„Ruhe“ für Bremen

Endspurt im Existenzkampf mit Rückenwind für Werder

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Bei aller Freude über sein Tor vom Sonntag sagt Franco Di Santo: „Wir müssen noch viel tun.“ 

Bremen - Noch sechs Spiele. Noch 540 Minuten zwischen Jubel und Jammer, Wohl und Wehe: Spätestens jetzt, im Endspurt der Bundesliga, kramen die Verantwortlichen der abstiegsbedrohten Clubs die Rechenschieber raus.

Auch Werder-Trainer Robin Dutt, der bisher ja regelmäßig betont hatte, den Tabellenstand nicht als Maßstab seiner Arbeit mit der Mannschaft zu nehmen. Doch jetzt kalkuliert er so: „Wenn wir nur vom Klassenerhalt sprechen, reichen vermutlich 35 Punkte.“ Werder hat momentan 32 – und mit Blick auf die vergangenen fünf Jahre könnte das für den Tabellenzwölften schon reichen.

Denn in vier Spielzeiten dieses Zeitraums hätten 32 Zähler am Ende bereits für einen Platz vor den letzten drei Teams gereicht. Bremens aktueller Abstand auf Platz 16 beläuft sich auf acht Punkte – das erscheint ziemlich komfortabel. Auch deshalb, weil der VfB Stuttgart als 16. und der HSV als Vorletzter ein ähnlich hartes Restprogramm haben wie die Grün-Weißen (siehe Extra-Block).

Doch ein anderer Aspekt dieser Fünf-Jahres-Statistik sollte Warnung genug sein: Immerhin drei Clubs, die von 2009 bis 2013 nach jeweils 28 Spieltagen noch auf einem der beiden Abstiegsränge gestanden hatten, retteten sich am Ende doch noch: Hoffenheim im Vorjahr und Mönchengladbach 2011 jeweils über die Relegation, Hannover 96 im Jahr 2010 von Platz 17 auf Position 15. Grund genug also für Werder-Kapitän Clemens Fritz, seine Mannschaft zu ermahnen: „Es ist immer noch eng. Wir dürfen uns auf diesem Polster nicht ausruhen, sondern müssen es ausbauen. Wir haben noch ein schwieriges Restprogramm vor uns.“

Und das beginnt schon am Samstag, wenn der Tabellendritte Schalke 04 ins Weserstadion kommt. Dem stets bestens gelaunten Franco Di Santo bereitet dies allerdings keine Sorgen: „Klar, das ist eine großartige Mannschaft – aber Leverkusen war auch Zweiter, als wir hier gegen sie gewonnen haben“, erinnert der Stürmer an das letzte Spiel der Hinrunde: „Wir sind ein Team mit Mentalität. Wenn wir als Gruppe weiter so auftreten, sind wir bald gerettet.“ Jüngstes Beispiel der guten Moral: Werders 2:1-Siegtor am Sonntag gegen Hannover in der Schlussminute. „Wir haben uns das Glück erzwungen“, meinte Mittelfeldspieler Zlatko Junuzovic.

Auch Dutt erkannte zuletzt, dass „die Jungs mental sehr stabil sind“. Und Torwart Raphael Wolf nannte einen weiteren Vorteil, den Werder im Abstiegskampf stark macht: das Umfeld. „Es macht schon viel aus, dass wir im Verein ziemlich viel Ruhe haben. Das gibt uns Spielern Sicherheit“, schildert der Schlussmann: „Unsere Situation ist nicht einfach – aber alle stehen hinter uns: in der Geschäftsstelle, in der ganzen Stadt. Man bekommt ja einiges von anderen Mannschaften mit, da ist das nicht so selbstverständlich“, erinnerte er etwa ans wochenlange Chaos beim HSV und die Bus-Blockade durch 96-Fans am Sonntagabend vor der HDI-Arena. „Aber bei uns stimmt es intern. Wir können gut weiterarbeiten.“

Arbeit – das Wort fällt häufiger in diesen Tagen des Werder-Endspurts: „Wir müssen weiter jeden Tag im Training hart am Produkt arbeiten“, hatte Sportchef Thomas Eichin schon am Sonntag, unmittelbar nach dem 2:1-Sieg über Hannover, gefordert. Franco Di Santo scheint es verstanden zu haben und denkt nach seinem Tor zum zwischenzeitlichen 1:1: „Ich persönlich und jeder von uns müssen weiter viel tun, um uns zu entwickeln. Und ich denke, ich kann es noch besser.“

Ob der 24-Jährige das aber schon gegen Schalke unter Beweis stellen darf, lässt Dutt offen: „Ob wir jetzt wieder in dieser Art spielen, wird sich zeigen. Ich weiß nicht, ob wir mehr riskieren können als in Hannover mit zwei Stürmern und einem Zehner“, gab der 49-Jährige zu bedenken: „Mehr ging fast nicht.“ · ck

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