Doch gegen Werder wollen Büskens und Co. das endlich ändern und den ersten Heimsieg landen

Faires Fürth: Erst gibt es einen Händedruck, dann die Punkte

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Fürths Trainer Mike Büskens (rechts) geht vor jedem Heimspiel zur Gästebank und begrüßt dort nicht nur den Coach des Gegners, wie hier Thorsten Fink vom Hamburger SV. ·

Werder-Bremen - Von Manfred BockFÜRTH · Vermutlich werden sich Aleksandar Ignjovski, Uwe Behrens, Holger Berger und Klaus Allofs morgen am Fürther Ronhof ein wenig wundern. Wegen eines besonderen Rituals vor dem Anpfiff.

Ob einer nun Reservist oder Zeugwart, Physiotherapeut oder Vorstandschef beim SV Werder Bremen ist – ein jeder erhält vor dem Anpfiff den Handschlag von Mike Büskens. „Ist doch nichts Außergewöhnliches“, sagt der Trainer der SpVgg Greuther Fürth, „ich gehe vor dem Spiel zur Gästebank und begrüße alle. Sie kommen zwar als Kontrahenten, sind aber meine Gäste.“

Für den 44-Jährigen stellt die Zeremonie seit seinem Amtsantritt im Januar 2010 ein wiederkehrendes Ritual dar. „Ich habe das damals vor unserem Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern wegen meines ehemaligen Weggefährten Marco Kurz gemacht.“ Doch weil es im Bundesliga-Business eben doch die Ausnahme statt die Regel bildet, hat Büskens deswegen unlängst die DFB-Medaille „Fair ist mehr“ erhalten. Die Ehrung im Berliner Stadthaus nutzte er vor anderthalb Wochen explizit dazu, um im Beisein seiner zwei Töchter noch einmal für Verständnis zu werben: „In 30 von 34 Bundesligaspielen ist die Spielvereinigung der Außenseiter, weil die wirtschaftlichen Faktoren nicht mehr hergeben.“

Tatsächlich scheint beim Zweitliga-Meister ein idealistischer Ansatz mit aufgestiegen. Die Maxime „Gewinnen-um-jeden-Preis“ gilt beim aktuellen Vorletzten nicht. „Wichtig ist, dass man immer respektvoll miteinander umgeht“, beteuert Büskens. Was nicht heißt, dass der Fürther Coach morgen gegen Werder nicht nach dem ersten Erfolgserlebnis in der Trolli-Arena strebt. Auf ewig ein Gastgeber bleiben, der dem Gegner erst die Hand und dann die Punkte reicht, will er auch nicht. „Ich hoffe, dass der Anpassungsprozess jetzt abgeschlossen ist“, erklärt der ehemalige Schalker, dessen Familie weiterhin in Gelsenkirchen lebt.

Dort haben auch Gerald Asamoah und Edu bessere Zeiten erlebt; die beiden bilden derzeit unter Büskens den ersten Sturm und wirken auch bemüht, aber wegen ihres Alters – Asamoah ist 34, Edu 31 - eben auch nicht mehr taufrisch. Mehr Betrieb machen da schon die nachrückenden Mittelfeldakteure wie Edgar Prib, Sercan Sararer oder Zoltan Stieber, die nicht umsonst beim 3:3 in Hoffenheim zu den Besten gehörten. Der flinke Prib war bereits an drei der fünf Fürther Treffern beteiligt.

Getragen wird der Aufsteiger trotz der desaströsen Heimbilanz (null Punkte, 0:8 Tore) von einem begeisterungsfähigen Publikum, dem der Hunger nach Erstliga-Erlebnissen anzumerken ist. Die Stimmung in dem Stadion-Provisorium, das den Spagat zwischen Vergangenheit und Moderne charakterisiert wie keine andere Spielstätte, erinnert ein bisschen an das Fluidum beim FC St. Pauli – hier wird jeder Einwurf, jede Ecke beklatscht.

Präsident Helmut Hack will aber auch endlich mal Punkte bejubeln, träumt von einem „dreckigen Sieg“ gegen die Bremer, damit Fürth im Rennen um den Klassenerhalt bleibt: „Wir müssen diesem Team vertrauen, denn wir werden im Winter nicht für zehn Millionen Euro nachrüsten.“ Unter dem wertkonservativen Oberhaupt ist es verpönt, Schulden zu machen. „Wir können nicht wie Eintracht Frankfurt für sieben Millionen die besten Spieler der Zweiten Liga kaufen.“ Stattdessen verlor Fürth mit Olivier Occean seinen besten Torjäger an Frankfurt. Aus gutem Grund: So lange er, der Teefabrikant, das Sagen habe, werde es keinen Profi geben, der 50 000 oder 100 000 Euro Grundgehalt im Monat verdiene. Der 63-Jährige ist überzeugt: „Wenn wir diesen Weg weitergehen, werden wir belohnt. Es gibt für uns nur diesen Weg.“

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