Werders Bargfrede und Nürnbergs Diekmeier – erst Gegner, dann Teamkollegen und heute wieder Kontrahenten

Wie einst in der E-Jugend

Philipp Bargfrede

Bremen - Von Björn Knips · „Wir waren immer die Besseren“, sagt Dennis Diekmeier und lacht. Es macht ihm hörbar Spaß, einen guten Kumpel zu ärgern. Die kleine Stichelei gilt Philipp Bargfrede, den er seit der E-Jugend kennt.

„Ich habe beim TSV Verden gespielt, er beim TuS Heeslingen – und jetzt mal ehrlich: Es waren damals ganz knappe Duelle“, erinnert sich Diekmeier. Aus den Gegnern wurden kurze Zeit später Teamkollegen. Beide versuchten ihr Glück beim nur wenige Kilometer entfernten SV Werder, aber lediglich Bargfrede fand es dort auch. Diekmeier zog es fort nach Nürnberg. Heute kehrt der 20-Jährige zurück – als Bundesliga-Profi. Und damit kommt er etwas später als Bargfrede zur ersehnten Premiere im Weserstadion.

„Ein bisschen komisch ist das schon. Früher habe ich immer zu meinem Vater gesagt: In diesem Stadion will ich mal spielen. Und ich bin davon ausgegangen, dass das im Werder-Trikot passieren wird“, berichtet Diekmeier und gesteht: „Natürlich ist das heute etwas ganz Besonderes für mich.“ 20 Tickets hat der Rechtsverteidiger für Familie und Freunde organisiert. Nicht über Werder, sondern über seinen neuen Club. Der Kontakt nach Bremen ist weitgehend abgerissen. Vielleicht liegt’s auch an seinem nicht ganz harmonischen Abschied Anfang 2009. Der Bundesligist hätte das große Talent gerne gehalten, doch der U 19-Europameister sah beim damaligen Zweitligisten bessere Entwicklungschancen.

Dennis Diekmeier

„Für ihn war das sicher keine falsche Entscheidung. Für uns ist die Welt aber auch nicht untergegangen“, behauptet Klaus Allofs heute. Doch den Werder-Boss dürfte es schon wurmen, Diekmeier verloren zu haben. Denn der Rechtsverteidiger ist im Frankenland voll durchgestartet und auf dem Transfermarkt heiß begehrt. Im Winter wollte ihn der VfL Wolfsburg unbedingt verpflichten. „Aber ich durfte nicht weg, weil Nürnberg keinen Nachfolger für mich gefunden hat“, berichtet Diekmeier. Sauer ist er deshalb nicht: „Ich fühle mich in Nürnberg sehr wohl, deshalb war’s kein Problem zu bleiben. Aber es war auch ein schönes Gefühl, plötzlich einen Marktwert von fünf Millionen Euro zu haben.“ So viel hatte Wolfsburg als Ablösesumme geboten. Im Sommer geht der Poker um Diekmeier in die nächste Runde. „Ich habe einen Vertrag bis 2012“, weicht der 20-Jährige bei diesem Thema zunächst aus, gibt aber dann zumindest noch zu: „Es sind recht viele Vereine interessiert.“ Werder allerdings nicht. Allofs und Diekmeier finden dafür fast dieselben Worte: „Das ist momentan kein Thema.“

Also wird es heute bei einer Stippvisite von Diekmeier im Weserstadion bleiben – eine erfolgreiche, wie er hofft: „Wir wollen schon etwas mitnehmen, denn wir brauchen jeden Punkt im Abstiegskampf. Und Werder hat die Qualifikation für die Europa League doch schon in der Tasche.“

Nur reicht das den Bremern nicht. Die wollen noch in die Champions League, und deshalb sagt Bargfrede: „Sorry Dennis, wir können dir nichts schenken. Den Abstieg musst du schon selbst verhindern.“ Dabei hat der 21-Jährige noch einen Tipp für seinen Kumpel: „Dennis sollte es etwas ruhiger angehen lassen als im Hinspiel. Da musste er etwas früh raus . . .“ Nach nur 36 Minuten war die Partie für Diekmeier wegen akuter Gelb-Rot-Gefahr beendet. „Das passiert mir nicht wieder“, verspricht der Nürnberger. Auf Bargfrede traf er Ende Oktober nur selten, „viel zu selten“, wie er sagt: „Ich hätte schon Spaß daran, mich mit ihm zu messen.“ Fair natürlich, denn die gemeinsame Vergangenheit verbindet die beiden Jung-Profis, die erst in dieser Saison ihre Bundesliga-Premiere gefeiert haben. „Es ist doch toll, dass wir das geschafft haben. Wer hätte das in der E-Jugend schon gedacht?“, meint Diekmeier, der bislang 24 Mal in der Bundesliga zum Einsatz kam. Und Bargfrede (16 Einsätze) stellt etwas wehmütig fest: „Schade, dass Dennis nicht in Bremen geblieben ist. “

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