Felix Kroos denkt an einen Wechsel

„So kann es nicht weitergehen“

+
Felix Kroos blickt in eine etwas ungewisse Zukunft: Der Mittelfeldspieler will nicht ausschließen, dass er Werder schon im Winter verlässt.

Bremen - Seit mehr als sechs Jahren spielt Felix Kroos schon für den SV Werder Bremen, doch nun naht das Ende dieser langen Beziehung: Der 24-Jährige denkt trotz eines Vertrags bis 2017 an einen vorzeitigen Wechsel, weil er in der Hinrunde nur selten zum Einsatz gekommen ist.

Drei Mal musste er sogar von der Tribüne aus zuschauen. „Ich ärgere mich“, gesteht Kroos in seinem ersten Interview seit vielen Wochen. Der Mittelfeldspieler gibt sich im Gespräch mit dieser Zeitung aber auch selbstkritisch und ist angeblich nicht sauer auf seinen Trainer Viktor Skripnik.

Herr Kroos, eine ganz einfache Frage zum Start: Wie geht es Ihnen?

Felix Kroos: Mir geht es gut.

Obwohl Sie im Moment so wenig spielen?

Kroos: Fußball ist nicht alles in meinem Leben. Zu Hause kann ich gut abschalten. Meine Freundin und mein Hund machen mich glücklich.

Wirklich? Ihre sportliche Situation kann doch nicht zufriedenstellend sein?

Kroos: Das ist sie auch absolut nicht. Ich habe nur sieben Spiele gemacht, nur zwei von Anfang an. Das ärgert mich. Das ist nicht schön, da macht man sich Gedanken.

Welche?

Kroos: Man kann mir sicher nicht verübeln, wenn ich darüber nachdenke, wie ich die Situation verändern kann. Natürlich habe ich hier einen Vertrag. Und ich spiele total gerne für Werder. Ich gebe auch weiterhin Gas. Denn Werder ist zu meinem Verein geworden, ich bin ja schon ewig hier. Aber wenn ich daran nichts verändern kann, muss ich mir über andere Möglichkeiten Gedanken machen.

Auch schon im Winter?

Kroos: Das will ich nicht ausschließen, dafür ist die Situation hier einfach zu ungünstig für mich. Aber im Winter ist es immer schwer, das Richtige zu finden. Gerade in meiner Ausgangsposition, nachdem ich in der Hinrunde wenig zeigen konnte.

Gibt es schon Anfragen?

Kroos: Ich weiß es nicht, weil ich mich damit erst richtig in der Winterpause beschäftigen möchte. So etwas würde mich jetzt nur ablenken.

Haben Sie Ihrem Berater wenigstens gesagt, dass er die Augen und Ohren offen halten soll?

Kroos: Das brauche ich nicht. Ich weiß, dass er einen guten Überblick über den Markt hat. Aber natürlich haben wir über meine Situation gesprochen.

In den vergangenen Spielzeiten waren Sie nie absoluter Stammspieler, sind aber immer auf eine hohe Anzahl von Einsätzen gekommen, mit der Sie dann zufrieden waren. Woran liegt es, dass Sie jetzt so wenig spielen?

Kroos: Das ist schwer zu sagen. Vielleicht hat sich im Verein eine Meinung festgesetzt, dass ich mit dem zufrieden war, was ich erreicht habe, weil ich das so gesagt habe. Aber das ist nicht so. Sonst könnte ich das hier auch aussitzen. Aber ich ärgere mich. Ich will spielen, ich muss spielen. Ich bin kein Talent von 18, 19 Jahren, das sich freut, im Kader zu sein. Ich versuche alles, damit sich das ändert. Ich gebe Gas, da kann mir niemand etwas vorwerfen. Leider kann ich das momentan fast nur im Training machen. Aber ich werde mich nicht hängen lassen oder schlechte Laune verbreiten. Das ist nicht mein Ding.

Haben Sie mit Trainer Viktor Skripnik über Ihre Situation gesprochen?

