Dass der 1. FC Nürnberg mehr als ordentlich dasteht, hat auch viel mit Hiroshi Kiyotake zu tun

Erst Bratwurst, dann Bremen

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Nürnbergs Entdeckung: Der Japaner Hiroshi Kiyotake war an der Hälfte der Club-Tore in dieser Saison beteiligt. ·

Werder-Bremen - Von Manfred BockNÜRNBERG · Wer sich das erste Mal auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt begibt, läuft Gefahr, sich zu verirren.

Je näher Weihnachten rückt, desto mehr Menschen aus allen Erdteilen drängen sich durch das Dickicht aus Buden und Ständen. Traditionell schlagen hier Heerscharen japanischer Touristen auf, wobei viele in dieser Woche gar nicht glauben wollten, wen sie da plötzlich an einem Wurststand fotografieren konnten: Hiroshi Kiyotake, die Entdeckung der Saison beim 1. FC Nürnberg. Und ein umschwärmter Star in der Heimat.

Vor dem Spiel morgen in Bremen ließ sich der 23-jährige Offensivkünstler den Spaß nicht nehmen, um mit seinem Abwehrkollegen Timm Klose am Grill zu stehen. Oft genug sei er schon da gewesen, hat Kiyotake verraten, „jedesmal kaufe ich mir sofort ‚Drei im Weggla‘. Ich liebe diese Würstchen.“

Kiyotake hat sich nicht nur mit den fränkischen Traditionen gut vertraut gemacht, er ist auch fußballerisch eine echte Bereicherung. Mag das Nürnberger Offensivspiel in dieser Saison mitunter ziemlich ausrechenbar aussehen, gibt die Nummer 13 die unberechenbare Komponente ab. Ohne seine Neuerwerbung Kiyotake, so viel steht fest, stünde der Club deutlich schlechter da. Drei Tore, fünf Vorlagen und unzählige geistreiche Momente hat der nur 1,72 Meter große und 62 Kilo leichte Feingeist den Franken beschert; an jedem zweiten Tor war der japanische Nationalspieler irgendwie beteiligt.

Kiyotake kommt aus der Talentquelle von Cerezo Osaka – jenem Verein, der auch schon Shinji Kagawa hervorbrachte. Dass sich die Nürnberger dieses Juwel angelten, ist der Weitsicht von Manager Martin Bader zu verdanken, der insgesamt drei Mal in den Fernen Osten geflogen war, um den feinen Techniker zu beobachten – und von einem Wechsel zu überzeugen. Der mit einem Vierjahresvertrag ausgestattete Profi sei eine „sportliche Wertanlage“. Nach den guten Erfahrungen mit Kiyotake ist sogar vorstellbar, dass im Winter auch dessen Landsmann und ehemaliger Clubkollege Takahiro Ogihara nach Nürnberg kommt. Der 21-Jährige könnte dann aus dem defensiven Mittelfeld heraus für mehr spielerische Impulse sorgen. Diese Rolle bekleidet bislang der Belgier Timmy Simons, wobei der 36-Jährige alles andere als einen modernen Sechser, sondern einen altbackenen Abräumer gibt. Aber auch das sind Mittel und Wege, um ans Ziel zu gelangen.

Dass die Nürnberger mal wieder nur gegen den Abstieg kämpfen, war nicht weiter verwunderlich, nachdem der Abgang von Abwehrtalent Philipp Wollscheid und Ausleihspieler Daniel Didavi nur den Aderlass des Vorjahres fortsetzte, als die Nürnberger in Ilkay Gündogan, Julian Schieber und Mehmet Ekici auf einmal drei Leistungsträger verloren. Deshalb hält Bader im gelungenen Zusammenspiel mit dem oft verkannten Trainer Dieter Hecking den Ball bewusst flach. Sein Credo lautet: „Die Bundesliga ist ein Privileg. Wir werden hier nicht mehr vom nächsten Schritt reden.“ Weil er unrealistisch erscheint wegen limitierter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen.

Und doch bringen die Nürnberger eine besondere Motivation mit nach Bremen. Bei einem Sieg hätten sie mit 22 Punkten die beste Hinrunde seit dem Aufstieg gespielt. Und kämen unvermittelt in jene Sphären, die der selbstbewusste Kiyotake anstrebt: „Ich halte in der Rückrunde einen Platz unter den ersten Zehn für realistisch.“ Nach derzeitigem Tabellenbild wären die Nürnberger dann automatisch auch einer der vielen Europapokalanwärter.

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