DFB ermittelt gegen Junuzovic und Fritz

Taktisches Gelb – hat sich Werder selbst ausgetrickst?

So schön sein Babyjubel auch war: Danach hätte Zlatko Junuzovic besser geschwiegen. Mit seiner Ehrlichkeit hat er Steine ins Rollen gebracht, die besser an ihrem Platz geblieben wären.
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So schön sein Babyjubel auch war: Danach hätte Zlatko Junuzovic besser geschwiegen. Mit seiner Ehrlichkeit hat er Steine ins Rollen gebracht, die besser an ihrem Platz geblieben wären.

Bremen - Wie viel Trickserei ist legitim? Wie viel Ehrlichkeit verträgt der Fußball? Es sind zwei Fragen, die in unterschiedliche Richtungen zielen, die aber doch zusammengehören.

Sie vereinen sich bei Werder-Profi Zlatko Junuzovic, der am Samstag erst getrickst und das dann grundehrlich zugegeben hatte. Möglicherweise wird er dafür nun vom Deutschen Fußball-Bund bestraft. Der Kontrollausschuss wird heute Ermittlungen gegen ihn wegen unsportlichen Verhaltens aufnehmen. Das bestätigte der Verband gestern Abend. Auch Clemens Fritz muss eine zusätzliche Sperre befürchten. Er hatte sich seine zehnte Gelbe Karte eingehandelt, anders als der Kollege aber keine Absicht eingeräumt.

Junuzovic hatte das gemacht, was vier Wochen zuvor gleich fünf Profis von Darmstadt 98 par excellence vorgeführt hatten. Er holte sich vor dem Gastspiel bei Bayern München seine fünfte Gelbe Karte ab und fehlt nun im – für Werder mit wenig Erfolgsaussichten verbundenen – Match gegen den Spitzenreiter. Was die Fälle aber unterscheidet: Die Darmstädter leugneten jegliche Absicht, Junuzovic räumte dagegen ein, seine Verwarnung provoziert zu haben. „Es ist im Vorfeld darüber gesprochen worden, dass ich das eventuell machen soll“, sagte er. Mittels eines verzögerten Freistoßes zog er es dann durch. Die Art und Weise fand der Österreicher sogar ganz schön nett und clever: „Besser so, als wenn ich jemandem absichtlich weh getan hätte.“

In diesem Punkt kann man Junuzovic nicht widersprechen. Aber hätte er nicht besser um den heißen Brei herumgeredet? So wie Clemens Fritz. Der hatte seinen gelbwürdigen Klammergriff gegen Hannovers Kenan Karaman als normales Foul hingestellt. Absicht? Darmstädter Trick? „Natürlich nicht“, sagte er – und grinste dabei.

Unzufrieden ist er mit der Zwangspause am Wochenende sowieso nicht. Erstens, weil gegen Hannover der Oberschenkel zu zwicken begann. Zweitens, weil im Abstiegskampf seine Anwesenheit in anderen Partien wichtiger ist als in München. Fritz: „Wir haben noch viele wichtige und entscheidende Spiele vor uns, da werden alle gebraucht.“ Motto: Gegen die Bayern kann Werder auch ohne ihn verlieren. Und ohne Zlatko Junuzovic.

Weil der DFB darin ein System sieht, wird nun ermittelt. Was er sicher nicht machen würde, wenn der nächste Bremer Gegner nicht Bayern München heißen würde, wenn es die Vorgeschichte mit dem Darmstadt-Fünferpack nicht gegeben hätte und wenn Junuzovic einfach gelogen hätte. „Ehrlichkeit“, beklagte sich Werder-Geschäftsführer Thomas Eichin, „zählt leider nicht viel“.

Als Ehrlichkeitsoffensive etikettierte auch Werder-Trainer Viktor Skripnik seine Beiträge zum Thema. Von einem Plan, einem System oder einer Verabredung zum Rendezvous mit der Gelben Karte könne nicht die Rede sein, beteuerte er: „Glauben Sie mir, dass der Trainerstab nichts davon wusste. Ich bin enttäuscht, dass wir zwei Leistungsträger in München nicht dabei haben.“ Junuzovics Gelbe Karte sei „eine Dummheit“ gewesen. Und die Aussage, es sei im Vorfeld über taktische Gelbe Karten gesprochen worden, mache ihn „echt sauer“, sagte der Ukrainer: „Es ist unnötig, dass ein Spieler selbst entscheidet, wann er sich eine Gelbe Karte einhandelt.“ Auch Eichin erklärte, dass „weder die Geschäftsführung noch Viktor Skripnik ihn (Junuzovic) dazu angehalten haben, sich Gelb abzuholen“.

Aber stimmt das auch alles? Oder greifen Skripnik und Eichin nur zu Notlügen, um den Schaden möglichst klein zu halten? Eine Szene kurz vor dem Gelb-Foul von Clemens Fritz, lässt eben diese Vermutung zu. Nur knapp zwei Minuten vor der Aktion war Fritz zu einem Gespräch mit Viktor Skripnik an die Seitenlinie geeilt. Im Kontext erscheint das doch sehr verdächtig. Und vieles daran erinnert an den Fall Frank Ordenewitz vor 25 Jahren. Damals hatte sich der Spieler selbst ausgetrickst. Das gilt nun wohl auch für Fritz und Junuzovic. Allerdings hat Werder bereits angedeutet, gegen etwaige Strafen vorzugehen.

