Marvin Compper steht mit Aufsteiger RB Leipzig ganz weit oben – ein Gefühl, das er kennt

„Europapokal? Das wäre ein absolut überzogenes Ziel“

Marvin Compper sieht in Werder Bremen eine große Gefahr auf RB Leipzig zukommen: „In Bremen hat ein neues Kapitel begonnen. Wir müssen höllisch aufpassen.“ J Foto: imago

Leipzig - Der Start in die erste Bundesliga-Saison des noch blutjungen Clubs ist ein Traum. Ungeschlagen nach sieben Spielen, 15 Punkte auf dem Konto, Platz drei in der Tabelle – für RB Leipzig hätte es nicht besser laufen können. Der finanzstarke Neuling mischt die Liga auf! Die meisten Experten sind sich auch einig, dass das kein kurzlebiges Phänomen ist, sondern dass sich die „Roten Bullen“ dauerhaft in der Spitze festsetzen werden.

Das wäre einerseits zwar ganz im Sinne von Marvin Compper, andererseits meldet der Innenverteidiger Bedenken an, ob schon im ersten Bundesliga-Jahr der Durchbruch gelingen wird. Der mit 31 Jahren älteste Feldspieler im jüngsten Kader der Liga (Durchschnittsalter 23,6 Jahre) hat Erfahrung mit der Situation. Denn was gerade mit RB Leipzig passiert, hat er vor acht Jahren schon mal mit 1899 Hoffenheim erlebt. Vor dem Heimspiel gegen Werder Bremen (Sonntag, 15.30 Uhr) spricht Compper im Interview über die Lage in Leipzig.

Ihr Trainer Ralph Hasenhüttl hat der Mannschaft unlängst eine „atemberaubende Entwicklung“ attestiert. Wie ist es bei Ihnen, kriegen Sie noch Luft?

Marvin Compper: Ja, klar! Wir wissen zwar, dass es bislang so gut läuft, wie man es sich kaum besser hätte erträumen können. Aber wir wissen ebenso gut, dass es, wenn wir jetzt nur einen Tick nachlassen, nicht mehr reichen wird. Nicht in der Bundesliga.

Viele sehen in RB Leipzig schon einen Anwärter auf einen Platz im Europapokal. Sie auch?

Compper: Das als Ziel auszugeben, wäre absolut überzogen. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir eine ganze Reihe an Spielern im Kader haben, die ihre erste Bundesliga-Saison spielen. Deshalb ist es viel zu früh, vom internationalen Wettbewerb zu reden. Damit beschäftigt sich bei uns definitiv niemand.

Aber wieso? Die Qualität ist doch ganz offensichtlich vorhanden.

Compper: Talent ist bei uns ganz viel vorhanden – und ja, in den ersten Spielen ist die Qualität auch abgerufen worden. Aber die Herausforderung ist es doch, Woche für Woche Talent und Qualität auf den Platz zu bringen. Ob wir das konstant aufrecht erhalten können, müssen wir erst noch beweisen. Allein darauf sollten wir uns konzentrieren.

Wo sehen Sie RB Leipzig denn richtig verortet?

Compper: Es ist ganz sicher so, dass wir erst einmal eine sorgenfreie Saison spielen möchten und die magische 40-Punkte-Marke erreichen wollen. Ist das geschafft, können wir sehen, was für uns am Ende drin ist. In der Bundesliga kann es jederzeit auch wieder in die andere Richtung gehen. Ich habe es ja schon selbst erlebt.

Sie sprechen das Premierenjahr mit 1899 Hoffenheim an. Damals wurde der Liga-Frischling mit 35 Punkten Herbstmeister, verpasste am Ende mit 55 Zählern jedoch den Europacup.

Compper: Ja, aber das ist acht Jahre her. Über diesen Vergleich ist schon viel zu viel geredet worden. Davon sollte man sich lösen.

Sorry, eine Frage muss aber noch sein: In die besagte Herbstmeister-Hinrunde fiel auch das legendäre Spiel im Weserstadion, das Werder mit 5:4 gewann. Sie trafen zum zwischenzeitlichen 4:4.

Compper: Diese Partie war sicher meine eindrücklichste Erfahrung mit Werder Bremen. Die Zuschauer sind damals voll auf ihre Kosten gekommen. Aber für Hoffenheim war es ein unglücklicher Tag – fünf Tore zu kassieren, ist kein Weg, ein Spiel zu gewinnen.

Fünf Gegentore hat auch RB Leipzig hinnehmen müssen – allerdings nicht in nur einem, sondern in sieben Spielen. Haben Sie Ihrem Team deshalb das Prädikat „schwer zu besiegen“ verliehen?

Compper: Was ja schon von allen erkannt wurde, ist, dass wir in jedem Spiel mehr laufen als der Gegner. Das ist so etwas wie ein Faustpfand für uns. Mit Laufen allein ist es aber nicht getan. Wir funktionieren als Team einfach gut, jeder hängt sich voll rein. Wir verschieben gut in der Defensive, niemand ruht sich aus. Das ist definitiv unsere Stärke.

Ihr Teamkollege und Ex-Werder-Profi Davie Selke hat in den vergangenen Tagen vor den Bremern gewarnt. Die Mannschaft sei nach dem Trainerwechsel „euphorisiert“ und besonders gefährlich. Wie sehen Sie es?

Compper: Sehr ähnlich. Mit sehr viel Emotionen und ganz viel Teamgeist haben die Bremer zuletzt sieben Punkte aus drei Spielen geholt. Mit dem Trainerwechsel hat dort ein neues Kapitel begonnen, und seither ist Werder wieder erfolgreich. Wir werden also höllisch aufpassen müssen. csa

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