So fand der BVB unter Tuchel in die Erfolgsspur zurück / Die neue Spielweise birgt auch Risiken

Mit Bircher, Bioenergetiker und mehr Ballbesitz

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Thomas Tuchel hat beim BVB einiges verändert.

Dortmund - Von Dirk Krampe. Marcel Schmelzer hat kürzlich dem „Spiegel“ einen Einblick in seinen Speiseplan gegeben. Zum Frühstück Bircher-Müsli, mittags Fisch oder Hühnchen mit Reis, dazu viel Gemüse. Auch mal ein Stück Kuchen sei erlaubt, hat Schmelzer verraten, dafür verzichte er auf das schädliche Weißmehl. Dem Nachrichtenmagazin war die Frage an den Linksverteidiger von Borussia Dortmund wichtig, weil das Thema Ernährung den BVB mindestens so intensiv verfolgt wie die sportliche Entwicklung auf dem Rasen, seit Thomas Tuchel das Traineramt übernommen hat.

Schon aus Mainzer Zeiten hängt dem 42-Jährigen der Ruf eines detailversessenen, übertrieben verbissenen und zum Teil auch verbohrten Fanatikers nach. Als er im Dortmunder Sommer-Trainingslager weit vor den Spielern auf den Platz trat, höchstselbst mit weißen Bändern zentimetergenau Spielfeldbegrenzungen markierte, fühlten sich viele bestätigt. Denn Cheftrainer haben für den Platzaufbau eigentlich ihre Assistenten, auch Jürgen Klopp hatte das nie persönlich gemacht.

Vieles ist unter Tuchel tatsächlich anders als unter Klopp. Der Schwabe gibt in einer englischen Woche der Mannschaft zwei Tage vor einem internationalen Spiel auch schon mal frei – zur Regeneration. Das wäre unter Klopp undenkbar gewesen. Zum Auswärtsspiel in Hoffenheim ist der BVB erst am Spieltag angereist, weil Tuchel den Profis so viel Zeit wie möglich in ihrer gewohnten familiären Umgebung ermöglichen wollte.

Tuchel hat auch den Kontakt zu Rainer Eberherr hergestellt. Der Mann aus Bayern ist Bioenergetiker und hält einmal im Monat Sitzungen mit den Spielern ab. Dabei geht es darum, mittels Messungen Störungen in den Energiebahnen, die durch den Körper fließen, früh zu erkennen und damit vor allem muskulären Verletzungen vorzubeugen.

Es ist müßig, darüber zu spekulieren, wie diese Maßnahmen Tuchels ohne sportlichen Erfolg bewertet würden. Fakt ist: Tuchel hat die wichtigste Forderung von Boss Hans-Joachim Watzke in Rekordzeit abgearbeitet. Der BVB ist wieder oben dabei. Wie wichtig das ist, hatte Watzke vor der Saison erklärt: Bei einem erneuten Verpassen der Champions League sei dieser Kader nicht mehr bezahlbar.

Tuchel hat der Mannschaft nicht nur den Glauben an die eigenen Qualitäten zurückgegeben, er hat ihr auch andere „Waffen“ besorgt. Unter ihm setzt der BVB das von Klopp entwickelte überfallartige Umschaltspiel viel dosierter ein. Im Training lässt Tuchel bis zum Erbrechen das Kurzpass-Spiel in extrem verdichteten Räumen üben. Er achtet dabei auch auf kleine Details – wie zum Beispiel, den Mitspieler auf dessen starkem Fuß anzuspielen. Die Ballbesitz-Quote des BVB ist dadurch in dieser Saison deutlich nach oben gegangen. Dadurch spart Dortmund Kraft. Die Mannschaft läuft deutlich weniger Kilometer pro Spiel als unter Klopp und kann in der Endphase oft noch zulegen. Weil Tuchel großen Wert auf eine optimale Besetzung der taktischen Räume legt, läuft sie auch viel zielgerichteter.

Aber auch der BVB ist zu knacken. Wenn Gegner wie Darmstadt (1:1) nach Ballverlust die Vierer-Abwehrkette noch um zwei Spieler aufstocken, tut sich Dortmund schwer, Lücken zu finden. Das extrem hohe Verteidigen unter Tuchel mit der letzten Linie knapp zehn Meter hinter dem Mittelkreis und zwei Außenverteidigern, die eher Außenstürmer sind, birgt dazu das Risiko, bei schnellen Kontern und langen Bällen überlaufen zu werden. Werders Chancen heute werden steigen, wenn es der Elf gelingt, lange ohne Gegentor zu bleiben und die taktische Marschroute nicht verlassen zu müssen.

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