HSV feiert Erfolg im Nordderby, doch Torjäger Lasogga droht monatelange Pause

Siegesrausch mit Sorgen

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Lewis Holtby steht mit blanker Brust im Zentrum des HSV-Jubels: „Ein fantastischer Abend für den Club.“

Bremen/Hamburg - Von Petra Philippsen. Lewis Holtby stolzierte am Samstag mit breiter, entblößter Brust und noch breiterem Grinsen durch die Katakomben des Bremer Weserstadions. Nach mehr als acht Jahren war den Hamburgern endlich wieder ein Sieg beim Erzrivalen geglückt, und die „Derbysieger, hey hey!“-Gesänge hallten aus der HSV-Kabine. Der süße Glücksrausch über das 3:1 (2:0) gegen Werder Bremen wurde durch die Verletzung von Torjäger Pierre-Michel Lasogga allerdings spürbar getrübt.

Der Angreifer war im Zweikampf mit Zlatko Junuzovic gestürzt und hatte sich dabei die rechte Schulter ausgekugelt. Möglich, dass der HSV nun monatelang auf seinen besten Torschützen (sechs Treffer) verzichten muss. „Es war ein fantastischer Abend für den Club, für alle von uns, dass wir gewonnen haben“, sagte Holtby, „aber wenn man einen Mitspieler in Schmerzen sieht, dann überragt das erstmal und man denkt an ihn.“

Holtby konnte Lasoggas Schmerzen gut nachfühlen, seine zehn Zentimeter lange Narbe an der linken Schulter von seinem Trümmerbruch zum Jahresbeginn war unübersehbar. „Ich musste sofort an meine Narbe denken, als ich seine Schulter sah“, meinte Holtby, „der Junge tut mir einfach nur leid.“ Lasogga ist zwar ein bulliger Typ, doch er musste von Mannschaftsarzt Götz Welsch und einem Betreuer auf dem Weg in die Kabine gestützt werden, so groß waren seine Schmerzen. Ein gleichermaßen hämisches wie deplatziertes Pfeifkonzert der Bremer Fans und dazu etliche fliegende Bierbecher begleiteten den 23-Jährigen.

„Unser Doc hat versucht, ihm die Schulter einzurenken“, erklärte Trainer Bruno Labbadia, „aber das war nicht möglich. Pierre hatte zu große Schmerzen.“ Bereits im Mai hatte sich Lasogga im Spiel gegen den VfB Stuttgart die Schulter ausgekugelt, das Gelenk ist also vorbelastet. Der Angreifer wurde in einer Bremer Klinik versorgt, dort hielt man eine sofortige Operation nicht für zwingend erforderlich. Morgen soll nach weiteren Untersuchungen in Hamburg entschieden werden, ob ein Eingriff nötig ist. „Sollte Pierre doch operiert werden müssen, könnte es sein, dass er mehrere Monate ausfällt“, fürchtet Labbadia, „das alles ist ein erheblicher Wermutstropfen für uns.“

Das Hamburger Lazarett vergrößert sich somit auf sechs Stammspieler. „Wir haben das in der Öffentlichkeit ja bisher nie thematisiert, aber es ist schon bitter, dass wir so viele Verletzte haben“, gab Labbadia zu bedenken. Gleichwohl förderten die Ausfälle bei den Hamburgern nur positive Erkenntnisse zu Tage: Die Mannschaft ist nicht von Lasogga abhängig, das Toreschießen übernahmen dann eben Ivo Ilicevic (3.), Michael Gregoritsch (27.) und Nicolai Müller (68.).

Schon wie in der Vorwoche gegen Borussia Dortmund legte der HSV mit zwei schnellen Toren die Grundlage für den Sieg. Inzwischen beeindruckt das Team auch mit blitzartig vorgetragenen Kontern. Und mit Teamgeist. So ieß Gregoritsch auch gerne den Spott der Teamkollegen über sich ergehen, da sein Freistoßtreffer wie zuvor gegen Ingolstadt nur abgefälscht zustande kam. „Meine Mitspieler haben mich gleich aufgezogen, dass ich jetzt immer einen Gegner anschießen müsse“, meinte der 21-jährige Österreicher augenzwinkernd.

Insgesamt ist es bemerkenswert, dass der nach dem haarscharf verhinderten Abstieg komplett umgekrempelte HSV – insgesamt traf Trainer Labbadia 24 Personalentscheidungen – so schnell zusammengefunden hat. Nun ist mit dem ersten Auswärtssieg bei den ungeliebten Bremern seit Februar 2007 der Sprung auf Tabellenplatz sechs gelungen. Labbadia spürt die aufkommende Euphorie, bremst sie aber gleich wieder ein: „Die Tabelle interessiert mich jetzt noch nicht. Wichtig war, die 20-Punkte-Marke zu durchbrechen.“ Ein Zuckerbrot hatte Labbadia dennoch parat: Er gab seinen Spielern gestern und heute zwei Tage frei.

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