Kroos: Ja, aber das war unter vier Augen – und da soll es auch bleiben.

Haben Sie das Gefühl, dass der Trainer noch auf Sie setzt?

Kroos: Na ja, man muss nur die Anzahl meiner Einsätze sehen, das waren nicht gerade viele. Deswegen kann ich das nicht mit voller Überzeugung behaupten.

Sind Sie sauer auf den Trainer?

Kroos: Ich nehme da nichts persönlich. Ich kann nur Gas geben und dem Trainer die Entscheidung so schwer wie möglich machen. Aber langfristig ist es schwer, so weiterzumachen.

Sie haben drei Spiele nur auf der Tribüne gesessen. Wie schwer war das für Sie?

Kroos: Das war quasi der negative Höhepunkt meiner Hinrunde. Vielleicht wollte der Trainer mich damit kitzeln.

Haben Sie das Gefühl, bei Werder noch gebraucht zu werden?

Kroos: Darüber werden wir sicher sprechen müssen. Aber das macht jetzt keinen Sinn, jetzt haben wir erst noch drei ganz wichtige Spiele.

Haben Sie das Gefühl, weggeekelt zu werden?

Kroos: Überhaupt nicht. Ich kann nichts Negatives über den Verein sagen. Ich werde auch niemanden persönlich angreifen. Letztlich lag es vielleicht auch an mir, dass es jetzt so ist, wie es ist. Ich suche die Schuld nicht bei anderen. Ich weiß, dass das Geschäft hart ist, das akzeptiere ich auch. Aber das heißt nicht, dass ich damit zufrieden bin und mich zurücklehne.

Müssen Sie Ihr Spiel verändern, um den Trainer zu überzeugen?

Kroos: Natürlich. Wenn ich den Trainer restlos überzeugt hätte, würden wir jetzt nicht darüber reden. Aber ich bin auch ein Spieler, der Spiele am Stück braucht, um den Rhythmus zu finden. Ich muss es hinkriegen, dass ich bei meinen einzelnen Einsatzchancen mehr überzeuge.

Sie haben selbst gesagt, dass Sie längst kein Talent mehr sind. Trotzdem wartet man in Bremen immer noch auf Ihren richtigen Durchbruch – und das nicht nur, weil Sie der Bruder von Toni Kroos sind. Warum sind Sie in Ihrer Entwicklung stehen geblieben?

Kroos: Vielleicht waren die Erwartungen an mich höher als an andere, weil man bei mir mehr Potenzial gesehen hat. Ich weiß nur, dass es so nicht weitergehen kann. Aber da können Sie jeden Spieler in meiner Situation fragen, der würde es genauso beantworten. Wir wollen alle spielen – ich auch. Am liebsten würde ich es hier machen, Stammspieler sein und so lange bleiben, wie es geht. Aber es ist nun mal kein Wunschkonzert.

kni

Mehr zum Thema:

„Boot 2017“: Das sind die Attraktionen

„Boot 2017“: Das sind die Attraktionen

Schreckliches Busunglück in Italien: Bilder

Schreckliches Busunglück in Italien: Bilder

So zeigte sich das Präsidentenpaar Donald und Melania Trump

So zeigte sich das Präsidentenpaar Donald und Melania Trump

Schwarzenegger in Kitzbühel: „Trinkt's viel Schnaps und Bier“

Schwarzenegger in Kitzbühel: „Trinkt's viel Schnaps und Bier“

Meistgelesene Artikel

Gnabry und Eilers für "Tor des Jahres" nominiert

Gnabry und Eilers für "Tor des Jahres" nominiert

BVB mit Personalproblemen gegen Werder

BVB mit Personalproblemen gegen Werder

Werder-Boss Filbry wünscht sich EM-Spiele 2024 in Bremen

Werder-Boss Filbry wünscht sich EM-Spiele 2024 in Bremen

Bundesliga Rückrunde: Das vierte Gif-Quiz zu Werder gegen Dortmund

Bundesliga Rückrunde: Das vierte Gif-Quiz zu Werder gegen Dortmund

Kommentare