Werder macht sich in Genua auf einiges gefasst / Wiese: „Ruhig spielen“

Feuriges „Finale“ im heißen „Hexenkessel“

Klare Forderung: Werder-Keeper Tim Wiese verlangt heute in Genua von seinen Teamkollegen vor allem eine konzentrierte und engagierte Defensivleistung.

Genua · Den ersten Vorgeschmack auf das feurige „Finale“ gab’s in Genua schon gestern Mittag beim Verlassen des Flugzeugs. Den Werder-Spielern schlugen 34 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von gefühlten 90 Prozent entgegen.

Der Schweiß floss in Strömen – doch im alles entscheidenden Qualifikations-Rückspiel zur Champions League wird’s schlimmer. Der Empfang im längst ausverkauften Stadio Luigi Ferraris dürfte heute Abend (20.45 Uhr/Sat.1 und Sky live) noch um einiges heißer sein. Über 30 000 Fans werden Sampdoria nach vorne peitschen – in der Hoffnung, dass sich die Norditaliener trotz der 1:3-Niederlage im Hinspiel vor knapp einer Woche noch durchsetzen.

Abschlusstraining in Genua

Abschlusstraining in Genua

Werder hingegen will den Vorsprung im sportlich wie finanziell extrem wichtigen 15-Millionen-Spiel mit Händen und Füßen verteidigen – trotz der, vom Hinspielergebnis mal abgesehen, schlechten Voraussetzungen:

Erstens: In Aaron Hunt, der wegen einer fiebrigen Erkältung in Bremen geblieben ist, Hugo Almeida (Zerrung im Oberschenkel) und dem schon länger verletzten Naldo (Knieprobleme) fehlen gleich drei Leistungsträger. „Das trifft uns hart, weil wir keinen Kader haben, wo wir sagen können: Jetzt zaubern wir mal den Nächsten aus dem Hut“, sagt Manager Klaus Allofs und ergänzt: „Aaron war in einer super Verfassung – und auch Hugo hat im Hinspiel überzeugt.“

Zweitens: Die Bremer gaben beim Bundesligastart in Hoffenheim (1:4) ein erschreckendes Bild ab und klagten danach auch vereinzelt über die Hitze, die in Italien noch heftiger ist.

Drittens: Sie müssen bei einem hoch motivierten Gegner in dessen Stadion ran. „Dass da die Post abgeht, weiß jeder. Sie treten zu Hause ganz anders auf und haben dort in der letzten Saison auch die meisten ihrer Punkte eingefahren“, weiß Werder-Stürmer Marko Arnautovic, der von Inter Mailand gekommen war. „Das ist ein Hexenkessel“, urteilt auch Allofs. „Genua wird gleich Druck aufbauen und versuchen, mit den Fans im Rücken eine Atmosphäre aufzubauen, auf der sie schweben und von der sie getragen werden“, glaubt Trainer Thomas Schaaf. Und Sebastian Boenisch ahnt: „Wenn man gesehen hat, wie die 3 000 Genua-Fans in Bremen abgegangen sind, kann man sich vorstellen, was uns da erwartet. Das wird ein heißer Tanz, da müssen wir Ruhe bewahren.“

Dass Sampdoria zu Hause in der vergangenen Saison die Topclubs Inter (1:0) und AC Mailand (2:1) sowie AS Rom (0:0) mächtig geärgert hat, imponiert Boenisch aber kaum: „Werder werden sie nicht schlagen. Ich bin sicher, dass wir uns qualifizieren.“ Diese Überzeugung vermittelt auch Keeper Tim Wiese: „Ich bin Optimist und mache mir keine Sorgen. Wichtig ist, dass wir ruhig spielen, sicher stehen und nichts zulassen.“

Genau deshalb liebäugelt Schaaf offenbar mit einer defensiveren Taktik als dem zuletzt praktizierten 4:4:2. „Darüber mache ich mir noch Gedanken“, meinte der Coach. Anbieten würde sich die Rückkehr zum erfolgreichen 4:2:3:1-System aus der Vorsaison. Claudio Pizarro als einzige Spitze, dahinter eine mehr oder weniger offensive Dreierreihe mit Marko Arnautovic (rechts), Tim Borowski (Mitte) und Marko Marin (links), dazu eine „Doppelsechs“ mit Kapitän Torsten Frings und Philipp Bargfrede zur besseren Absicherung. Möglich zudem, dass Boenisch den zuletzt schwachen Petri Pasanen hinten links ersetzt.

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