Facebook-Ranking der Bundesligisten

Bremen größter Ausreißer

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Die mediale Verbreitung ist für die Bundesliga-Vereine enorm wichtig.

Bremen – Von Christoph Holzenkamp. Auf seine Fans kann sich Werder Bremen verlassen. In der Bundesliga-Tabelle belegen sie einen Relegationsplatz, im Facebook-Ranking sind sie Fünfter. Mit international spielenden Vereinen können sie aber nicht mithalten. Kreiszeitung.de hat die Reichweiten der Bundesligisten im Social Web verglichen.

34,9 Millionen (Mio.) Pagelikes hat Tabellenführer Bayern München auf seiner Facebook-Seite. Damit sind sie nicht nur sportlich die klare Nummer eins, sondern auch bei der medialen Reichweite weit vorne. Auf etwa 40 Prozent der Likes kommt Zweiter Borussia Dortmund mit 13,8 Millionen. Abgeschlagen auf den Champions-League-Plätzen drei und vier liegen Schalke 04 (2,8 Mio.) und Bayer Leverkusen (1,99 Mio.), eben jene Mannschaften, die in den letzten Jahren am häufigsten an diesem Wettbewerb teilnahmen.

Mit einem Zuspruch von weniger als einer Millionen Pagelikes folgen auf den Plätzen fünf bis zehn Vereine, die in den letzten Jahren höchstens unregelmäßig im internationalen Fußball vertreten waren, dafür aber über eine treue regionale Anhängerschaft verfügen. Angeführt wird dieses Feld von Werder Bremen mit etwas mehr als 900.000 Pagelikes, danach folgen Borussia Mönchengladbach, VfL Wolfsburg, der Hamburger SV und der 1. FC Köln. Wie wichtig der internationale Wettbewerb für die mediale Reichweite der Vereine ist, zeigt das Beispiel Wolfsburg. Im Juli des letzten Jahres lagen die „Wölfe“ mit knapp 465.000 Likes noch auf Rang neun. In der Hinrunde machten sie mit starken Champions-League-Spielen wie gegen Manchester United auf sich aufmerksam und gewannen so über 300.000 neue Facebook-Freunde dazu, die beinahe ausschließlich aus dem Ausland kommen.

Der Blick auf die Herkunft der einzelnen Pagelikes (möglich per Like-Check) zeigt, welche Rolle globale Fans für die mediale Reichweite spielen. Beispiel Bayern München: Der Rekordmeister „gefällt“ vor allem Fans im Ausland. Nur 6,8 Prozent der 34,9 Mio. Likes kommen aus Deutschland. Bei Dortmund (12 Prozent) und Leverkusen (6,2 Prozent) sieht es ähnlich aus. Die „Werkself“ hat aufgrund der Verpflichtung des mexikanischen Nationalstürmers Javier Hernández sogar mehr als dreimal so viele Facebook-Freunde in Mexiko. Ab Platz acht abwärts sieht das ganz anders aus. Von Mainz und Hoffenheim abgesehen liegt die Anzahl heimischer Fans bei rund 60 Prozent, deutlicher Ausreißer nach oben ist Darmstadt 98. Beim Aufsteiger kommen nur 20 Prozent der Likes aus dem Ausland.

Die Gegenüberstellung mit Darmstadt 98 dürfte für den FC Bayern jedoch weniger interessant sein. Der deutsche Primus befindet sich im Wettstreit um globale Marktanteile vielmehr in Konkurrenz zu spanischen und englischen Spitzenteams. Obwohl die Münchner sich sportlich auf der höchsten Ebene befinden, veranschaulicht der Blick auf die Facebook-Top-Fünf, dass sie im internationalen Vergleich sogar verhältnismäßig wenig ausländische Fans besitzen. Der FC Barcelona führt das Tableau mit 90,5. Mio. Likes vor Real Madrid (86,9 Mio.), Manchester United (68,1 Mio.), dem FC Chelsea (44,8 Mio.) und dem FC Arsenal (35,2 Mio.) an. Bei allen fünf Vereinen stammen die meisten Fans aus Indonesien, danach folgen Länder wie Ägypten, Thailand oder Brasilien. Die jeweiligen nationalen Anhänger machen nur drei bis vier Prozent der Likes aus.

