Fischer-Vorstoß kam „völlig überraschend“

Rücktritt? Lemke lässt es offen

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Seite an Seite für Werder, doch jetzt gibt es Spannungen zwischen Willi Lemke (li.) und Klaus-Dieter Fischer.

Bremen - Über Jahrzehnte schrieben sie gemeinsam am Märchen von der heilen Werder-Familie. Aber das war einmal. Jetzt ist das Verhältnis zwischen Willi Lemke (68) und Klaus-Dieter Fischer (73) erkennbar gestört. Grund: Fischers Anregung zum Schuldenmachen. Der Geschäftsführer hatte sich im Interview mit dieser Zeitung dafür ausgesprochen, den Werder-Weg der Vergangenheit zu verlassen und Kredite aufzunehmen, um in der Winterpause in die Mannschaft des Bundesliga-Letzten investieren zu können. Er tat es, ohne Lemke davon in Kenntnis gesetzt zu haben. Der Fischer-Vorstoß sei für ihn „völlig überraschend“ gekommen, sagte der Bremer Aufsichtsratschef gestern der Deutschen Presse-Agentur.

Fischers Plan ist das genaue Gegenteil von dem, was Lemke für das Beste hält. Oder bisher dafür gehalten hat. Der ehemalige Werder-Manager war stets stolz auf einen schuldenfreien SV Werder – und wollte das auch bleiben. Deshalb wurde im Sommer der von Sportchef und Geschäftsführer Thomas Eichin vorangetriebene Kauf des Costa Ricaners Bryan Ruiz vom FC Fulham durch den Aufsichtsrat gestoppt. Das hat die Geschäftsführung verärgert – zumal eine Diskussion über die Möglichkeit einer Fremdfinanzierung nicht wirklich geführt worden war. Nun sagte Lemke, dass über Fischers Schuldenoffensive gesprochen werden müsse: „Darüber werden wir mit der Geschäftsführung im Aufsichtsrat intensiv reden.“ Aber wohl erst in der kommenden Woche. Denn Lemke brach gestern in seiner Eigenschaft als UN-Sonderbeauftragter zu einer Russland-Reise auf. Rückkehr erst am Wochenende. Abzuwarten bleibt bis dahin, ob seine Gesprächsbereitschaft als eine Drohung an die Geschäftsführung oder als ein Signal des Einlenkens gemeint war.

Fakt ist: Lemkes Linie bleibt im eigenen Verein nicht mehr ohne öffentlichen Widerspruch. Die Zukunft des SV Werder ist gefährdet, neue Wege – so sieht es Fischer und mit ihm wohl auch seine Geschäftsführerkollegen – müssen beschritten werden.

Geht es nach einer Gruppe Bremer Unternehmer, dann wird es ein Weg ohne Willi Lemke sein. Wie Fischer bestätigte, gibt es in der heimischen Wirtschaft – nach Informationen dieser Zeitung handelt es sich unter anderem um Zechbau, Cordes & Graefe sowie das Hannoveraner Unternehmen Einza – das Interesse, Werder finanziell zu unterstützen. Aber angeblich nur unter der Bedingung, dass Willi Lemke seinen Platz räumt. Mehr Geld für weniger Lemke – lässt Werder das mit sich machen?

Nur Lemke selbst könne darüber entscheiden, hatte Klaus-Dieter Fischer gesagt. Der Betroffene zeigt sich über das unmoralisch anmutende Hilfsangebot sehr irritiert. Finanzielle Unterstützung wird zwar gerne angenommen, aber: „Falls es an personelle Forderungen geknüpft ist, fände ich das sehr bedenklich, denn es erinnert mich an Verhältnisse bei anderen Vereinen“, meinte Lemke und dachte sicher an den Hamburger SV, wo Investor Klaus-Michael Kühne annähernd so viel Unruhe wie Geld stiftet.

Ob er sich dennoch im Falle eines Falles einen Rücktritt vorstellen könne, wurde Lemke im Gespräch mit Radio Bremen gefragt. Er antwortete nicht.

csa

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