Der Präsident lobt die Ruhe im Club

Fischer verspricht den Werder-Fans: „Aufbruch statt Einbruch“

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Trotz des Allofs-Wechsels nach Wolfsburg glaubt Werder-Präsident Klaus-Dieter Fischer (Bild) an eine gute, grün-weiße Zukunft. ·

Bremen - Sein Blut soll grün-weiß sein – Klaus-Dieter Fischer lebt Werder Bremen. Deshalb hat ihn der Wechsel von Klaus Allofs zum VfL Wolfsburg auch hart getroffen. Schließlich haben sie in der Geschäftsführung jahrelang quasi Tür an Tür gearbeitet.

"Wir dachten, er ist ein Familienmitglied mit längerer Bindung“, hadert Fischer, der auch Präsident des Vereins ist. Doch der 71-Jährige blickt längst wieder nach vorne und ist optimistisch, dass Werder keinen Einbruch, sondern einen Aufbruch erlebt. Im Interview verrät Fischer, welche besondere Rolle dabei Thomas Schaaf und Frank Baumann spielen und wieso er selbst in zwei Jahren als Geschäftsführer Schluss machen wird.

In diesen unruhigen Werder-Zeiten ist die Frage ausnahmsweise einmal erlaubt: Wie geht es Ihnen, Herr Fischer?

Klaus-Dieter Fischer:Sehr gut. Sie werden es vielleicht nicht glauben, aber ich habe Werder selten so ruhig erlebt wie jetzt. Was da in den Zeitungen steht – von Chaos und von Krise – ich weiß nicht, woher das kommt. Geschäftsführung und Aufsichtsrat haben in dieser kurzen Zeitspanne unheimlich viele gute und konstruktive Gespräche geführt. Wir sind alle vom Willen durchdrungen, dass es hier nicht zum Einbruch, sondern zum Aufbruch kommt. Alle haben Lust auf Lösungen. Das ist spannend, das macht Spaß.

Als vor knapp zwei Wochen die Gerüchte um Allofs aufkamen, haben Sie diese noch heftig dementiert – mit dem Hinweis: Allofs hätte sie informiert, wenn dem so wäre, so gut sei das Verhältnis nach über 13 gemeinsamen Jahren in der Geschäftsführung. Sind Sie enttäuscht von Klaus Allofs?

Fischer:Dass wir es von Klaus erst erfahren haben, nachdem eine Zeitung darüber berichtet hatte, hat uns getroffen. Wir haben uns dann im Gespräch mit Klaus Allofs gefragt: Wie gehen wir damit um, was machen wir bei Anfragen von Journalisten? Klaus Filbry und ich haben zu Klaus gesagt, es gibt nur eine Antwort: Ich habe einen Vertrag bis 2016, ich stehe nicht zur Verfügung. Dann wäre das Thema durch gewesen. Aber Klaus hat gesagt: Nein, ich möchte mir das anhören.

Noch einmal, sind Sie enttäuscht von Allofs?

Fischer:Ja, das habe ich ihm auch gesagt. Wir haben ihm auch die Frage gestellt: Wie sollen wir künftig damit umgehen, wenn du bleibst? Wie ist das mit dem Vertrauensverhältnis, das wir gehabt haben? Das war bis dahin sehr gut.

Wie bitter ist es, in Allofs ausgerechnet den Baumeister nach dem Umbruch im Sommer zu verlieren?

Fischer:Es ist bitter. Wir haben gedacht, Klaus Allofs ist ein Familienmitglied mit längerer Bindung.

Haben Sie deshalb auch nicht mehr um ihn gekämpft, weil er die Familie verlassen wollte?

Fischer:Das hat der Aufsichtsrat doch schon vor einem Jahr monatelang gemacht, damit er dann seinen Vertrag bis 2016 verlängert. Das haben wir Geschäftsführer damals heftigst unterstützt. Jetzt waren wir uns einig, dass sich Klaus Allofs für Wolfsburg entschieden hat.

Ganz unvorbereitet ist Werder nicht: Durch die Lehrzeit von Frank Baumann als Assistent der Geschäftsführer steht ein Nachfolger parat. Oder kommt diese Aufgabe für den Ex-Profi zu früh?

Fischer:Wir wünschen uns alle, dass Frank beim Neuaufbau eine wesentliche Rolle spielt. Er ist ein fantastischer Mitarbeiter mit großen Perspektiven und ein wunderbarer Mensch. Bei diesem ganzen Prozess, in dem wir uns gerade befinden, mussten wir bei Werder aber erkennen, dass von außen Unruhe in den Verein hineingetragen werden soll – wie zum Beispiel wiederholt von Jörg Wontorra, möglicherweise durch Rachegelüste getrieben, weil er einst nicht in den Aufsichtsrat wiedergewählt wurde.

Dabei geht es aber eher um Sie und Willi Lemke: Jörg Wontorra hält Sie beide nicht mehr für zeitgemäß und wirft Ihnen vor, den Verein zu beherrschen.

Fischer:Den Verein verantwortungsvoll zu führen, das ist meine Aufgabe, dafür haben mich die Mitglieder gewählt, und das in den letzten 20 Jahren fast immer einstimmig. Dazu wurde niemand gezwungen. Und die angebliche Opposition wurde auch nicht gezwungen, sich nicht zur Wahl zu stellen.

