Ex-Bremer Wagner erlebt in Darmstadt beste Phase seiner Karriere

Der Leuchtturm der „Lilien“

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Ex-Bremer Sandro Wagner (l.)

Darmstadt - Von Manfred Bock. Dicht war der Schneeregen, der die vergangenen Tage über Südhessen niederging. Und eine matschige Schicht über die Trainingsplätze des SV Darmstadt 98 legte. Also entschied Trainer Dirk Schuster am Dienstag kurzfristig, die Nachmittagseinheit seiner Profis ins Stadion am Böllenfalltor zu verlegen.

Der Rasen ist ohnehin so arg ramponiert, dass sich selbst die eigenen Spieler hin und wieder beschweren, wenn ein Ball verspringt. Aber noch einer hatte im Trainingsspiel etwas zu beklagen: Sandro Wagner (28) raunzte irgendwann lautstark Ersatzkeeper Patrick Platins an, als er nicht punktgenau angespielt worden war. Mit ausgebreiteten Armen deutete der Stürmer an, wo der Ball doch bitte hätte hinkommen müssen. Schuster stand schweigend an einer Werbebande.

Die Szene belegte einmal mehr, welchen Status sich die Nummer 14 beim Bundesliga-Aufsteiger erworben hat. Nicht nur wegen seiner 1,94 Meter ist Wagner gerade der Leuchtturm der „Lilien“. Neun Pflichtspieltore hat er bereits erzielt. In den letzten sechs Spielen traf er fünf Mal. Darunter sehenswert zur 1:0-Führung beim FC Bayern in seiner Heimatstadt München. Nie war dieser Wagner wertvoller.

„Ich brauche Vertrauen und Spiele von Anfang an in einem guten Team, mehr nicht“, erklärt er unverblümt. An Selbstbewusstsein hat es dem Mann, der 2009 mit der U21 und Spielern wie Manuel Neuer, Mats Hummels, Sami Khedira oder Mesut Özil den EM-Titel gewann, noch nie gemangelt. Unvergessen, wie er nach seinem Wechsel vom MSV Duisburg zu Werder im Januar 2010 sagte, es gebe in der Bundesliga nur wenige Stürmer wie ihn. An der Weser sorgte er sportlich jedoch nur in der Saison 2010/2011 für Aufsehen, als ihm zwischen dem 25. und 30. Spieltag fünf wichtige Treffer im Abstiegskampf gelangen, die er mit Roboter-Tanzeinlagen feierte. Doch danach kam nicht mehr viel.

Was auch für seine weiteren Stationen galt: Weder in Kaiserslautern noch in Berlin hinterließ er einen bleibenden Eindruck. Im vergangenen Sommer verdonnerte ihn Hertha-Trainer Pal Dardai abseits des Mannschaftstrainings dazu, Bälle auf ein leeres Tor zu bolzen. Eine Luftveränderung musste her. „Wir haben zugegriffen, weil er uns schnell klargemacht hat, dass er sich beweisen will“, sagte Schuster nach seiner Verpflichtung.

Nicht nur als „wuchtiger Wandstürmer“ (Schuster) passt Wagner perfekt ins Beuteschema. Er ist der erste Quälgeist in vorderster Front, macht Bälle fest und bearbeitet den Gegner. Mit eben jener Widerstandsfähigkeit und Wehrhaftigkeit dreht Darmstadts Ansammlung der Aussortierten und Ausgestoßenen der Konkurrenz im Abstiegskampf eine lange Nase.

Von Dominik Stroh-Engel, in der dritten und zweiten Liga Torschütze vom Dienst, redet niemand mehr. Ihm fehlt, was Konkurrent Wagner gerade auszeichnet: der absolute Behauptungswille. Und er hat verinnerlicht, auf was es an diesem Standort ankommt: „Wir sind ein echtes Team mit ehrlichen Charakteren – keiner nimmt sich wichtiger als er ist.“ Seine Vorbildfunktion hat er sich im Hinspiel beim 2:1-Kraftakt gegen Bremen erarbeitet, als der erstmals in die Anfangself berufene Mittelstürmer als zweifacher Torschütze prompt zum Matchwinner avancierte. „Für dieses Gefühl habe ich viel umgestellt, viel geopfert, viel investiert“, sagte er danach. Zudem sprudelte aus ihm heraus: „Ich bin glücklich wie ein Schnitzel.“ Das Hochgefühl hält bis heute an. Auch wenn im Training mal gemotzt wird.

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