Im Dezember 2004 erlebte Werder eine unvergessliche Fußball-Nacht / Jagdszenen und ein Tor-Held

Es war einmal in Valencia . . .

+
Fabian Ernst (Nr. 4) bekam in Valencia „einen Satz heiße Ohren“.

Bremen (flü) · Wenn Nelson Valdez an den 7. Dezember 2004 zurückdenkt, bekommt der junge Mann aus Paraguay noch immer glänzende Augen. „Dieser Abend“, sagt der heutige Stürmer von Borussia Dortmund, „war der schönste, den ich in meiner Karriere als Vereinsfußballer erlebt habe.“

Werder Bremen trat seinerzeit im Estadio Mestalla zum letzten Gruppenspiel der Champions League beim FC Valencia an. Ein Unentschieden reichte, um das Achtelfinale zu erreichen. Valdez wurde beim Stande von 0:0 in der 81. Minute eingewechselt – und schoss die Bremer mit zwei Toren innerhalb von zehn Minuten endgültig zur Glückseligkeit. „Ein geiles Gefühl“, jubelte Valdez damals, und auch jetzt schwärmt er noch: „So etwas erlebst du als Fußballer vielleicht einmal im Leben. Und als ich gehört hatte, dass Werder jetzt in der Europa League gegen Valencia spielt, sind die Erinnerungen bei mir gleich wieder hochgekommen.“

Es waren aber nicht nur Glücksgefühle, es waren auch die Erinnerungen an ein denkwürdiges Spiel, das nach dem Führungstor von Valdez fast völlig aus den Fugen geriet. Die Spanier entluden ihren Frust. Jagdszenen, Fußtritte, fliegende Fäuste auf dem Platz, zudem flogen reihenweise Gegenstände aufs Feld – nur der Erfahrung, Übersicht und dem energischen Durchgreifen des schwedischen Schiedsrichters Anders Frisk war es damals zu verdanken, dass die Partie nich völlig eskalierte.

Auslöser der Tumulte war eine Rote Karte gegen Valencias Angulo gewesen. Der hatte Valdez an der Außenlinie brutal umgesenst: „Ich weiß nicht, was in ihn gefahren war. Das ist bis heute das übelste Foul überhaupt an mir gewesen.“

Nach dem Platzverweis kochten die Emotionen über. Rudelbildung hier, Gerangel da. Fabian Ernst bekam nach eigener Aussage „einen Satz heiße Ohren“, Tim Borowski wurde bespuckt. „So etwas habe ich nie wieder erlebt“, sagt der Bremer Mittelfeldspieler, neben Petri Pasanen und Daniel Jensen der letzte noch aktive Augenzeuge im Bremer Dress.

Held in einem historischen Spiel: Nelson Valdez.

Dass bei dem Hexenkessel auch bei den Werder-Spielern die Emotionen überschwappten, war nicht verwunderlich, obwohl sich Werder-Sportchef Klaus Allofs damals etwas anderes gewünscht hatte: „Wir hätten uns nicht provozieren lassen dürfen.“ Doch das war angesichts des Hexenkessels leichter gesagt als getan. Borowski machte eine obszöne Geste in Richtung Valencia-Fans („Es war aber kein Stinkefinger“), nachdem er Valdez per Freistoß das 2:0 aufgelegt hatte. Wieder flogen Flaschen, Klopapierrollen und Feuerzeuge. „Sie wollten uns eben viele Geschenke überreichen“, schmunzelte Borowski, der aber später einräumte: „Da sind mir ein wenig die Emotionen durchgegangen.“ Dass er für seine Geste von Valencias Vicente fast niedergeschlagen wurde, hatte er im Eifer des Gefechts gar nicht mitgekommen . . .

„So ein Spiel vergisst du nicht“, sagt Borowski heute, „vor allem, weil wir eine Klassepartie hingelegt hatten. Schließlich war Valencia zu der Zeit in der Champions League zu Hause zwei Jahre ungeschlagen gewesen.“

Morgen gibt’s nun in der Europa League ein Wiedersehen der beiden Teams im Estadio Mestalla. Und auch späte Revanchegelüste der Spanier? „Davon gehe ich nicht aus, das ist sechs Jahre her“, sagt Borowski, „dennoch werden auch sie das Spiel sicherlich in Erinnerung haben. So oder so müssen wir uns auf ein heißes Duell einstellen.“

Mit kurzer Hose ins Büro? Zehn Outfit-Fails im Sommer

Mit kurzer Hose ins Büro? Zehn Outfit-Fails im Sommer

Viele Tote bei Bombenanschlag auf Popkonzert in Manchester

Viele Tote bei Bombenanschlag auf Popkonzert in Manchester

Bilder: Explosion bei Ariana-Grande-Konzert  - Mehrere Tote

Bilder: Explosion bei Ariana-Grande-Konzert  - Mehrere Tote

60 Jahre Fiat 500: Als das Dolce Vita über die Alpen kam

60 Jahre Fiat 500: Als das Dolce Vita über die Alpen kam

Meistgelesene Artikel

Delaney vor Dortmund: „Wir sind die Underdogs“

Delaney vor Dortmund: „Wir sind die Underdogs“

Sambou Yatabare vor dem Abflug

Sambou Yatabare vor dem Abflug

Rene Adler kein Thema für Werder

Rene Adler kein Thema für Werder

Eine Niederlage, aber keine krachende

Eine Niederlage, aber keine krachende

Kommentare