieser Saison an Werder. In der Bundesliga schaffte Caldirola sofort den Durchbruch – und ist für ein Eichin damit ein gutes Beispiel „wie man sich hier auf hohem Niveau entwickeln kann. Das hat natürlich auch Juventus gesehen und ist dadurch auf uns aufmerksam geworden.“

Anders als Inter will sich Juventus einen möglichen Caldirola nicht durch die Lappen gehen lassen. Deshalb die Kooperation. Aber was hat Werder davon, Spieler nur auf Leihbasis zu bekommen? „Eine ganze Menge“, sagt Eichin: „Wir kriegen Spieler, die uns für wenig oder sogar gar kein Geld nach vorne bringen.“ Außerdem sei es auch Verhandlungssache, ob man eine Kaufoption bekommt oder an weiteren Transfererlösen beteiligt wird. Es gehe auch nicht ausschließlich um Talente. „Ich will hier auf keinen Fall unsere eigenen Jungs blockieren“, verspricht Eichin und gesteht: „Mich interessiert natürlich noch mehr der 25-Jährige, der Tore schießt, aber vielleicht gerade nicht an einem Star wie Arturo Vidal vorbeikommt und deshalb für uns ein Thema sein kann.“

Es gibt sogar schon einige Kandidaten. „Wir haben natürlich über Spieler gesprochen. Ich habe auch eine Liste mitbekommen“, verrät Eichin. Es sei nicht ausgeschlossen, dass die Zusammenarbeit mit Juventus schon in der nächsten Transferphase im Januar startet. Namen will der Geschäftsführer aber nicht nennen – und sein Trainer schon gar nicht irgendwelche Wünsche äußern. Aber Robin Dutt lobt immerhin ausdrücklich seinen Sportchef: „Dass sich Thomas auf dieser Ebene bewegt, zeigt unseren Anspruch. Ich bin fasziniert, welche Wege Thomas beschreitet.“

Italienische Sehnsucht: Juventus-Geschäftsführer Guiseppe Marotta würde gerne mit Werder eine Kooperation eingehen und hat deshalb Sportchef Thomas Eichin nach Turin eingeladen.

Es ist einer diesen kreativen Wege, von denen Eichin mit Blick auf die schon lange nicht mehr gut gefüllte Werder-Kasse spricht. Würden die Bremer noch Champions League spielen, dann wäre das für „die und für uns kein Thema“. Wer macht schon gerne einen potenziellen Gegner stark? Die Turiner werden nicht vergessen haben, mit wie viel Dusel – oder besser gesagt: mit wie viel Unterstützung von Tim Wiese – sie 2006 das Achtelfinale der Königsklasse gegen Werder überstanden haben. „Wer damals dachte, Werder sei auf Augenhöhe mit Juventus, lag schon falsch. Und heute trennen uns Welten“, hebt Eichin hervor, will sich aber auch nicht kleiner machen als nötig: „Juventus kann auch von uns lernen.“ Zum Beispiel im Marketing oder beim sozialen Engagement. Die Zusammenarbeit soll deshalb über den reinen Fußball hinausgehen – und auch wenn es nicht gleich zu Transfers komme, „ist das nicht schlimm. Wir haben einen Fuß in der Tür. Juventus hat so viele Informationen über Spieler, auch davon können wir mit Nachfragen profitieren“, glaubt Eichin.

Das hatte vor gar nicht langer Zeit auch Eintracht Frankfurt gedacht. Doch aus der Kooperation mit Manchester City ist in der Mainmetropole nur der Transfer eines untauglichen Abwehrspielers aus der zweiten Mannschaft des englischen Spitzenclubs in Erinnerung geblieben. Eichin schreckt das nicht ab: „Es liegt doch an uns, diese Geschichte mit Leben zu füllen. Wenn es klappt, ist es super, wenn nicht, hatte ich zwei schöne Tage in Italien. Wir dürfen das jetzt auch nicht zu hoch hängen.“ Das nächste Treffen findet noch in diesem Jahr statt, dann allerdings in Bremen. · kni

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