Real-Star bringt Spielmacher-Glanz der Vergangenheit zurück ins Weserstadion

Fast wie früher: Özil funkelt heute in grün und weiß

Als Profi von Real Madrid wird er in Spanien beklatscht, als deutscher Nationalspieler gefürchtet. „Die Spanier haben viel Respekt vor uns“, sagt Mesut Özil. ·

Bremen - Von Carsten Sander. An der linken Hand blitzt ein Brillantring, auch die Ohrstecker funkeln, unter dem Ärmel lugt eine goldschimmernde Armbanduhr hervor. Vieles an Mesut Özil sieht teuer aus, oder anders gesagt:

Der Junge aus dem Ruhrpott, der via Werder Bremen den Weg zu Real Madrid gefunden hat, schmückt sich als Superstar des internationalen Fußballs mit den entsprechenden Symbolen.

Aus Mesut Özil ist in 18 Monaten bei den „Königlichen“ ein kleiner König geworden. Und heute feiert er im Testspiel der deutschen Nationalelf gegen Frankreich (20.45 Uhr/ZDF live) eine kurze Rückkehr ins Weserstadion.

Aufgeregt? Nein, das nicht, sagt Özil: „Ich freue mich auf das Spiel gegen Frankreich, ich freue mich auf Bremen und darauf, alte Freunde wiederzusehen. Aber ein komisches Gefühl ist es schon, wieder hier zu sein.“ Komisch, weil die kleine Werder-Welt so überhaupt nicht mit dem Sonnensystem Real Madrid vergleichbar ist, in dem das deutsche Super-Talent längst zu einem Fixstern geworden ist.

In 23 von bislang 25 Ligaspielen des souveränen spanischen Tabellenführers kam Özil zum Einsatz. Dabei erzielte er selbst zwar nur ein Tor, legte aber 14mal für die Kollegen auf. „Mit dem Toreschießen klappt es im Nationalteam einfach besser“, lacht Özil, der auf der DFB-Pressekonferenz ganz schwer den Eindruck macht, dass er rundum glücklich ist.

Er wirkt selbstbewusst, locker. Und fühlt sich auch so. „Ich bin reifer geworden“, nennt Özil als ein Resultat seines Spanien-Engagements. Tatsächlich ist er nicht mehr so scheu wie zu seiner Bremer Zeit. Er lächelt souverän vom Podium, wiegelt deutlich Fragen zu Real ab: „Ich bin hier, um über die Nationalmannschaft zu sprechen.“

Was er über eben diese zu sagen hat, erinnert dann aber doch stark an die gestanzten Aussagen und Antworten seiner Werder-Zeit. Egal, ob es um die anstehende Partie gegen Frankreich oder um die EM im Sommer geht – Özil sieht es in beiden Fällen so: „Unser Ziel ist es zu gewinnen. Und ich bin auch überzeugt, dass wir es schaffen.“

Bei ihm klingen solche Sätze wie auswendig gelernt. Aber egal, Özil soll ja keine Rhetorikkurse geben, Özil soll Fußballspielen seinen Stempel aufdrücken. Bei Real, im DFB-Team, bei der EM. Dass er das kann, steht außer Frage. Er hat es bei der WM 2010 bewiesen und in der EM-Qualifikation bestätigt. Die Mitglieder des elitären „Fan-Club Nationalmannschaft“, dem viele ehemalige deutsche Auswahlakteure (zum Beispiel Paul Breitner, Rudi Völler, Oliver Bierhoff, Kalle Riedle) angehören, wählten den Super-Techniker deshalb gerade zum „Nationalspieler 2011“. „Das ist eine große Ehre für mich“, meint Özil. Es ist die einzig richtige Wahl, meint Hansi Flick, Co-Trainer der DFB-Elf. Viele Spiele von Real Madrid habe er live vor Ort gesehen, berichtet Flick, „und man muss es einfach so sagen: Immer wenn Mesut am Ball ist, geht ein Raunen und Staunen durch das Publikum. Er hat sich enorm entwickelt. Wir sind stolz, einen wie ihn in unserem Team zu haben.“

Werder kennt diesen Stolz, die Bremer haben ihn sich im August 2010 für 15,5 Millionen Euro abkaufen lassen. Seither hat das Weserstadion keinen grandiosen Spielmacher mehr in grün und weiß gesehen. Doch heute Abend bringt Mesut Özil die Erinnerung zurück – passend zum Ort sogar in den Werder-Farben. Die DFB-Elf präsentiert erstmals das neue grün-weiße Auswärts-Outfit. Für Özil rundet das die Reise in die Vergangenheit ab.

Am Morgen danach geht es zurück nach Madrid, wo Brillanten tragende Fußballer Normalität sind. Und zurück nach Spanien, in das Land des amtierenden Welt- und Europameisters. Özil wird den Titelverteidiger im Sommer mit der DFB-Elf herausfordern und weiß, dass seine Wahlheimat vor der deutschen Mannschaft zittert: „Die Spanier haben viel Respekt vor uns. Die wissen, wie stark wir sind. Und wir sind hungrig. Hungrig auf den Titel.“

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