Festung Weserstadion bröckelt

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Nicht häufig hatten Abwehrchef Per Mertesacker und seine Kollegen in der Hinrunde die Möglichkeit, ihre Fans im Weserstadion nach einer guten Leistung und einem Sieg abzuklatschen.

Bremen - Von Malte Rehnert· Davon zu sprechen, dass Werder Bremen zu Hause eine Macht ist, wäre maßlos übertrieben. Auch vor heimischem Publikum sind die Hanseaten in der Hinrunde vieles schuldig geblieben. Vier Siege, ein Remis und drei Niederlagen – das ist nicht Werder-like.

Immerhin holte die Mannschaft von Trainer Thomas Schaaf daheim 13 der insgesamt mageren 19 Bundesliga-Punkte. Und: Der einzige Sieg in der Champions League (3:0 gegen Inter Mailand) wurde ebenfalls in der Heimspielstätte erzielt. Ein Rückblick auf Werders Heimspiel-Hinrunde in der Liga:

1. FC Köln 4:2

So titelte die Kreiszeitung: Arnautovic bittet zum Tanz.

Das Spiel: Erstes Heimspiel, erster Sieg – dank Marko Arnautovic. Der Bremer Neuzugang trifft doppelt, bereitet einen weiteren Treffer mustergültig vor und verzückt die Werder-Fans. Zudem verwandelt Kapitän Torsten Frings seinen 18. Elfmeter in Folge. Tor Nummer vier steuert der eingewechselte Hugo Almeida bei.

Die Reaktionen: „Ich kann mir keinen besseren Einstand vorstellen“, schwärmt Arnautovic. Und Marko Marin lobt den Österreicher stellvertretend fürs gesamte Team: „Marko hat eine Superleistung gezeigt.“

Die Folgen: Werder springt vom 18. auf den neunten Platz, beklagt aber einen verletzten Leistungsträger. Claudio Pizarro fällt mit einem Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel aus – der erste von dreien in der Hinrunde.

FSV Mainz 05 0:2

So titelte die Kreiszeitung: Werder schlecht wie lange nicht.

Das Spiel: Kein Mumm, keine Ideen, keine Gegenwehr – die Bremer erschrecken ihre Fans im zweiten Heimspiel mit einer fürchterlichen Leistung und werden gnadenlos ausgepfiffen.

Die Reaktionen: Kapitän Frings stellt sich als einziger Werder-Profi den Journalisten und warnt: „Wir müssen dringend etwas ändern, sonst werden wir unsere Ziele nicht erreichen.“ Sportchef Klaus Allofs traut seinen Augen nicht: „Das war zu schlecht, um wahr zu sein.“ Und Trainer Thomas Schaaf klagt: „Das war die schlechteste Leistung, die wir seit Jahren abgeliefert haben.“

Die Folgen: Werder ist Elfter, Mainz erstmals in der Vereinsgeschichte Tabellenführer. Am nächsten Tag gibt’s die erste (und nicht die letzte) Krisensitzung – 30 Minuten lang lesen Schaaf und Allofs den Spielern die Leviten. „Es sind deutliche Worte gefallen“, sagt Keeper Tim Wiese.

Hamburger SV 3:2

So titelte die Kreiszeitung: Almeida Werders Held.

Das Spiel: Nach zuvor vier Pflichtspielen ohne Sieg (erst zwei Remis, dann zwei Pleiten) gelingt Werder im Nordderby ein Schritt aus der Krise. Nach einer 2:0-Führung wird’s aber noch mal eng, der HSV gleicht aus. Erst Hugo Almeida macht den Sieg mit seinem zweiten Tor perfekt. Sein Comeback nach schwerer Gesichtsverletzung gibt Per Mertesacker. Der Innenverteidiger rettet kurz vor Schluss gegen Ruud van Nistelrooy und verhindert das 3:3.

Die Reaktionen: „Ich hoffe, dass es jetzt klick gemacht hat. Wir dürfen uns damit aber nicht gleich wieder zufrieden geben“, mahnt Frings.

Die Folgen: Nach einem Unfall im Gästeblock – mitverursacht durch eine Blocksperre – sind 17 Polizisten und sieben HSV-Fans verletzt, zwei davon schwer. Werder-Geschäftsführer Klaus Filbry zeigt sich bei einer eigens einberufenen Pressekonferenz geschockt: „Da relativiert sich einiges.“ Personell sieht’s nach dem Nordderby düster aus: Torsten Frings muss sich einer Not-Operation am Oberschenkel unterziehen, Clemens Fritz und Claudio Pizarro fallen mit Muskelfaserrissen (ebenfalls an den Oberschenkeln) aus. Werder klettert vom 14. auf den zwölften Platz.

SC Freiburg 2:1

So titelte die Kreiszeitung: Almeidas Kopfball ins Glück.

Das Spiel: Wie schon gegen den HSV (3:2) und dann in Leverkusen (2:2) heißt Werders Retter Hugo Almeida. In einem durchwachsenen Spiel köpft der Portugiese nach Flanke des eingewechselten Claudio Pizarro den Siegtreffer. Davor und danach glänzt Werder nicht und vergibt einige dicke Chancen.

