Fan-Service GmbH schönt trotz großer Probleme die Werder-Zahlen

Filbry macht es wie Merkel: „Wir schaffen das“

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Er sieht nicht so aus. Und die gestern auf der Mitgliederversammlung präsentierten Zahlen lassen es auch nicht unbedingt vermuten. Doch Werder-Chef Klaus Filbry zeigte sich zufrieden: „Der Konsolidierungskurs ist auf der Zielgeraden.“

Bremen - Klaus Filbry holte sich Hilfe – und zwar nicht von irgendwem, sondern von der ersten Frau im Land. Der Werder-Boss verwies gestern Abend bei seiner Rede während der Mitgliederversammlung auf Angela Merkel und ihren Umgang mit der Flüchtlingskrise. „Wir schaffen das“, habe die Bundeskanzlerin gesagt, meinte Filbry und fügte mit leicht zittriger Stimme an: „Auch wir bei Werder haben Herausforderungen. Auch wir haben eine Wir-schaffen-das-Mentalität. Aber wir haben auch einen Plan: den Werder-Weg.“ Ein unpassender Vergleich mit einem unnötigen Seitenhieb. Dabei hatte Filbry eine durchaus positive Botschaft: „Der Konsolidierungskurs ist auf der Zielgeraden.“

Noch einmal gab es aber das erwartete Minus – das vierte in Folge. Es liegt bei 5,9 Millionen Euro und soll das letzte sein. Im laufenden Geschäftsjahr strebt der Bundesligist eine schwarze Null an, so Filbry.

Das Eigenkapital beträgt noch zwei Millionen Euro. Das ist wesentlich mehr als erwartet, hat aber einen einfachen Grund: Die Werder Bremen Fan-Service GmbH gehört nun zum Konzernergebnis und wirkt sich positiv auf das Eigenkapital aus. Das hätte ohne die Fan-Service GmbH nur noch 600000 Euro betragen. Mit den Zahlen der Konzerntochter übersprang der Umsatz erstmals seit der Saison 2010/11 wieder die 100-Millionen-Grenze und lag bei 103,6 Millionen Euro, rund fünf Prozent davon kommen aus der Fan-Service GmbH.

Eigentlich muss es ja heißen: Ausgerechnet die Fan-Service GmbH sorgt für gute Zahlen. Denn die Geschäfte in diesem Bereich liefen jahrelang schlecht. Kaum vorstellbar, denn das Merchandising gilt gemeinhin als Goldgrube für Bundesliga-Vereine und speziell für Traditionsclubs. Bei Werder ist das anders. In den Spielzeiten 2012/13 und 2013/14 gab es jeweils ein Minus von über einer halben Million Euro. Davor waren leichte Gewinne eingefahren worden – und in der Saison 2009/10 gab es mit mehr als 700000 Euro ein ordentliches Plus. Das Top-ergebnis mit über einer Million Euro Gewinn stammt aus der Saison 2006/07.

Die Minuszahlen begründet Werder mit dem kostspieligen Umbau der Werder-Fanwelt, dem Relaunch des Internet-Shops und schlechten Geschäften. Es wurde viel zu viel Ware bestellt, die zum Teil nur mit großen Nachlässen oder gar nicht verkauft werden konnte. Die stark gesunkene Nachfrage fiel genau in die Zeit des sportlichen Einbruchs und des Einstiegs des umstrittenen Sponsors Wiesenhof.

Immerhin scheint das ganz tiefe Tal durchschritten. In der vergangenen Saison gab es ein – wenn auch noch etwas bescheidenes – Plus von immerhin 100000 Euro. Nun könnte die Rückholaktion von Publikumsliebling Claudio Pizarro die Kassen klingeln lassen. Trikots mit seinem Schriftzug sind jedenfalls schon reihenweise über den Tresen gegangen.

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Der Transfer wurde bei der Versammlung von einem Mitglied ausdrücklich gelobt. Kritik gab es dagegen kaum aus dem Plenum, in dem 251 Mitglieder saßen. „Da hatten wir schon mehr“, zeigte sich Präsident Dr. Hubertus Hess-Grunewald vom Interesse etwas enttäuscht. Filbry ging in die Offensive. Er forderte die Anwesenden auf: „Gehen Sie in die Kneipe, sprechen Sie mit den Leuten, die es wollen, aber auch mit denen, die es nicht wollen und sagen Sie denen: Der Werder-Weg ist der richtige Weg.“ Ob es stimmt, muss sich zeigen.

kni/csa

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