Felix Wiedwald im Interview:

"Für die Bank bin ich zu ehrgeizig"

GER, 1.FBL, Training Werder Bremen
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Felix Wiedwald in Aktion.

Bremen - Von Bjorn Knips. Wieder die Nummer eins oder doch nur Notnagel? Für Torhüter Felix Wiedwald sind bei Werder Bremen entscheidende Wochen angebrochen. Nach dem Verlust des Stammplatzes schon nach Spieltag zwei wird er aktuell doch wieder gebraucht, weil sich sein Konkurrent Jaroslav Drobny Brüche im Handgelenk zugezogen hat.

Die erste Bewährungsprobe nach der Rückkehr zwischen die Pfosten hat Wiedwald am Wochenende beim 2:1 über Bayer Leverkusen bestanden. Am Sonntag geht es in Leipzig weiter. Nummer eins oder Notnagel – der 26-Jährige muss die Antwort liefern. Im Interview spricht er über seine alles andere als gewöhnliche Situation bei Werder.

Herr Wiedwald, wie fühlt es sich an, wieder Werders Nummer eins zu sein?

Felix Wiedwald: Für jeden ist es schön, in der Bundesliga zu spielen. Ich will jetzt mein Bestes zeigen und die Nummer eins bleiben.

Mit dem Zeigen ist das gar nicht so einfach. Gegen Leverkusen haben Sie nur sechs Bälle auf Ihr Tor bekommen, hätten Sie sich mehr Arbeit gewünscht?

Wiedwald: Wir haben 2:1 gewonnen, das ist die Hauptsache. Es ist doch ein Mannschaftssport. Wir haben zusammen einen guten Job gemacht. Seit Wochen sind wir hinten stabiler. Das hat es auch für mich leichter gemacht. Das, was zu halten war, habe ich gehalten. Ich war präsent, habe mitgespielt, Flanken abgefangen, lange Bälle geholt, Bälle rausgespielt. So kann man sich als Torwart auch zeigen.

Wir haben Ihnen die Note 3 gegeben, ist das in Ordnung für Sie?

Wiedwald: Ich schaue nicht auf Noten. Es war eine durchschnittliche Leistung. Die Note ist also okay.

Wie haben Sie damals reagiert, als Sie von der gravierenden Drobny-Verletzung erfahren haben?

Wiedwald: Das war natürlich sehr unglücklich für ,Drobo‘. Für mich tut sich dadurch eine neue Chance auf. Fußball ist nun einmal ein knallhartes Geschäft.

Mussten Sie die Freude über diese Chance verbergen, weil es sich so gehört?

Wiedwald: Natürlich habe ich Mitgefühl für ,Drobo‘. Aber jeder muss auch auf sich schauen. Ich habe jetzt diese Chance, ich will sie nutzen.

Torwartwechsel sorgen immer für große Aufmerksamkeit, der Aussortierte gilt als verbrannt. Ist das übertrieben?

Wiedwald: Das Aufsehen ist schon sehr groß. Es sind nicht umsonst vier Torhüter im Kader. Jeder hat mal eine schlechte Phase, warum sollte man da nicht auch mal wechseln? Aber als Torwart brauchst du auch viel Vertrauen. Das ist eine Schlüsselposition. Wenn du als Nummer eins in die Saison gehst, dann muss man sich auch mal ein, zwei etwas schlechtere Spiele leisten dürfen.

Bei Ihnen war das nicht so, der mittlerweile beurlaubte Viktor Skripnik hat Sie schon früh auf die Bank gesetzt, nachdem er Ihnen in den Tagen vor dem Torwartwechsel noch öffentlich das Vertrauen ausgesprochen hatte. Wie haben Sie das verarbeitet?

Wiedwald: Natürlich war ich über die Situation nicht glücklich. Viktor stand selbst stark in der Kritik und wollte noch einmal alles versuchen. Da hat es dann auch mich getroffen. Für mich gab es da nur zwei Optionen: Vollgas oder Kopf in den Sand. Ich habe mich für Vollgas entschieden, weil ich wusste: Irgendwann kommt meine Chance wieder, dann muss ich voll da sein. Jetzt ist die Chance da.

Skripnik-Nachfolger Alexander Nouri hat auch auf Drobny gesetzt.

Wiedwald: Ich hatte schon damit gerechnet, ich hätte in der Situation auch nicht wieder den Torwart gewechselt.

Jaroslav Drobny trainiert schon wieder mit einem Gips an der Hand.

Wiedwald: Er ist eben ein Sportsmann und will seinen Platz nicht verlieren.

Ist es nicht trotzdem verrückt?

Wiedwald: Jeder weiß doch, dass Torhüter ein bisschen in einer anderen Welt leben. Er gehört auch dazu. Glauben Sie, dass er schon bald wieder fit ist? Wiedwald: Davon gehe ich aus, er steht ja jeden Tag auf dem Platz.

Ist der Druck für Sie nun noch größer als sonst?

Wiedwald: Nein, ich freue mich, mich beweisen zu dürfen. Ich will den Trainer überzeugen, dann werden wir sehen, wo die Reise hingeht.

Was müssen Sie besser machen als zu Saisonbeginn?

Wiedwald: Darum geht es nicht. Ich darf mir einfach keine großartigen Fehler leisten und muss mein Spiel durchdrücken.

Haben Sie nach Ihrer Verbannung auf die Bank nicht Ihre Leistung hinterfragt?

Wiedwald: Doch. Das Augsburg-Spiel war sicher nicht mein bestes. Aber schlechte Spiele gehören dazu. Der Trainer stand ziemlich unter Druck, und hat dann wegen der größeren Erfahrung auf ,Drobo‘ gesetzt.

Trainer behaupten gerne, diese unangenehmen Erfahrungen würden degradierte Torhüter stärker machen. Wie ist es bei Ihnen?

Wiedwald: Es ist nicht immer eitel Sonnenschein im Fußball. Wenn man am Boden ist, lernt man am meisten. Ja, ich habe einen Tiefschlag erlitten, deswegen habe ich noch härter gearbeitet.

Was haben Sie aus diesem Tiefschlag noch gelernt?

Wiedwald: Man darf nie zufrieden sein, man muss immer an sich arbeiten. Das merkt man oft erst, wenn man so einen Tiefschlag bekommen hat. Das war eine gute Erfahrung für mich, auch wenn es bitter war.

Ihr Vertrag läuft im Sommer aus. Haben Sie schon darüber nachgedacht, dass es jetzt Ihre letzte Chance bei Werder ist, sich als Nummer eins durchzusetzen?

Wiedwald: Alles kann passieren. Wenn sich hier die Tür schließen sollte, dann wäre das traurig für mich. Aber das Leben ginge weiter – und dann würde ich woanders meine Chance ergreifen.

Würde es besonders weh tun, weil Ihnen die Werder-Raute mehr bedeutet als anderen Profis?

Wiedwald: Jeder weiß, dass ich von hier komme, dass Werder mein Verein ist. Am Ende muss ich aber auch auf meine Karriere schauen. Ich will spielen und nicht auf der Bank sitzen. Dafür bin ich viel zu ehrgeizig.

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