Einspruch erfolgreich: Kein "Geisterspiel"

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Der FC St. Pauli muss kein Geisterspiel austragen. Doch das erste Heimspiel der neuen Saison wird mindestens 50 Kilometer vom Millerntor-Stadion entfernt ausgetragen.

Frankfurt/Main - Der Bundesligist FC St. Pauli hat mit seinem Einspruch gegen ein "Geisterspiel" Erfolg gehabt. Dennoch erhält der Kiezklub eine empfindliche Strafe, jedoch erst zur neuen Spielzeit.

Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) verurteilte den Verein am Donnerstag stattdessen, das erste Spiel der neuen Saison mindestens 50 Kilometer außerhalb Hamburgs auszutragen. Damit korrigierte das Gericht in Frankfurt/Main das Urteil aus erster Instanz, wonach der abstiegsbedrohte Club die Partie gegen Werder Bremen am Ostersamstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit hätte bestreiten müssen. St. Pauli nahm das Urteil ebenso wie der DFB-Kontrollausschuss an.

Zudem darf der Verein "nicht mehr als 12 500 eigene Fans zulassen", erklärte der Vorsitzende Richter Hans E. Lorenz nach der mündlichen Verhandlung in der DFB-Zentrale. Chefankläger Anton Nachreiner vom DFB-Kontrollausschuss hatte erneut ein "Geisterspiel" gefordert. Das Spiel gegen Schalke 04 am 1. April war in der 87. Minute abgebrochen worden, weil ein Pauli-Fan den Schiedsrichter-Assistenten Thorsten Schiffner mit einem geworfenen Bierbecher verletzt hatte. Die Begegnung war mit 2:0 für Schalke gewertet worden.

Wurfgeschosse in Stadien: Bierbecher, Sellerie, eine Katze und Dildos

St. Paulis Vizepräsident und Anwalt Gernot Stenger hatte schon vor dem Urteil den Gang vor das Bundesgericht angekündigt, falls es zu einem "Geisterspiel" in dieser Runde gekommen wäre. "Gegen ein Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit würden wir uns weiter wehren." Er kündigte auch an, dass der Verein 50 000 Euro für soziale Zwecke drauflegen würde, wenn es nur zu einer Geldstrafe kommen würde.

Da sich das Gericht laut Lorenz "nicht als Durchlauferhitzer" sehen wollte und befürchtete, dass Pauli angesichts der bedrohlichen sportlichen Lage auf Zeit spielt, schlug der Vorsitzende Richter nach der Zeugenvernehmung ein Gespräch der Parteien hinter verschlossenen Türen vor. Dort konnte aber kein Kompromiss gefunden werden.

St. Pauli und Werder begrüßen DFB-Urteil

St. Paulis Trainer Holger Stanislawski hat das Urteil des DFB-Sportgerichts begrüßt. "Überragend, ich habe großen Respekt vor der Entscheidung des DFB. Das nennt man Fairplay", sagte er am Donnerstagabend. "Wir sind sehr glücklich, dass wir in dieser Saison noch zwei Heimspiele vor unseren Fans austragen dürfen."

Auch Werder Bremen ist froh über die Entscheidung des Sportgerichts. Clubchef Klaus Allofs: "Unter sportlichen Aspekten ist es sicherlich die beste Lösung. Wir hätten ein Geisterspiel nicht als Vorteil angesehen", erklärte Allofs. "Es ist gut für die Fans, die nichts mit der Sache zu tun haben, dass sie nicht bestraft werden. Vor allem aber freuen wir uns darüber, dass uns unsere Anhänger in diesem wichtigen Spiel unterstützen können."

St. Pauli hatte Einspruch gegen die Einzelrichter-Entscheidung vom 8. April eingelegt. Stenger betonte, dass der Club nach wie vor "schockiert" von dem Vorfall ("ein Horror") sei und entschuldigte sich erneut bei Schiffner. Er bezeichnete aber eine "Geisterspiel"-Strafe als "zu hart" und sagte: "Diese Tat eines Einzelnen können wir nicht durch irgendeine Schutzmaßnahme verhindern." Ein Verdächtiger, den den Bierbecher geworfen haben soll, ist inzwischen ermittelt. Er soll unter erheblichem Alkoholeinfluss gestanden haben.

Schiedsrichter Deniz Aytekin (Altenberg) schilderte, wie es zu dem Spielabbruch gekommen war. Seine Assistenten Schiffner und Holger Henschel (Braunschweig) seien auch mit einem Feuerzeug und Münzen beworfen worden. Schiffner selbst schilderte, wie er "plötzlich und unerwartet einen heftigen Schlag ins Genick bekommen habe". Ein Arzt im Krankenhaus habe ihm später eine Prellung bescheinigt. "Ich hatte Glück im Unglück", sagte der Linienrichter aus Konstanz und sprach von Kopf- und Nackenschmerzen auch noch in den Tagen danach.

Das Einzelrichter-Urteil des DFB-Sportgerichts war mit mangelndem Schutz des Schiedsrichter-Assistenten begründet worden. Eine Partie ohne Anhänger-Unterstützung hätte den Club mit möglichen Einbußen von 587 000 Euro hart getroffen, wie Stenger ausführte. Das auf Abstiegsrang 17 abgestürzte Team braucht in den zwei ausstehenden Heimspielen gegen Bremen und Bayern München jegliche Unterstützung. Der Abstieg in die zweite Liga, so der Vereinsvizepräsident, würde Pauli 13 Millionen Euro kosten.

Nach Angaben des Vorsitzenden Richters Lorenz gab es in dieser Saison bereits 48 Fälle in der 1. und 46 in der 2. Liga, bei denen die Clubs wegen Fehlverhaltens ihrer Fans bestraft worden sind. Vier Vereinen wurde ein Spiel zumindest unter Teilausschluss der Fans angedroht. Auch der FC St. Pauli war bereits "vorbestraft".

dpa

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