Ex-Werder-Profi fordert Schaaf-Rauswurf

Borowka blitzt ab

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Thomas Schaaf räumt ein, dass sich das Team nur langsam entwickelt.

Bremen - Zlatko Junuzovic nennt sie abfällig „diese Typen“ und meint jene Ex-Profis oder -Trainer, die gefragt oder ungefragt ihre Meinung zu den Themen des Fußballs und der Bundesliga kundtun. Vorzugsweise, so sieht es der Mittelfeldspieler, „wenn es schlecht läuft“.

Bei Werder Bremen läuft es im Moment schlecht – nicht zum ersten Mal in dieser Saison. Und ebenfalls nicht zum ersten Mal steht Trainer Thomas Schaaf deshalb in der Kritik. Aktuell zerrt ausgerechnet ein ehemaliger Weggefährte den Coach auf die sportliche Anklagebank. Uli Borowka fordert via Facebook offen Schaafs Entlassung.

Thomas Schaaf räumt ein, dass sich das Team nur langsam entwickelt.

„Ich habe das Gefühl, dass Thomas Schaaf die Mannschaft nicht mehr erreicht. Ich denke, es ist Zeit für Veränderungen bei Werder, und das nicht nur beim Trainer“, hat der 50-Jährige öffentlichkeitswirksam gepostet. Während er dafür in den Internet-Foren von Teilen der Bremer Anhängerschaft Applaus erntet, straft ihn der Club mit Missachtung. Schaaf selbst geht wenig verwunderlich überhaupt nicht auf Borowka ein, mit dem er 1988 und 1993 Deutscher Meister geworden war, 1992 zudem den Europapokal der Pokalsieger gewonnen hatte. „Fragen Sie mich nicht, das macht keinen Sinn“, wehrt der 51-Jährige Nachfragen unmissverständlich ab. Und Geschäftsführer Thomas Eichin sieht sich ebenso wenig zu einer gehaltvollen Stellungnahme genötigt („Darauf reagiere ich gar nicht“) wie sein Kollege Klaus Filbry: „Uli Borowka hat sich in der Vergangenheit große Verdienste um Werder Bremen erworben. Er hat seine Meinung, die hat er öffentlich geäußert. Ob das der richtige Weg ist, lasse ich dahingestellt.“

Was wohl heißen soll: Aus dem Fass, das Borowka aufgemacht hat, wird die Werder-Geschäftsführung gewiss nichts abschöpfen. Eichin stärkt Schaaf sogar, indem er sich nach der 1:6-Blamage bei den Bayern demonstrativ aus allen sportlichen Belangen raushält, auch nicht vor die Mannschaft tritt: „Das überlasse ich komplett dem Trainer. Ich bin überzeugt, dass der Trainer weiß, was zu tun ist.“ Und Filbry erklärt kurz und knapp, dass die Trainer-Diskussion „kein Thema“ für die Geschäftsführung sei.

Dabei spricht Borowka in seiner Kritik Themen an, die viele Fans des aktuellen Tabellenzwölften seit Monaten nerven. Die Flut an Gegentoren (47 in 23 Partien), der Verzicht auf einen zweiten defensiven Mittelfeldmann, deftige Niederlagen wie gegen Dortmund (0:5) und jüngst gegen Bayern München (1:6). „Ich sehe Spieler, die sich abschlachten lassen“, sagte der Ex-Nationalspieler der „Bild“-Zeitung: „Es hakt an allen Ecken und Kanten.“ Und schuld ist der Coach, meint Borowka.

Highlights wie in Stuttgart (4:1) oder gegen Hannover (2:0) fallen bei ihm unter den Tisch. Borowka zielt allein auf die sportlichen Offenbarungseide gegen den BVB und die Bayern ab. Er gehört zur Fraktion derer, die darin die Auswüchse einer kontinuierlichen Fehlentwicklung sehen. Für Schaaf sind es die höchst unerfreulichen Begleiterscheinungen des Neuaufbaus. „Eine Mannschaft konstant auf ein gutes Niveau zu bringen, braucht Zeit“, argumentiert er stets aufs Neue, „das geht nicht in einem halben oder dreiviertel Jahr. Das wird vielleicht eine Entwicklung über eine Saison sein, vielleicht auch über eine zweite.“

Dabei, das beteuert der Coach immer wieder, verschließt er nicht die Augen vor den Fehlern und Defiziten. „Wir malen uns ja keine rosarote Welt, nehmen ein 1:6 nicht freudestrahlend zur Kenntnis“, sagt er: „Wir arbeiten daran, besser zu werden.“ Nachhaltige Fortschritte lassen allerdings schon lange auf sich warten. Werder stagniert nunmehr im dritten Jahr. Schaaf räumt ein: „Wir wollen eine konstant leistungsstarke Mannschaft haben. Wir haben aber das Problem, dass wir den Weg dahin scheinbar so schnell nicht machen können.“

Den Entwicklungsprozess begleitet er mit vielen erklärenden, oft schützenden Worten. Schaaf erweckt nach Niederlagen oft den Eindruck, zu milde mit seinen Spielern umzugehen. Kritik gibt’s nur am Kollektiv, keiner seiner Spieler wird von ihm bloßgestellt. Intern läuft es anders – behauptet jedenfalls Schaaf: „Wir sprechen die Dinge sehr genau an, die Spieler werden sehr genau mit ihrer Leistung konfrontiert.“ Aber kommt das auch an bei den Profis an? Borowka glaubt nicht.

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Schaaf nimmt dagegen für seine Arbeit in Anspruch, dass sie insgesamt fruchtet. „Wir haben von Beginn an gesagt, dass wir Dinge erleben werden, die uns nicht gefallen. Wenn wir Rückschläge wie in München hinnehmen müssen, tut das sehr weh. Aber trotzdem müssen wir die Linie sehen, müssen sehen, was wir erreichen wollen. Noch sind wir in der Situation, dass wir Auffälligkeiten zum Positiven haben“, erklärt er, „aber leider hauen wir uns manchmal auch böse auf die Mütze.“ · csa

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