Die Reaktionen: „Wir haben sicherlich noch kein Topniveau, sind jedoch auf dem Weg dorthin“, urteilt Almeida. „Das war nicht das perfekte Spiel, aber wichtig sind heute die drei Punkte“, meint Marko Arnautovic. Und Schaaf ergänzt: „Das Ergebnis ist gut, das Spiel war’s nicht.“

Die Folgen: Von Rang 13 geht’s rauf auf elf. Die Hoffnung auf bessere Zeiten wächst – vor allem wegen des gelungenen Comebacks von Torjäger Pizarro.

1. FC Nürnberg 2:3

So titelte die Kreiszeitung: Starker Start, übles Ende.

Das Spiel: Hugo Almeida gibt mit dem frühen 1:0 (6.) den Startschuss zu einem mächtigen Bremer Offensivwirbel. Das Manko: Es folgen keine weiteren Treffer. Kurz vor der Pause kassiert Werder das 1:1 – und direkt danach das 1:2. Die Hausherren sind geschockt, zeigen fast nichts mehr und fangen sich auch noch das 1:3 ein. Claudio Pizarros Anschlusstreffer in der Nachspielzeit kommt viel zu spät.

Die Reaktionen: Kapitän Frings bemängelt erneut die Einstellung: „Einige kapieren noch immer nicht, was es heißt, für Werder zu spielen.“ Sportchef Allofs kritisiert: „Wir haben halbe Arbeit abgeliefert, das kann uns nicht zufriedenstellen. Wenn man auf die Tabelle schaut, kann man verrückt werden.“

Die Folgen: Statt sich auf Platz drei zu verbessern, rutscht Werder vom achten auf den elften Rang ab. Der von den eigenen Fans ausgepfiffene Mikael Silvestre äußert Verständnis: „Ich kann das nachvollziehen. Ich muss jetzt auf mich schauen und es besser machen.“ Trainer Schaaf prangert den kritischen Umgang von Fans und Medien mit dem Franzosen an – der Coach behauptet während seiner Schelte: „Mika hat hier nie eine Chance gehabt. Ich weiß nicht, ob das die richtigen Werder-Fans sind.“ Harter Tobak!

Eintracht Frankfurt 0:0

So titelte die Kreiszeitung: Miniatur-Wiedergutmachung.

Das Spiel: Zumindest der Einsatz stimmt wieder – doch wegen der erneut schwachen Chancenverwertung wird’s nichts mit dem vierten Heimsieg und dem erhofften Befreiungsschlag nach zuvor vier Pflichtspiel-Pleiten.

Die Reaktionen: „Kompliment, die Mannschaft hat eine tolle Einstellung gezeigt“, lobt Keeper Tim Wiese. „Wenn wir so weitermachen, werden wir uns auch wieder belohnen“, mutmaßt Trainer Schaaf.

Die Folgen: Werder bleibt mit nun 15 Punkten Elfter. Die Krise ist nicht beendet, aber die Bremer schöpfen Hoffnung.

FC St. Pauli 3:0

So titelte die Kreiszeitung: Ein Matchwinner sieht Rot.

Das Spiel: Eine irre Geschichte! Hugo Almeida beendet Werders 450-minütige Torflaute und schießt die Gastgeber mit einem Dreierpack im Alleingang zum Sieg, Aber dann: Der Portugiese schlägt gegen Carlos Zambrano per Ellbogen nach und sieht nach seiner Torgala die Rote Karte. Vom gefeierten Helden zum gescholtenen Deppen: Almeida bekommt drei Spiele Sperre aufgebrummt, muss bis zur Winterpause zugucken.

Die Reaktionen: „Ich bitte meine Mitspieler, den Trainer und die Fans um Entschuldigung“, sagt Sünder Almeida hinterher kleinlaut. „Eine absolute Dummheit – dafür gibt’s keine Entschuldigung“, faucht Torsten Frings. Trotz des klaren Sieges wird Per Mertesacker nicht übermütig: „Es war längst nicht alles rosig, wir haben zu viel zugelassen.“

Die Folgen: Vom zwölften Platz geht’s einen hoch auf elf. Die Blessuren von Torsten Frings und Clemens Fritz sind nicht so schlimm. Aaron Hunt schweigt zu den Pfiffen der eigenen Fans gegen ihn: „Ich habe keinen Bock darüber zu reden.“

1. FC Kaiserslautern 1:2

So titelte die Kreiszeitung: Werder im Abstiegskampf.

Das Spiel: Nach nur 23,6 Sekunden kassiert Werder durch Srdjan Lakic das schnellste Tor der Saison. Aaron Hunt schafft zwar per Foulelfmeter den Ausgleich, doch erneut Lakic bestraft die Bremer für einen farblosen Auftritt.

Die Reaktionen: Sportchef Allofs nimmt erstmals das „A-Wort“ in den Mund: „Wir stehen im Abstiegskampf.“ Keeper Tim Wiese schimpft: „Wenn sich jetzt nicht jeder den Arsch aufreißt, wird’s schwer, da rauszukommen.“

Die Folgen: Von wegen versöhnlicher Jahresabschluss. Werder (19 Punkte) steckt nach der schlechtesten Hinrunde seit 1995 (17) im Abstiegskampf, geht mit mulmigen Gefühlen und Platz 14 (vorher 12) in die Winterpause. Nur noch vier Zähler sind’s bis Relegationsplatz 16, schon zehn hingegen auf Rang fünf (FC Bayern).

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