Philipp Bargfrede hat sein Selbstvertrauen wieder / Was fehlt, ist das erste Tor

Als „Einzel-Sechs“ zurück zur Konstanz

Philipp Bargfrede (rechts, hier gegen HSV-Stürmer Paolo Guerrero) in seinem Element: Der 22-Jährige überzeugt als zweikampfstarker Abräumer – in der Offensive muss sich Werders „Sechser“ allerdings noch steigern.

Von Malte Rehnert - Da fehlt er ein Mal (in Leverkusen wegen einer Hüftprellung) – und schon kassiert Werder die einzige Niederlage in dieser Bundesliga-Saison. Doch Philipp Bargfrede ist weit davon entfernt, diesem Fakt irgendeine Bedeutung beizumessen.

„Das hat doch damit nichts zu tun, das ist doch Zufall“, meint der 22-jährige Mittelfeldmann. So ist er eben, sehr besonnen und bescheiden.

Auf dem Feld hingegen sieht’s anders aus. Da überzeugt Bargfrede im defensiven Mittelfeld als lauf- und zweikampfstarker Abräumer. Der Mann mit der Nummer 44 hat endlich seine lange vermisste Souveränität und Konstanz wiedergefunden. In der vergangenen Saison brachte er es in dieser Zeitung bei 28 Einsätzen auf eine Durchschnittsnote von 3,77, nach fünf Partien der aktuellen Spielzeit steht eine 3,1. „In meinem ersten Jahr bei den Profis war alles super, im vergangenen dann alles schwerer. Das Selbstvertrauen hat gefehlt – das war auch für mich eine neue Situation“, gesteht er. Der knallharte Abstiegskampf habe aber auch einen positiven Aspekt gehabt. „Die letzte Saison hat uns zusammengeschweißt, durch die schlechten Erfahrungen sind wir enger zusammengerückt. Jeder weiß jetzt: Wenn er nicht zu 100 Prozent da ist, geht es ganz schnell nach unten. Das war hilfreich, das hat uns vorangebracht“, urteilt Bargfrede.

Nach dem Super-Start mit 13 Punkten aus sechs Spielen und Platz zwei ist nun beim 22-Jährigen „das Selbstvertrauen zurück“. Einerseits wegen des Erfolgs mit dem Team: „Wir treten wieder als richtige Mannschaft auf, das hat man in Nürnberg gesehen. Auch, wenn mal ‘was danebengeht, stehen wir zusammen.“ Andererseits wegen der eigenen guten Leistungen, die er als einziger „Sechser“ – sozusagen als „Einzel-Sechs“ – bringt. Ex-Kapitän Torsten Frings, der in der vergangenen Saison noch häufig an seiner Seite im defensiven Mittelfeld aufräumte, ist nicht mehr da, die „Doppel-Sechs“ bei Werder aktuell kein Thema. Stattdessen vertraut Trainer Thomas Schaaf der altbewährten Raute – und Barg-frede, der sich als „Bindeglied zwischen Offensive und Defensive“ sieht, findet’s gut: „Ich spiele jetzt etwas zentraler. Es macht auf jeden Fall viel Spaß.“

Allerdings gebietet es sein sportlicher Ehrgeiz, sich nicht auf ein paar ordentlichen Spielen auszuruhen: „Ich erwarte insgesamt noch mehr von mir.“ Vor allem in der Offensive, vor allem vor dem gegnerischen Tor. In 56 Bundesligaspielen ist ihm noch kein einziger Treffer gelungen. „Ach ja“, seufzt Bargfrede: „Natürlich hoffe ich, dass es bald klappt. Und wenn der Knoten erst mal platzt, läuft es von alleine. Ich versuche, mich noch mehr einzuschalten.“

Seine Rolle als fleißiger, häufig unauffälliger Arbeiter im Mittelfeld und sein zurückhaltendes Auftreten abseits des Platzes tragen erheblich dazu bei, dass Bargfrede bei Werder nur ganz selten ins Rampenlicht gerät. „Das ist aber kein Problem“, versichert er, „ich muss nicht jeden Tag in der Zeitung stehen.“ Überbordende Emotionen sind von ihm fast nie zu sehen, doch Bargfrede betont: „Es gibt schon einige Dinge, bei denen ich ausrasten kann – aber die bleiben geheim.“ Immerhin gibt er noch zu, dass er höchst ungerne im Stau steht: „Das gehört zu den Sachen, wo ich schon mal aus der Haut fahren kann.“

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