Erst den Abstieg verhindert, dann das Spektakel zurückgeholt – und nun soll die richtige Balance nach Europa führen

Der Hoffenheimer Weg: Gisdol findet ihn wieder

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Markus Gisdol kann mit 1899 zufrieden sein.

Werder-Bremen - Von Tobias Brinkmann. ZuzenhausenWerder-Bremen - Von Tobias Brinkmann. 1899 Hoffenheim ist für viele Experten ein Anwärter auf die Plätze, die für das internationale Geschäft berechtigen. Auch Werder-Trainer Robin Dutt rechnet mit den Kraichgauern. Dabei stand der Club vor knapp anderthalb Jahren mit eindreiviertel Beinen in der Zweiten Liga und zog mit einer Energieleistung in den Relegationsspielen gegen Kaiserslautern im letzten Moment noch den Kopf aus der Schlinge. Großen Anteil an der Rettung besaß Trainer Markus Gisdol, der die Mannschaft sieben Spieltage vor dem Ende der damaligen Saison übernommen hatte und sie seitdem stetig verbesserte.

In der vergangenen Spielzeit stand die TSG für Spektakel pur. Mit Platz neun und einem Torverhältnis von 72:70 führte Gisdol den Verein in ruhiges Fahrwasser. Dazu war die Handschrift des Coaches deutlich erkennbar: Pressing, Ballbesitz, schnelle Angriffe, gutes Kombinationsspiel. Nicht ohne Grund findet der frühere Hoffenheimer Aufstiegstrainer Ralf Rangnick: „Markus steht für den Hoffenheimer Weg, der uns damals nach zwei Aufstiegen ausgezeichnet hat.“

Gisdol, damals Co-Trainer von Rangnick, gab dem Club wieder ein Gesicht. Seine Vorgänger Marco Pezzaiuoli, Holger Stanislawski, Markus Babbel und zuletzt Marco Kurz scheiterten daran kläglich. „Ein großes Problem war die verlorene Identität. Keiner wusste mehr so richtig, für was Hoffenheim überhaupt steht. Wir wollen uns in erster Linie über unseren Fußball definieren“, erklärt Gisdol. Dabei nahm der 45-Jährige ganz bewusst in Kauf, dass durch sein riskantes Spiel die Defensive äußerst anfällig war. Aber: Hoffenheim steht wieder für attraktiven Fußball und viele Tore. In diesem Stil wurde auch die A-Jugend im Sommer erstmals Deutscher Meister.

Für den nächsten Schritt Europa League wurde in der Sommerpause die wackelige Hintermannschaft stabilisiert. Freiburgs Keeper Oliver Baumann ist eine absolute Verstärkung, kostete rund sechs Millionen Euro. Die linke Abwehrseite soll in Zukunft Jin-Su Kim sicherer machen, er droht heute allerdings wegen Schulterproblemen auszufallen. Innenverteidiger Ermin Bicakcic kam aus Braunschweig, und der nach einer Verletzung noch nicht ganz fitte Pirmin Schwegler soll im defensiven Mittelfeld demnächst für Ordnung sorgen. In Adam Szalai, kam für sechs Millionen Euro vom FC Schalke, steht ein weiterer Stürmer mit gehobenem Bundesliga-Format im Kader. Gisdol meint: „Das Wichtigste ist, die Balance zu finden zwischen attraktivem Angriffsspiel und stabiler Defensive. Schaffen wir das, dann ist es gut.“

Gegen Augsburg klappte das sogar sehr gut. Die TSG gewann am ersten Spieltag 2:0, ließ in der Defensive kaum etwas anbrennen und machte den Coach glücklich: „Wir haben als Team sehr gut verteidigt, die Jungs haben gut harmoniert. Das war der Schlüssel zum Erfolg.“ Die Hintermannschaft steht und in Firmino, Szalai und Kevin Volland wirbeln drei Top-Offensivkräfte die gegnerische Abwehrreihen durcheinander. Firmino und Volland wurden bereits bei einigen europäischen Top-Vereinen gehandelt, blieben am Ende aber doch in Hoffenheim. Der Grund neben einer kräftigen Gehaltsaufbesserung: die Zusammenarbeit mit Trainer Gisdol.

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