Familie geht vor

Als die Endorphine wichen, bekam Werder die Absage

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Marc Kosicke wollte nicht mehr länger rumeiern und sagte Werder ab.

Bremen - Gegen Tom und Piet hatte Werder Bremen am Ende keine Chance. Marc Kosicke hat sich für ein geregeltes Familienleben mit seinen kleinen Söhnen und gegen den Geschäftsführer-Posten bei dem Fußball-Bundesligisten entschieden.

Gestern Nachmittag verbreitete Werder die Meldung, dass die zunächst so aussichtsreichen Gespräche mit dem 41 Jahre alten Trainer-Berater beendet sind. „Es hat sich gezeigt, dass eine Zusammenarbeit nicht zu realisieren war“, teilte der Bremer Aufsichtsratsvorsitzende Willi Lemke mit. Für ihn ist es bereits die zweite Absage. Zuvor hatte auch Dietmar Beiersdorfer Nein zu Werder gesagt.

Zweimal danebengelangt – was nun, Werder? Einen Monat nach dem Abgang von Klaus Allofs (zum VfL Wolfsburg) stehen die Bremer immer noch ohne eine Nachfolgeregelung dar. Und jeder Kandidat, mit dem jetzt gesprochen wird, muss sich als dritte Wahl fühlen. Die von Lemke und seinem Aufsichtsrat „mit Hochdruck“ betriebene Suche gestaltet sich deshalb immer schwieriger. Doch nach außen wird Zuversicht signalisiert. „Das wirft uns nicht zurück“, behauptete Aufsichtsratsmitglied Marco Bode. Und der UN-Sonderbauftragte Lemke, der sich aktuell im Auftrag der Vereinten Nationen in Nordkorea aufhält, beteuert in einer Pressemitteilung: „Wir werden mit der gebotenen Sorgfalt die vorliegenden Personalalternativen zur Besetzung der Geschäftsführerstelle Sport prüfen und alles daran setzen, so zügig wie möglich eine Entscheidung herbeizuführen.“

Vorliegende Alternativen – wer mag sich dahinter verbergen? Namen kursieren derzeit nicht. Und es muss angenommen werden, dass Werder das selbstgesteckte Ziel, den Manager-Posten bis zum Beginn der Transferperiode am 1. Januar neu besetzt zu haben, verfehlen wird.

Auf Marc Kosicke und dessen Zusage haben die Bremer lange gewartet – und sich währenddessen intern so sortiert, dass der Club handlungsfähig ist. „Das Tagesgeschäft steht durch die klare Aufgabenteilung zwischen der Geschäftsführung, Trainer Thomas Schaaf und Frank Baumann auf sicheren Beinen“, so Lemke.

Aber einer fehlt eben immer noch: der Manager, das neue Werder-Gesicht. Marc Kosicke, der aus Bremen-Lesum stammende Sport-Manager, wäre es grundsätzlich gerne geworden. „Eine Herzensangelegenheit“ wäre es gewesen, sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung: „Als Bremer Junge war ich am Anfang der Gespräche natürlich voller Endorphine, die mussten erstmal raus aus dem Körper.“ Danach zeigte sich: Die noch größere Herzensangelegenheit ist eben die Familie. Seine beiden Söhne – der eine drei Jahre alt, der andere acht Monate – sowie Ehefrau Yvonne Ransbach, eine ZDF-Moderatorin. Zusammen leben alle in Eltville nahe Wiesbaden, das private und berufliche Leben ist geregelt. „Die Work-Life-Balance stimmt, die wollte ich nicht durcheinanderbringen“, erklärte Kosicke. Seine „gut gehende“ Agentur „Projekt B“, zu deren prominenten Kunden Jürgen Klopp und Bruno Labbadia gehören, aufgeben zu müssen, war der zweite Grund, weshalb Werder einen Korb bekam. „Am Angebot oder den handelnden Personen lag es nicht“, erklärte Kosicke. Sondern an dem, was sein Leben ist: „Für Werder wäre ich geschätzt 40 Wochenenden im Jahr unterwegs gewesen, das lässt sich mit unserem Familienkonzept nicht vereinbaren.“

Dennoch hat er lange über die „lebensverändernde Entscheidung“ nachgedacht. Doch weil die Zweifel blieben, fiel sie letztlich schlecht für Werder Bremen aus. „Es war ein Hin und Her – was spricht dafür, was dagegen“, schilderte Kosicke den Zwiespalt: „Wenn man aber merkt, dass das, was dagegen spricht, nicht weniger wird, sollte man nicht mehr rum-eiern, sondern entscheiden.“ · csa

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