Schiedsrichter, Broich und TV-Bilder entlasten Frings – trotzdem fordert der DFB eine Sperre

Fakten gegen FIFA-„Wahnsinn“

Markus Schmidt nestelt am Brustfach mit der Roten Karte, Torsten Frings winkt schon ab. Beim Nachspiel des unberechtigten Platzverweises werden Fehler im System der Sportgerichtsbarkeit offenkundig.

Bremen - Von Carsten Sander · Klopft Werder Bremen die DFB-Justiz weich? Im Fall Torsten Frings hat der Club gestern dem Strafantrag des Kontrollausschusses auf ein Spiel Sperre nicht zugestimmt und das Verfahren damit vor den Einzelrichter gezwungen.

Der entscheidet heute, ob der Werder-Kapitän trotz durch TV-Bilder belegter Unschuld bestraft wird. Frings, der beim 4:2 über den 1. FC Nürnberg nach einem harmlosen Zweikampf vom Platz gestellt worden war, würde dann im bedeutungsschweren Verfolgerduell mit Borussia Dortmund am Samstag fehlen.

Das will Werder verhindern. Aber haben die Bremer tatsächlich eine Chance? Eigentlich ist das DFB-Sportgericht per FIFA-Anordnung dazu verpflichtet, jede Rote Karte mit einer Mindestsperre von einem Spiel zu belegen. Zum Schutz der Tatsachenentscheidung und egal, welche Umstände für einen Freispruch sprechen. Für Werder-Boss Klaus Allofs ist es schlicht „der Wahnsinn, was die FIFA da verlangt. Die Gerechtigkeit sollte auch eine Rolle spielen.“

Macht sie aber längst nicht immer. Vielleicht aber im aktuellen Fall. Denn Schiedsrichter Markus Schmidt (Stuttgart) soll in seiner Stellungnahme gegenüber dem DFB-Sportgericht seine auf dem Platz gefällte Entscheidung revidiert haben. Der Referee hatte in der 83. Minute im Zweikampf zwischen Frings und Nürnbergs Thomas Broich einen Schlag des Bremers mit dem Ellenbogen gesehen, wertete das als Tätlichkeit. Dafür beträgt die Mindeststrafe zwei Spiele Sperre. Der Kontrollausschuss verlangt aber nur eine Auszeit von einer Partie. „Allein daran sieht man doch, dass da etwas falsch gelaufen ist“, meint Allofs.

Offenbar ist es so, dass Schmidt selbst seine Entscheidung nicht mehr konsequent vertreten mag. In seinem Bericht finden sich laut Allofs weder die Begriffe Tätlichkeit noch Ellenbogen. Von einer Berührung mit der Hand sei darin die Rede. Die hat es auch gegeben. Aus Versehen, wie selbst Broich gegenüber der „Bild“-Zeitung bestätigte: „Es war keine Absicht. Das würde ich auch schriftlich bestätigen.“ Also fasst Allofs zusammen: „Es liegt offensichtlich eine falsche Wahrnehmung des Schiedsrichters vor.“ Deshalb: Freispruch!

Aber so einfach ist es eben nicht. Der Kontrollausschuss hat bereits im FIFA-Sinn gehandelt, der Einzelrichter wird es – sehr zum Leidwesen der Bremer – vermutlich auch tun. Allofs ahnt: „Das Problem sind diese Richtlinien. Ich befürchte, dass man die Gerechtigkeit nicht so hoch hängt wie die Anordnungen der FIFA.“

Werder könnte daraus ein enormer Schaden entstehen. Das Spiel gegen Borussia Dortmund ist gewissermaßen ein Ausscheidungskampf um die letzte Champions-League-Chance. Fehlt Frings dann, ist das Team geschwächt. Verliert Bremen, gehen eventuell Millionen von Euros flöten.

Das Ganze mag dem einen oder anderen zu weit gedacht und zu hoch aufgehängt sein, doch ganz von der Hand zu weisen, ist diese Bremer Sorge eben auch nicht. Verständlich, dass Klaus Allofs die Rechtsprechung mehr als in Frage stellt: „Wir sind im Profi-Sport, da geht es auch um wirtschaftliche Belange. Wir haben Verständnis für falsche Entscheidungen, das ist menschlich, damit müssenwir auch leben. Aber wir müssen nicht damit leben, dass diese Fehler nicht korrigiert werden können.“

Was tun? Gegen die FIFA vorgehen? Vielleicht irgendwann. Im Fall Frings reicht die Zeit freilich nicht. Werder muss akzeptieren, was der Einzelrichter heute entscheidet und wird das Urteil hinnehmen – wie auch immer es ausfällt. Weiter zu kämpfen, hätte „keinen Sinn“, so Allofs: „Wir könnten das machen, um zu demonstrieren, wie wenig wir von den Regeln halten. Aber das wäre nur ein Schaukampf.“

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