Taktikfanatiker Robin Dutt kennt sich mit Umbrüchen aus

Der Entwicklungs-Experte

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Kennen sich gut: Robin Dutt (l.) und Jürgen Klopp.

Bremen - Glaubt man den nackten Zahlen, ist Robin Dutt ein besserer Trainer als Jürgen Klopp. Im Juni 2005 legten die beiden an der Kölner Hennes-Weisweiler-Akademie gemeinsam die Abschlussprüfung zum Fußballlehrer ab. Jahrgangsbester war nicht etwa der zweifache Dortmunder Meistermacher, sondern Werders neuer Coach – mit einer Note von 1,4.

Anders als Klopp konnte Dutt nicht auf Erfahrungen aus einer Profilaufbahn zurückgreifen. Der 48-Jährige war als aktiver Fußballer arg limitiert, kam nie über die Amateurklassen hinaus. Vor allem, weil ihm als Stürmer die Schnelligkeit fehlte. Das hat er selbst gestanden. „Ein guter Trainer muss aber kein guter Spieler gewesen sein. Genauso wenig wie ein guter Jockey ein Pferd gewesen sein muss“, hat der italienische Erfolgscoach Arrigo Sacchi mal geurteilt. Und diese These stützt Dutt in perfekter Art und Weise.

Die große Karriere machte der Sohn eines Inders und einer Deutschen erst als Trainer. Mit enormem Fleiß und frischen Ideen hat sich Dutt einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Mannschaften, die er anleitet, beherrschen unterschiedliche Systeme wie 4:2:3:1 oder 4:1:4:1 nach einer gewissen Zeit wie im Schlaf und sind wegen ihrer Variabilität extrem schwer ausrechenbar. Damit seine Vorstellungen möglichst flott und exakt umgesetzt werden, legt Dutt sehr großen Wert auf Disziplin. Er ist fordernd und streng im Umgang mit seinen Spielern – aber: Er stellt sie gegenüber Medienvertretern, denen er selbst meistens sehr reserviert gegenübertritt, nie an den Pranger und hat mal erklärt: „Jeder, der ein Team führt, weiß, dass öffentliche Kritik nur das Vertrauensverhältnis zerstört. Haue ich meine Mannschaft in die Pfanne, sieht es so aus, als wolle ich mich aus der Verantwortung nehmen.“

Mit dieser Linie hatte Dutt bei den Stuttgarter Kickers und anschließend dem SC Freiburg großen Erfolg. Wie jetzt bei Werder fand er auch dort Teams vor, die mitten im Umbruch waren und denen der Entwicklungs-Experte seine Idealvorstellungen mit schnellem Umschalten und ständigen Positionsrochaden eintrichterte. In Leverkusen hatte er es dann mit einer eingespielten Truppe mit gestandenen Stars wie Michael Ballack zu tun – und scheiterte.

Frank Wormuth, Leiter der nationalen Fußballlehrerausbildung, hat den ehrgeizigen Taktikfanatiker in der „Badischen Zeitung“ mal in eine Reihe mit Joachim Löw, Jürgen Klopp, Thomas Tuchel und Mirko Slomka gestellt: „Das sind akribische Perfektionisten, die in großen Zeiträumen denken, Bescheidenheit kommunizieren, Nachhaltigkeit fördern, sich über Inhalte definieren und eine hohe Sprach- und Sozialkompetenz aufweisen.“ Typen wie Dutt sind für Wormuth so genannte „Konzepttrainer“, „keine Alleinherrscher, sondern Teamplayer mit eigener Persönlichkeit“, mit denen man stundenlang und bis ins klitzekleinste Detail über Fußball philosophieren kann.

Geht’s um andere Themen, ist Dutt längst nicht so gesprächig. Sein Privatleben schottet der in Köln geborene und noch in Stuttgart-Leonberg wohnende Coach weitgehend ab. Bekannt ist, dass er gelernter Industriekaufmann ist, einen Sohn hat, seine Frau Daniela einen Friseurbetrieb in Stuttgart führt, er gerne Golf spielt und dunkle Kleidung trägt – und bald die Werder-Raute. · gt

Robin Dutt soll der neue Trainer werden

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