Sind Sie sauer auf Jürgen Born, mit dem Sie zehn Jahre in der Geschäftsführung gearbeitet haben und der jetzt eine Runderneuerung des Clubs fordert?

Fischer:Nein. Wir sind zwar nicht befreundet, aber unser Verhältnis ist in Ordnung. Ich habe versucht, die Wogen zwischen Born und Lemke zu glätten, indem ich das Präsidium davon überzeugt habe, dass Born die goldene Vereinsnadel verdient hat.

Es heißt: Werder sucht einen Born reloaded, der den Verein nach außen präsentiert. Stimmt das?

Fischer:Wir suchen keinen Born reloaded.

Sondern?

Fischer:Ich will dem Aufsichtsrat nicht vorgreifen. Dietmar Beiersdorfer war ein Kandidat. Aber ,Didi’ hat gesagt, er will bei St. Petersburg seinen Weg weitergehen. Eine ehrenhafte Haltung, wie ich finde.

Wollte Werder Beiersdorfer wirklich haben?

Fischer:Wenn wir das zu Ende diskutiert hätten, hätte Beiersdorfer sicherlich die einstimmige Zustimmung des Aufsichtsrates bekommen. Es wäre eine sichere Lösung gewesen, weil man weiß, wie er tickt, was er kann, was er macht.

Wünschen Sie sich als Geschäftsführer lieber einen Fußball-Fachmann wie Klaus Allofs oder einen Neuling in dem Geschäft, der andere Qualitäten mitbringt?

Fischer:Ich kann mir beide Wege vorstellen. Aber ich sehe auch, wie positiv Thomas Schaaf seinen Weg nach dem Weggang von Klaus Allofs geht. Er hat das nach der ersten Trauerarbeit fantastisch gemacht.

Wird Schaaf ein Teammanager wie Alex Ferguson bei Manchester United?

Fischer:Wir haben uns natürlich viele Modelle bei anderen Clubs angeguckt – und da muss man auch mal nach England schauen.

Kann es sich Werder überhaupt erlauben, bei der Allofs-Nachfolge zu experimentieren?

Fischer:Experimente lässt die Bundesliga nicht zu. Aber es wird auch kein Experiment geben, weil wir mit den Bausteinen Schaaf und Baumann absolut gesetzte Fußball-Kompetenz haben.

Neben Ihnen ist auch noch Klaus Filbry in der Geschäftsführung. Er findet in der Öffentlichkeit kaum statt. Muss er künftig mehr Verantwortung übernehmen?

Fischer:Klaus Filbry ist ein fantastischer Kollege, mit vielen kreativen Ideen. Da ist dem Aufsichtsrat ein richtig guter Griff gelungen. Ich denke, dass Klaus in naher Zukunft noch mehr Verantwortung übernehmen wird, zumal auch ich in zwei Jahren aus der Geschäftsführung aussteigen werde.

Das steht nun fest?

Fischer:So habe ich das geplant, weil ich meinen Weg selber bestimmen möchte. Und ich will helfen, meinen Nachfolger aufzubauen. Da werde ich Dr. Hubertus Hess-Grunewald vorschlagen, der jetzt schon mein Stellvertreter in meiner Funktion als Werder-Präsident ist. Als Werder-Präsident möchte ich mindestens noch bis zum Ende meiner Wahlperiode 2015 weitermachen.

Noch sind Sie dabei und haben sicher am Sonntag auch Klaus Allofs im Fernsehen gesehen.

Fischer:Ich gebe zu, das war schon ein komisches Gefühl, ihn in blau zu sehen. Ich habe mir aber gar nicht so viel angeguckt, weil ich mich so unglaublich über unseren Sieg gefreut habe. Das letzte Mal war das so 1999 nach dem 1:0 gegen Schalke mit unserem neuen Trainer Thomas Schaaf, als wir den Abstieg verhindert haben.

Und danach kommt wirklich ein 2:1-Erfolg gegen Fortuna Düsseldorf?

Fischer:Ja, weil ich doch wusste, was passiert wäre, wenn wir nicht gewonnen hätten. Da hätten sich die Medien auf uns gestürzt. Die Stimmung in Bremen wäre im Keller gewesen. Das hätte diese Mannschaft überhaupt nicht verdient gehabt. Sie hat das trotz der vielen Rückschläge im Spiel toll gemacht. Das stimmt mich auch so positiv.

Am Samstag gibt es schon das Wiedersehen mit Klaus Allofs. Wie geht man damit als SV Werder um?

Fischer:Möglichst normal. Aber das wird trotzdem schwierig.

Ist Klaus Allofs nicht der beste Informant?

Fischer:Das können wir nicht ändern, im Fußball gibt es nun einmal keine Wettbewerbsklauseln, aber auch keine großen Geheimnisse.

Haben Sie Angst, dass er Werder-Spieler nach Wolfsburg lockt?

Fischer:Man muss das ganz realistisch sehen. Klaus Allofs ist seit Mittwoch ein Konkurrent. Ich schließe das nicht aus, das ist das Geschäft. Rein finanziell sitzt er sicher am längeren Hebel. Aber es würde dem moralischen Ansehen des Fußballs sicher nicht schaden, wenn es eine Schamfrist gibt, bevor man sich beim Ex-Club bedient. · kni

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