Werder-Lage immer dramatischer

Fan-Frohsinn im freien Fall, „Krieg“ gegen Hoffenheim

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Mit hängendem Kopf verließ Clemens Fritz den Platz – dann folgte die Aufmunterung der Fans.

Leverkusen / Bremen - Das Kontrastprogramm tat gut, daraus machte Thomas Schaaf keinen Hehl. „Da muss man auch mal Danke sagen“, meinte der Trainer von Werder Bremen nach einer der ungewöhnlichsten Fan-Aktionen.

Obwohl Werder Bremen bei Bayer Leverkusen mit 0:1 (0:1) verloren hatte, obwohl das Team nun schon seit zehn Spielen sieglos ist und obwohl (oder gerade weil) sich der Abstiegskampf bei nur noch zwei Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz dramatisch zuspitzt, überschütteten 3 000 Bremer Fans den umstrittenen Trainer und dessen Mannen mit ihrer lautstarken Solidarität.

Die Mannschaft verließ nach dem Duschen nochmal geschlossen die Kabine, trat an den Zaun, hinter dem die Anhängerschaft die komplette zweite Halbzeit alles gegeben hatte – und und auch nach dem Schlusspfiff einfach nicht aufhörte zu singen. Es herrschte eine Stimmung, die allen Gesetzen des Fußballs widersprach. Gute Laune statt Frust, Frohsinn auch im freien Fall Richtung zweite Liga. „Der Bremer Fan“, so formulierte es Torhüter Sebastian Mielitz, „ist eben ein ganz besonderer Mensch“.

Auch der Coach wurde beklatscht – Balsam für seine Seele? Ein klares Ja von Schaaf: „Das war großartig. Der Zuspruch war deutlich.“ Gewohnt ist er das nicht mehr. In der Öffentlichkeit wird schon seit Wochen nur noch über den Zeitpunkt seiner Ablösung spekuliert. Sofort? Nach dem nächsten Spiel? Nach der Saison? Variante C ist augenblicklich die wahrscheinlichste. Denn Werder-Sportchef Thomas Eichin sprach Schaaf in Leverkusen im Namen der Geschäftsführung das Vertrauen für die restlichen drei Spiele aus. Eine sofortige Ablösung wäre „Nonsens“, sagte Eichin: „Es gibt keine Gespräche in diese Richtung. Wir wollen mit Thomas Schaaf den Klassenerhalt schaffen und die Saison zu Ende bringen. Danach sehen wir weiter.“ Augenblicklich spräche das aus Sicht des Sportchefs intakte Trainer-Spieler-Verhältnis gegen eine Trennung: „Die Mannschaft hört ihm zu und nimmt an, was er sagt.“

Nach dem 0:3 gegen den VfL Wolfsburg eine Woche zuvor hatte er noch beklagt, die Mannschaft habe den Coach im Stich gelassen. Die Meinungs-Kehrtwende in Leverkusen fußte auf einer kämpferisch ordentlichen Leistung des Teams, das in den Tagen vor dem Spiel mit diversen Maßnahmen zur Einheit zurückfinden wollte. Und zurückgefunden hat. „Wir waren endlich wieder eine Mannschaft“, urteilte Verteidiger Sokratis. Das nach seiner nächtlichen Autobahntour geächtete Duo Marko Arnautovic und Eljero Elia (siehe Text unten) natürlich ausgeklammert.

Die um die zwei Abweichler und den verletzten Kevin De Bruyne reduzierte Arbeitsgemeinschaft Werder Bremen lieferte in Leverkusen jedoch nicht viel mehr als die Grundtugenden des Fußballs ab. Das reichte für eine solide Defensive, offensiv hatte Werder eindeutig zu wenig zu bieten. Was auch am De-Bruyne-Ausfall lag. „Er hat uns gefehlt“, meinte Eichin.

Die Einzelkritik gegen Leverkusen

Werder Bremen in Leverkusen: Die Noten

Irgendwas oder irgendwer fehlt immer. Weshalb Werder in der schwierigsten Situation seit 1999 steckt. Damals löste Schaaf den erfolgslosen Felix Magath ab, rettete den Club vor dem Abstieg. 14 Jahre später steht Werder wieder am Abgrund – und vor einem echten Endspiel am Samstag. Dann kommt der Vorletzte 1899 Hoffenheim ins Weserstadion. Was die Kraichgauer dort erwartet? Ein Bremer Team, das extrem angestachelt ist – so prophezeit es jedenfalls Zlatko Junuzovic: „Das ist richtig kribbelig. Das Stadion wird kochen, wir werden brennen.“ Noch martialischer formulierte es Kevin De Bruyne via Twitter: „Nächste Woche machen wir Krieg gegen Hoffenheim. Zusammen werden wir gewinnen. Kein Zweifel.“

Auch nicht bei Schaaf: „Mein Gefühl sagt mir, die Spieler sind dem Druck gewachsen.“ Seine persönliche Lage betreffend will der Fußballlehrer dagegen überhaupt kein Gespür entwickeln. Er klammert sich an Vereinbarungen, verweist auf seinen bis Juni 2014 datierten Vertrag: „Das ist für mich das Thema. Eindeutiger kann ich es nicht sagen.“ · csa

Leverkusen gewinnt gegen Werder Bremen

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