Lesen Sie auch: Der Fall Ordenewitz als Mahnmalcsa/kni

Werder-Noten zum Hannover-Spiel

Werder Bremen Einzelkritik, Hannover
Felix Wiedwald: Wieder nicht zu null – und das, obwohl ihn Hannover kaum vor ernsthafte Prüfungen gestellt hatte. Das Gegentor ging klar auf die Kappe seiner Vorderleute. Note 3 © nordphoto
Werder Bremen Einzelkritik, Hannover
Theodor Gebre Selassie: Welch ein Tag für den Tschechen! Phantastisch, wie er den Ball aus halbrechter Position ins lange Eck jagte. So entschlossen erlebt man ihn nur selten. Ob es sein schönstes Tor für Werder war? „Ja – und ein ganz wichtiges dazu“, sagte der Rechtsverteidiger. Es war das 3:1 für Werder. Wenig später legte „Theo“ noch das 4:1 auf. Note 2 © nordphoto
Werder Bremen Einzelkritik, Hannover
Jannik Vestergaard: Dass er als Innenverteidiger in 90 Minuten nur acht Zweikämpfe führen musste (und sechs gewann), sagt viel über die Harmlosigkeit der Hannoveraner aus. Vestergaard spielte gut, ohne ans eigene Limit gehen zu müssen. Note 2,5 © nordphoto
Werder Bremen Einzelkritik, Hannover
Papy Djilobodji: Mit einem starken Pass auf die linke Seite zu Santiago Garcia war Djilobodji so etwas wie der Geburtshelfer des 1:0. Aber dann: Unsicherheiten, Nachlässigkeiten, Konzentrationsfehler. Den Mut, nach vorne zu gehen, verlor er dennoch nie. Note 3,5 © nordphoto
Werder Bremen Einzelkritik, Hannover
Santiago Garcia (bis 86.): Er leitete den Führungstreffer ein, auch wenn die Vorlage für Bartels letztlich nicht von ihm, sondern vom grätschenden Sakai kam. Phasenweise auf der linken Seite sehr agil, aber auch mit Pausen. Note 3 © nordphoto
Werder Bremen Einzelkritik, Hannover
Florian Grillitsch: Wie in Leverkusen agierte er als einziger „Sechser“ und machte seine Sache sehr ordentlich. Rückte nach der Fritz-Auswechslung vor ins Vierer-Mittelfeld. Grillitsch hätte noch das 5:1 machen müssen, zielte aber knapp daneben (82.). Note 2,5 © nordphoto
Werder Bremen Einzelkritik, Hannover
Levin Öztunali (bis 82.): Ob aus ihm noch mal ein Torjäger wird? Öztunali vergab seine erste Chance (7.) und scheute in einer ähnlichen Szene den Abschluss. Das muss besser werden. Der 19-Jährige mit dem großen Talent begann sehr auffällig, tauchte dann aber im Mittelmaß ab. Note 3,5 © nordphoto
Werder Bremen Einzelkritik, Hannover
Clemens Fritz (bis 72.): Ungewöhnlich für den Kapitän: Er gewann – laut Match-Statistik – nur jeden dritten Zweikampf. Gefühlt war er aber wieder einer der Fleißigsten im Team. Note 3 © nordphoto
Werder Bremen Einzelkritik, Hannover
Zlatko Junuzovic: Umtriebig war er. Hier ein Freistoß, dort eine Ecke, das gekonnte Direktspiel vor dem 1:0 und als Krönung der Treffer zum 4:1. Es war sein erstes Tor seit seinem Doppelpack am vierten Spieltag in Hoffenheim. Note 2 © nordphoto
Werder Bremen Einzelkritik, Hannover
Fin Bartels: Schütze des 1:0 in Leverkusen, Schütze des 1:0 auch gegen Hannover – so kann es weitergehen für Bartels. Note 2,5 © nordphoto
Werder Bremen Einzelkritik, Hannover
Claudio Pizarro: Was soll man noch sagen über das Pizarro-Phänomen? Er kann auf dem Platz noch alles und zeigt es auch. Ein Tor – sein 100. für Werder – und eine Vorlage gingen auf sein Konto. Note 2 © nordphoto
Werder Bremen Einzelkritik, Hannover
Milos Veljkovic (ab 72.): Besetzte die Position im defensiven Mittelfeld und ließ sich nichts zu Schulden kommen. Note - © nordphoto
Werder Bremen Einzelkritik, Hannover
Melvyn Lorenzen (ab 82.): Erster Rückrundeneinsatz für den Stürmer. Note - © nordphoto
Werder Bremen Einzelkritik, Hannover
Ulisses Garcia (ab 86.): Bundesliga-Comeback nach Knieproblemen. Note - © nordphoto

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