Felix Wiedwald glänzt in Rostock und formuliert ein forsches Ziel: „Ich will Führungsspieler sein“

Die ersten Duftmarken

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Eine von mehreren Paraden von Felix Wiedwald.

Rostock/Bremen - Felix Wiedwald muss sich fast schon ein wenig bedroht gefühlt haben. Der 25-Jährige stand in den Katakomben des Ostseestadions in Rostock, um ihn herum eine Traube Journalisten, ganz nah dran. Er war eben am Dienstagabend der gefragteste Mann von Werder Bremen. Alle wollten wissen, wie zufrieden er mit seinem Comeback beim 1:1 gegen Drittligist Hansa Rostock war. Und, nach einer tadellosen Leistung wenig überraschend: Der Torwart war zufrieden. Das wollte er so zwar nicht sagen, aber es war ihm anzumerken.

„Ich versuche, mich anzubieten, will mich zeigen und weiter meine Leistung bringen“, sagte Wiedwald, der nicht nur wegen seines Outfits – rotes Trikot, rote Hose, rote Stutzen – der auffälligste Mann auf dem Platz gewesen war. Der Keeper, ablösefrei von Eintracht Frankfurt zu Werder zurückgekehrt, zeigte gleich in seinem ersten Spiel „ein paar sehr gute Paraden“, urteilte Trainer Viktor Skripnik. Und auch Kapitän Clemens Fritz befand: „Felix hat uns ein paar Mal gerettet, sonst hätten wir das eine oder andere Gegentor mehr kassiert. Aber dafür haben wir ja auch einen Torwart hinten drin, dass er auch mal einen rausholt.“ Sechs, sieben Mal war Wiedwald nach der frühen Werder-Führung durch Cedrick Makiadi (5.) reaktionsschnell gegen die Rostocker zur Stelle gewesen und hatte die erste Bremer Pleite im zweiten Testspiel verhindert.

Der 25-Jährige, normalerweise eher zurückhaltend und ausgeglichen, bewies zudem bei seiner Premiere, wie er unter Adrenalin zum Einpeitscher mutiert. Kommunikativ, lautstark, impulsiv – so präsentierte sich Wiedwald in Rostock. „Ich will hier Führungsspieler sein und die anderen mitreißen. Dafür stehe ich auf dem Platz“, erklärte er seinen Anspruch und sein energisches Auftreten, das sowohl die eigenen Mitspieler als auch Fifa-Schiedsrichter Bastian Dankert zu spüren bekamen.

Die erste kleine, emotionale Explosion gab es kurz vor der Pause. Wiedwald hatte gerade mit einem vorzüglichen Reflex eine Riesenchance von Dennis Erdmann vereitelt, da schlug er die Fäuste zusammen und brüllte, um seine Vorderleute wachzurütteln. Der Ausgleich durch Julius Perstaller (70.) machte Wiedwald dann richtig fuchsig. Er stürmte weit aus seinem Tor und nahm sich Felix Kroos zur Brust, gestikulierte und redete auf den Mittelfeldmann ein. Und in der Schlussphase kassierte der Bremer Schlussmann noch die Gelbe Karte, weil er sich bei Dankert beschwerte. „Ich war mit ein, zwei Entscheidungen unzufrieden und musste einfach mal Dampf ablassen“, erklärte Wiedwald.

Skripnik gefällt die Art und die Körpersprache des neuen Torwarts: „So soll es sein, deshalb wir ihn ja geholt.“ Zu viel loben möchte der Coach jedoch nicht, schließlich hat er einen offenen Konkurrenzkampf zwischen Wiedwald und Raphael Wolf um die Nummer eins im Bremer Tor ausgerufen. Und da schlägt man sich öffentlich nicht auf eine Seite – schon gar nicht nach so kurzer Zeit.

Werder hat gerade mal das erste Trainingslager in Neuruppin hinter sich gebracht. Wolf (siehe Bericht unten) war nach seiner Hüft-OP noch nicht dabei, Wiedwald schon. Allerdings wirkte er dort – vor allem bei den anstrengenden Läufen – alles andere als topfit. Er war meistens Letzter und ziemlich angeknockt. „Laufen ist immer unangenehm für einen Torwart“, meinte Wiedwald: „Außerdem war ich ein bisschen erkältet.“ Inzwischen fühlt er sich deutlich besser: „Mittlerweile kann ich alles mitmachen und bin körperlich in einem guten Zustand. Ich denke, das hat man gesehen.“ Kann man so sagen, die erste Duftmarke im Kampf um einen Stammplatz hat er in Rostock jedenfalls gesetzt.

mr

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