Europa, Euphorie, Real, Roberto und ein Rekord – die Siegesserie und ihre Fragen

Werder auf Schalke: Überflieger oder Underdog?

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Falsch gezählt, Jannik Vestergaard! Es sind nicht vier, sondern schon fünf Siege, die Werder in Folge eingefahren hat. Der sechste soll heute folgen.

Bremen - Jetzt also gegen Schalke 04, ein Spiel in der Veltins-Arena. Dort, wo der SV Werder die letzten vier Auftritte verlor, dabei 14 Tore kassierte. Man könnte auf den Gedanken kommen, dass die Bremer heute (15.30 Uhr) nicht besonders gerne bei den Königsblauen antreten. Aber falsch: Werder ist nach fünf Siegen in Folge jeder Gegner recht. Der Rückrunden-Primus will die Negativserie auf Schalke beenden und den aktuellen Erfolgslauf fortsetzen. Vor dem (vielleicht) sechsten Sieg in Folge gibt es sechs Antworten auf sechs Fragen.

Hier der Club aus der Königsklasse, dort die Truppe, die vor sechs Spieltagen noch Tabellenletzter war. Da ist die Rollenverteilung doch klar, oder? „Wir sind ein bisschen der Underdog, können nur überraschen“, behauptet Bremens Verteidiger Jannik Vestergaard: „Schalke will wieder in die Champions League. Favoritenstatus und Druck sind also beim Gegner.“ Aber fünf Siege in Folge und Platz eins in der Rückrundentabelle sprechen für Werder. „Wir können auch auf Schalke gewinnen, das ist absolut machbar“, meint Mittelfeldmann Felix Kroos.

In Sichtweite. An die Europa League ist Werder (Platz acht) schon jetzt bis auf zwei Zähler herangerückt, mit einem Sieg auf Schalke (Rang vier) würde sogar der Abstand auf die Champions League auf das gleiche Maß schrumpfen. Träumereien? Öffentlich gibt nur Linksverteidiger Santiago Garcia zu, auch mal „mit einem Auge“ nach oben zu schielen. Ansonsten ist Zurückhaltung befohlen. Vestergaard erweist sich auch in dieser Hinsicht als Muster-Profi: „Es ging so schnell nach oben – genauso schnell kann es wieder nach unten gehen. Jetzt schon von Europa zu reden, ist ein bisschen zu früh.“ Geschäftsführer Thomas Eichin gibt das internationale Geschäft als „mittelfristiges Ziel“ aus. Im Moment will er davon aber „nichts wissen“.

Nullkommanull, meint Werder-Coach Viktor Skripnik. Zwar gewann Real Madrid am Mittwoch mit 2:0 auf Schalke, doch das war Champions League und hat den Bremern keine verwertbaren Erkenntnisse gebracht. Skripnik: „Real ist ein Team mit Weltklasse-Spielern auf jeder Position. Und wir sind der SV Werder. Ich erwarte nicht, dass Schalke wieder mit einem 5-3-2-System hinten drin steht. Die Mannschaft muss Punkte einsammeln – wo sollen die das machen, wenn nicht zu Hause gegen Werder? Ich glaube nicht, dass sie wieder so defensiv denken werden.“ Also: anderes Schalke = gefährlicheres Schalke. Aber auch ein anfälliges Schalke, meint Vestergaard: „Wenn sie angreifen, können wir kontern. Wenn sie hinten wieder ihre Fünferkette installieren, ist es schwer, da durchzukommen.“

Es ist die perfekte Welle, auf der Werder bislang durch die Rückrunde reitet. Vier Spiele, vier Siege – die Begeisterung darüber hat die gesamte Mannschaft erfasst. Und jeder weiß, dass Selbstvertrauen im Sport schon die halbe Miete ist. Rechtsverteidiger Theodor Gebre Selassie demonstriert, dass die Euphoriewelle ihn in dieser Hinsicht schon weit hinaufgetragen hat: „Wir wissen, was wir können, wie wir spielen wollen. Und dass wir eine gute Mannschaft sind. Wir haben das Selbstvertrauen, um auf Schalke zu gewinnen.“ Eine Aussage, die zeigt: Von den Selbstzweifeln eines Abstiegskandidaten sind bei Werder nicht mal mehr Spurenelemente vorhanden.

Der Schalke-Trainer ist beeindruckt von der Bremer Siegesserie. „Ich denke, Werder ist momentan ein gefährlicher Gegner. Bei ihnen läuft nahezu alles. Das Team hat ein sehr gutes Konterspiel, ist bei Standards gefährlich und hat Stürmer, die in guter Verfassung sind“, sagt der Italo-Schweizer. Sein Fahrplan für die Partie: „Ich denke, es wird wichtig, in diesem Spiel das erste Tor zu schießen. Wir müssen unsere Chancen nutzen.“

In der Saison 1982/83 gewann Werder unter Trainer Otto Rehhagel acht Spiele in Folge – bis heute ist das der Club-Rekord. Fürchterlich weit weg ist er für die aktuellen Seriensieger zwar nicht mehr. Aber doch weit genug, um sich die Einstellung nicht jetzt schon auf die Fahnen zu schreiben. „Daran denken wir nicht, wenn wir ins Spiel gehen“, beteuert Theo Gebre Selassie. Und Sportchef Eichin wischt das Thema sowieso vom Tisch: „Der Rekord interessiert mich nicht. Mich interessiert, dass wir gegen Schalke volle Kanne in die Partie gehen.“

csa

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