Ex-Bremer freut sich auf das Wiedersehen

„Lückes“ besonderes Verhältnis zu Kohfeldt

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Niclas Füllkrug will am Sonntag im Weserstadion jubeln.

Hannover - Als Niclas Füllkrug (24) den Namen Florian Kohfeldt (35) hört, da sprudeln die Worte förmlich aus ihm heraus: „Wahnsinn, was sich in zehn Jahren alles tun kann. Florian war mein Co-Trainer in der U14 von Werder. Ein toller Typ, er hat mir damals viel geholfen.“

Kohfeldt ist immer noch in Bremen und gerade zum Chefcoach aufgestiegen. Füllkrug kommt dagegen am Sonntag als Gegner mit Hannover 96 ins Weserstadion: „Natürlich ist das ein ganz besonderes Spiel für mich. Ich habe Werder viel zu verdanken – auch meinen Spitznamen.“

In Bremen wurde Füllkrug immer nur „Lücke“ genannt. Die blitzt aus seiner Zahnreihe bei jedem Lachen hervor. Und der Stürmer lacht viel. Er ist ein fröhlicher Mensch. So hat er damals auch Bremen verzaubert. „Da war ich der unbekümmerte Spieler, das große Talent“, erinnert sich der inzwischen 24-Jährige: „Ich glaube schon, dass mich die Leute positiv gesehen haben.“

Kurz vor seinem 19. Geburtstag feierte er im Januar 2012 sein Bundesliga-Debüt. Im sechsten Spiel gelang ihm schon sein erstes Tor – beim 1:1 in Augsburg. Also genau dort, wo er neulich zum ersten Mal für Hannover 96 genetzt hat. Die Frage, welches Tor ihm mehr bedeutet, ist schnell beantwortet. „Natürlich mein erstes in der Bundesliga. Das kam doch aus dem Nichts. Da habe ich einen Jubellauf gestartet . . .“ Die Erinnerung daran hat er erst kürzlich mit Hilfe eines Videos im Internet aufgefrischt: „Mein Gesicht sah da aus, das war der Wahnsinn.“

Champions-League-Abende im Weserstadion

Füllkrug hatte es geschafft, war nun wirklich ganz oben bei Werder angekommen. Ein Traum. 2006 war der gebürtige Hannoveraner von den Sportfreunden Ricklingen in die Werder-Jugend gewechselt und ins Internat direkt im Weserstadion eingezogen. Zimmernachbar? „Alex Hahn“, antwortet Füllkrug sofort: „Der spielt jetzt in der fünften Liga in Homburg.“ Das weiß der Profi, obwohl er kaum Kontakt zum Kumpel von einst hat. „Das ist schwierig im Fußball, du lernst so viele Menschen kennen.“ Doch Füllkrug hat ein Elefanten-Gedächtnis und informiert sich viel im Internet.

Über Werder weiß er natürlich auch Bescheid. „Die Situation dort ist schon nicht einfach, seit Jahren geht es nur noch gegen den Abstieg.“ Als Nachwuchsspieler hat er noch die großen Champions-League-Abende im Weserstadion erlebt. Der Trainer hieß damals Thomas Schaaf. Und der holte den jungen Füllkrug dann mit 18 Jahren in sein Team. „Unter Schaaf lief es für mich bei Werder wie gemalt“, schwärmt der Mittelstürmer: „Es gab Zeiten, in denen selbst Eljero Elia für mich nur eingewechselt wurde.“ 5,5 Millionen Euro hatten die Bremer im Sommer 2012 für den Niederländer an Juventus Turin überwiesen.

Kein dauerhafter Höhenflug

Elia scheiterte schließlich bei Werder. Aber auch für Füllkrug war es kein dauerhafter Höhenflug. Nach insgesamt 25 Pflichtspielen und drei Toren endete 2013 seine Zeit bei Werder. Erst hatte ihn ein Knorpelschaden gestoppt, dann war auch noch Fürsprecher Schaaf weg. Dessen Nachfolger Robin Dutt hatte andere Pläne. Füllkrug wurde an Greuther Fürth ausgeliehen, um in der Zweiten Liga Spielpraxis zu sammeln. Ein Jahr später holte ihn Werder aber nicht zurück, sondern verkaufte ihn an den 1. FC Nürnberg. Sportchef Thomas Eichin rang dem Zweitligisten eine Rückkaufoption ab. Eine Absicherung, für den Fall, dass Füllkrug plötzlich durchstartet. Und tatsächlich: Der Stürmer hätte den Club fast zurück in die Bundesliga geschossen.

Niclas Füllkrug im Jahr 2013 mit dem damaligen Werder-Sportchef Thomas Eichin.

Eichin-Nachfolger Frank Baumann zog die Kaufoption trotzdem nicht, wollte keine 1,3 Millionen Euro Ablöse zahlen. „Ich hätte mich zurückgekauft“, sagt Füllkrug und grinst: „Aber so bin ich in Hannover gelandet.“ Drei Millionen Euro zahlten die Niedersachsen 2016 als Ablöse, weil sie nach dem Abstieg sofort wieder hoch wollten. Der Plan ging auf – auch dank Füllkrug.

Im Weserstadion will er unbedingt spielen

In dieser Saison muss sich der Mittelstürmer oft mit der Jokerrolle begnügen. Die Konkurrenz Jonathas, Martin Harnik und Ihlas Bebou funktioniert auch richtig gut. Zufrieden ist Füllkrug damit nicht, aber er betont: „Der Verein heißt Hannover 96 und nicht Niclas Füllkrug.“ Die Mannschaft sei auch deshalb erfolgreich und aktuell auf Platz sechs, „weil wir keine elf Selbstdarsteller auf dem Platz haben“. Das gelte auch für die Spieler auf der Bank.

Aber natürlich will Füllkrug am Sonntag in seinem Wohnzimmer unbedingt spielen. Und er würde auch gerne ein Tor bejubeln. Aber nicht, um irgendwelche alten Rechnungen zu begleichen. Die würde es auch gar nicht geben. „Ich jubele immer, da geht es doch nur um den Moment“, erklärt der Angreifer. Rücksicht auf seinen Ex-Co-Trainer Kohfeldt kann er ohnehin nicht nehmen. „Ich drücke ihm für die restliche Saison die Daumen“, sagt Füllkrug und gesteht: „Wir hatten schon ein besonderes Verhältnis.“

Quelle: DeichStube

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