Mangelnde internationale Stars

Der deutsche Rekordmeister hat aber nicht nur im asiatischen Raum und in Amerika Nachholbedarf. Auch bei der Vermarktung einzelner Stars ist er im Hintertreffen. Mario Götze (10,3 Mio.) und Thomas Müller (9,1 Mio.) haben die meisten Fans der Bayern-Spieler (Arjen Robben und Franck Ribery sind nicht auf Facebook vertreten). Selbst Dortmunds Marco Reus hängt sie mit 13,1 Mio. Fans ab. Trotz ihrer Leistungen in der Champions League oder bei der Weltmeisterschaft sind sie vor allem in Deutschland beliebt, 17 Prozent (Götze) bzw. sogar 25 Prozent (Müller) ihrer Likes kommen aus der Heimat. Anders beim beliebtesten deutschen Fußballer: Von Mesut Özils 29,5 Mio. Facebook-Fans befinden sich nur 5,2 Prozent in Deutschland. Ebenso sieht es bei Wayne Rooney aus, 5,1 Prozent seiner 25,5 Mio. Likes sind aus Großbritannien. Zur Reichweite von Neymar Jr. (55,3 Mio.), Lionel Messi (83,1 Mio.) oder gar Cristiano Ronaldo, dessen Facebook-Seite mit 109,5 Mio Pagelikes die beliebteste weltweit ist, fehlen den Münchner Spielern ohnehin Welten.

Weit entfernt von diesen Zahlen ist auch Werder Bremen. Die Norddeutschen sind keine internationale Marke, besitzen dafür aber eine starke regionale Verankerung. 44,8 Prozent ihrer Facebook-Fans kommen aus Deutschland. Noch deutlicher fällt es beim HSV aus: 60,8 Prozent ihrer über 762.000 Fans sind von hier. Platz vier im Vergleich ausschließlich deutscher Pagelikes, weit vor den Werksclubs aus Leverkusen und Wolfsburg, die nur knapp über 100.00 hiesige Fans hinaus kommen. Bemerkenswert ist Bremens fünfter Rang im Facebook-Ranking aufgrund fehlender medienwirksamer Stars. Einige der bekanntesten Spieler, wie Claudio Pizarro oder Clemens Fritz, besitzen keinen offiziellen Facebook-Account. Zlatko Junuzovic hat die meisten Pagelikes, etwa 108.000. Kein Vergleich zu Wolfsburgs Weltmeister André Schürrle (4,9 Mio.) oder Leverkusens Javier Hernández (6,6 Mio. Twitter-Follower). Auch Schalke und Hamburg haben mit Jan-Klaas Huntelaar und Lewis Holtby Spieler mit einer wesentlich größeren Reichweite in ihren Reihen.

Treue Werder-Fans

Die Präsenz in sozialen Netzwerken hat für Fußballclubs in den letzten Jahren enorm an Bedeutung gewonnen, schließlich achten auch Sponsoren auf die Reichweite von Werbepartner. Deshalb bemühen Vereine sich seit einigen Jahren immer intensiver darum, Fans auf ihre Auftritte bei Facebook, Twitter und Co zu ziehen. Erstaunlich ist, wie gut Werder im Netz aufgestellt ist. Gerade in die Zeit des Social-Media-Booms fällt auch die anhaltende sportliche Talfahrt der Grün-Weißen. Die Gegenüberstellung von Facebook-Ranking und Bundesligatabelle bestätigt: Sportlich ist Werder zwar nur auf einem Relegationsplatz, ihrer Beliebtheit auf Facebook macht das aber nichts aus. Elf Plätze beträgt die Diskrepanz zwischen den beiden Tabellen, auch beim Überraschungs-Vierten Hertha BSC sind es nur zehn. Die Zuneigung der Werder-Fans ist anscheinend unabhängig vom sportlichen Erfolg.

Anmerkung: Alle Zahlen stammen vom 16. Februar 2015

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