Erneut gelingt in Mainz der große Befreiungsschlag

3:1 – Werders Wendemanöver

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Dynamisch, fokussiert, torgefährlich: Anthony Ujah schoss sich und Werder Bremen in Mainz aus der Krise. Sein Doppelpack war nach fünf Niederlagen am Stück ein echter Brustlöser.

Mainz - Der Knoten ist geplatzt! Und wieder in Mainz! Nach fünf Niederlagen in Serie drohte Werder Bremen gestern ein historischer Negativ-Rekord. Sechs Bundesliga-Pleiten in Folge, das hat es in der Vereinsgeschichte noch nie gegeben – und gibt es auch weiterhin nicht. Die Bremer gewannen beim FSV Mainz 05 dank eines Dreierpacks in acht Minuten mit 3:1 (3:0), haben nun zehn Punkte auf dem Konto und verbesserten sich vom 16. auf den 14. Platz.

„Natürlich bin ich erleichtert und freue mich, auch für die Jungs. Endlich haben wir gewonnen, die Serie ist gebrochen“, sagte Trainer Viktor Skripnik, der damit in der Coface-Arena (gestern mit 30837 Zuschauern gefüllt) zum zweiten Mal die Wende schaffte. Im vergangenen Jahr hatte der 45-jährige Ukrainer in Mainz sein erstes Bundesliga-Spiel als Chefcoach bestritten, mit 2:1 gewonnen und die Bremer Talfahrt gestoppt. Das gelang gestern erneut – und sorgte auch bei den Spielern für strahlende Gesichter. „Endlich ein Sieg“, jubelte Linksverteidiger Santiago Garcia, der gleich zwei Tore vorbereitet hatte. „Ich bin sehr, sehr glücklich für mich und die Mannschaft“, meinte Anthony Ujah, der die Garcia-Vorlagen verwertet und doppelt getroffen hatte. Und Zlatko Junuzovic brachte die Bremer Gefühlslage gestern Abend auf den Punkt: „Die Erleichterung ist riesig.“

Skripnik, der vor der Partie erneut Rückendeckung von Sportchef Thomas Eichin erhalten hatte, setzte (wie zuletzt gegen Bayern) auf ein recht defensives 4:1:4:1-System mit Philipp Bargfrede als einzigem Sechser und Ujah als einziger Spitze. Die Gastgeber (mit dem Ex-Bremer Leon Balogun als Rechtsverteidiger in der Anfangsformation) taten sich schwer, gegen die gut gestaffelt stehenden und kampfstarken Bremer mal durchzukommen. Ein Distanzschuss von Danny Latza, der später mit Verdacht auf Unterarmbruch ausgewechselt werden musste, war zunächst die einzige halbwegs gefährliche Aktion (5.). Werder brachte in der Offensive noch weniger zustande, spielte Einzelkämpfer Ujah oft hoch oder halbhoch an und kam fast gar nicht in den Mainzer Strafraum. Vieles blieb bei beiden Mannschaften Stückwerk.

Ein zähes Spiel – bis Werder mal Gas gab und prompt in Führung ging. Nach einer Linksflanke von Garcia fälschte Balogun den Ball mit dem Kopf leicht ab, Keeper Loris Karius kam nicht dran – und in der Mitte machte sich Ujah ganz lang und nickte ein. Es war das erste Werder-Tor nach quälend langen 379 Minuten. Doch aus Ujah, der sich zuletzt im Formtief befand und satte 488 Minuten nicht getroffen hatte, brach es nicht heraus. Der Nigerianer jubelte kaum und lief stattdessen direkt zur Ersatzbank. Dort fiel er Skripnik in die Arme und drückte seinen Coach ganz fest – eine tolle Geste. Fand auch Skripnik: „Sehr angenehm, dafür bin ich dankbar.“ Ujah fand es nur logisch, zuerst zum Trainer zu rennen: „Auch in der schweren Zeit war er sehr wichtig für uns, hat uns viel geholfen.“

Werder gewinnt 3:1 in Mainz

Das 1:0 gab Werder Sicherheit, doch die Bremer ruhten sich nicht auf ihrem knappen Vorsprung aus. Sie bewiesen eine erstaunliche Effizienz und legten flott nach. Wieder flankte Santiago Garcia von links – und Ujah traf aus kurzer Distanz volley mit links zum 2:0 (44.). Ein Klasse-Treffer in typischer Torjäger-Manier. Kurz vor der Pause war dann plötzlich der etwas überraschend aufgebotene Florian Grillitsch frei. Querpass auf Fin Bartels, der Sekunden vor dem Pausenpfif sogar noch das 3:0 schoss (45.+ 2). „Wir waren eiskalt“, lobte Kapitän Clemens Fritz.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit bäumte sich Mainz noch mal auf und hatte ein paar gute Offensivaktionen, doch Werder fand seine Ordnung schnell wieder und verteidigte die Führung diszipliniert.

Erst in der Schlussminute kam Mainz zum Ehrentreffer. Nach Vorarbeit von Pablo De Blasis erzielte Yoshinori Muto das 1:3 (90.), was Felix Wiedwald mächtig auf die Palme brachte. Der Werder-Keeper hätte so gerne zum ersten Mal in dieser Saison zu Null gespielt. Es war allerdings der einzige Wermutstropfen, ansonsten gab es nur Komplimente. Auch von Eichin: „In Mainz zu spielen, ist immer schwierig. Wir haben es geschickt gemacht und waren bereit. Siege nehmen den Druck, das ist doch klar.“

Werder kann nun etwas beruhigter die nächste Aufgabe angehen. Am Mittwoch empfangen die Bremer in der zweiten DFB-Pokalrunde den 1. FC Köln.

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