Wie sich Eljero Elia beim Hamburger SV wandelte / Falsch verstanden, falsch behandelt, falsch gewechselt?

Erst Spaßfußballer, dann Spaßbremse

Eljero Elia wirft viele Fragen auf. ·

Werder-Bremen - Von Sebastian Wolff · Jörn Wolf musste gleich beim ersten öffentlichen Termin eingreifen.

Wolf ist Mediendirektor des Hamburger SV und hatte Eljero Elia im Sommer 2009 24 Stunden nach dessen Verpflichtung im „Aqua Dome“ im österreichischen Längenfeld, dem damaligen Trainingslagerquartier, den Hamburger Journalisten vorgestellt. „Der HSV“, befand der Neuling von Twente Enschede bei seiner Antrittsrede, „ist das perfekte Sprungbrett für meine Karriere, der Zwischenschritt zu einem großen Club!“ Wolf wandte sich prompt dem damals 22-Jährigen zu und wies ihn augenzwinkernd darauf hin: „Erstmal bis du jetzt ja bei uns.“

Elias erster Tag als HSV-Profi war symptomatisch für seine zwei Jahre an der Elbe – irgendwie war er immer auf dem Sprung. Anfangs, weil er ein derart herausragendes erstes Halbjahr absolvierte, dass unter den Verantwortlichen die Befürchtung wuchs, den anfangs auch außerhalb des Rasens erfrischenden Flügelmann nicht länger als ein Jahr halten zu können. Später, weil er immer unzufriedener und unkonstanter wurde. Aus dem Spaßfußballer war eine Spaßbremse geworden.

Auf und neben dem Platz. Welchen Anteil daran Nikolce Noveski trägt, wird in Hamburg mitunter heute noch diskutiert. Nach einem rüden Foul des Mainzer Verteidigers im November 2009 verletzte sich Elia am Sprunggelenk – und verlor seine Leichtigkeit. Er kam schnell, aber unter Schmerzen zurück, klagte in der Heimat öffentlich die HSV-Ärzte und den gesamten Verein an, falsch behandelt worden zu sein. Falsch verstanden fühlte er sich fortan eigentlich immer. Und irgendwie auch allein.

Mit Freundin Sanne und Tochter Sahel bezog er zwar ein schönes Haus, doch die Familie blieb nicht durchgängig. Stattdessen hatte Elia immer Besuch. Als ihm im zweiten Jahr wieder das Sprunggelenk Probleme bereitete, hat er mal verraten, dass ein befreundeter DJ aus Holland ihm geholfen habe, den Kopf frei zu kriegen. In seinem Keller hatte Elia ein Studio eingerichtet. „Wir haben Beats gemacht.“ Der Name des Discjockeys? „DJ glow in the dark.“

Elia selbst strahlte immer weniger, das große Können präsentierte er nur noch arg dosiert. Armin Veh, sein Trainer im zweiten Jahr, kam schnell zu dem Schluss: „Der wird es nicht dauerhaft schaffen.“ Seiner Meinung nach war das Problem nicht, dass Elia nicht frei genug im Kopf gewesen sei, für Veh war der inzwischen zum Ex-Nationalspieler abgestiegene Techniker schlicht nicht fokussiert genug.

Passend dazu ist diese Episode: Als Elia offiziell ein weiteres Mal verletzt fehlte, laborierte er tatsächlich an den Folgen einer Entzündung am Oberkörper. Grund: Er hatte sich ein großflächiges Tattoo im Brustbereich stechen lassen.

Michael Oenning unternahm vor exakt einem Jahr noch einen letzten Versuch, den Hochbegabten wieder auf Kurs zu bringen. Mit Streicheleinheiten. „Typen wie ,Elli‘ muss man auch mal in den Arm nehmen.“ Doch der Kuschelkurs kam zu spät. „Ich spiele mit Herz. Wenn ich nicht mit dem Herzen Fußball spiele, dann geht es nicht“, hat Elia mal als Credo ausgegeben.

Mit dem Herzen aber war er im Sommer 2011 längst nicht mehr in Hamburg, die Flucht zu Juventus Turin die logische Konsequenz. Nach nur einem Jahr geht er wieder einen Schritt zurück – der erhoffte Weg zu einem Top-Club war für ihn eine Sackgasse.

Sebastian Wolff (36) begleitet als Redakteur des „kicker“ seit zehn Jahren den Hamburger SV.

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