Fulham-Startelf hat kurz vorm Saisonauftakt Vorteile / Özil, Arnautovic und Marin müssen zittern

Einigen Stars droht die Bank

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Kapitän Torsten Frings (rechts) kommt immer besser in Fahrt, Philipp Bargfrede (links) hat eine starke Vorbereitung hingelegt – beide dürften im defensiven Bremer Mittelfeld gesetzt sein.

Bremen - Von Malte Rehnert· So ein Warnschuss kurz vor dem Pflichtspielstart kann auch hilfreich sein. Werder-Trainer Thomas Schaaf weiß spätestens seit dem 1:5 in Fulham, auf wen er sich im Pokal am Samstag in Ahlen und der folgenden Champions-League-Qualifikation gegen Sampdoria Genua voll verlassen kann – und auf wen (noch) nicht.

Die Spieler, die in der glänzenden ersten Hälfte im 4:4:2-System auf dem Platz standen, sind klar im Vorteil. „Sie haben es gut gemacht, sind feste Größen. Das weiß der Trainer“, sagt Manager Klaus Allofs. Diejenigen, die im letzten und anspruchvollsten Test reinkamen, haben hingegen schlechte Karten – und dazu gehören Mesut Özil, Marko Marin und Marko Arnautovic. „Sie haben aber in den nächsten Tagen noch die Möglichkeit, sich zu zeigen“, betont Allofs. Vertraut Schaaf der Fulham-Startelf – oder riskiert er den Einsatz von Spielern, die noch Rückstand haben? Wie geht Werder die wichtigen ersten Spiele an – eine Prognose:

Torwart

Tim Wiese stieg nach seinem WM-Urlaub verspätet in die Vorbereitung ein, erlitt dann im Trainingslager in Bad Waltersdorf ein leichte Knieblessur und hat erst ein Testspiel absolviert. Dabei kassierte er in Fulham (1:5) gleich fünf Gegentore. Verschuldet hatte Wiese keines davon, aber er glänzte im komplett schwarzen Dress (nur die Trikotärmel zierten ein paar graue Streifen) auch nicht gerade. Bei einer Rettungsaktion außerhalb des Strafraums schoss er den Ball direkt zu Zoltan Gera, der aus etwa 35 Metern zum 4:1 ins leere Tor traf. Kein richtig grober Fehler, aber unglücklich. Manager Klaus Allofs stellte hinterher treffend fest: „Tim braucht noch Spielpraxis.“ Die wird er bei Werder höchstens im Training bekommen – und das auch erst ab Donnerstag, wenn er von der Nationalmannschaft zurückkehrt.

Sebastian Mielitz, die aktuelle Nummer zwei für den verletzten Christian Vander, hat wesentlich mehr Minuten gesammelt und in den Tests einen guten Eindruck hinterlassen. Trotzdem: Wiese ist ganz klar der „Platzhirsch“, wird schnell wieder bei 100 Prozent sein und im Tor stehen.

Abwehr

Wie Wiese gab auch Nationalverteidiger Per Mertesacker in Fulham sein Testspiel-Debüt – ein gutes. Nebenmann Sebastian Prödl und er harmonierten, ließen in der ersten Halbzeit nur eine Fulham-Chance zu und bekamen – auch für ihre starke Spieleröffnung – ein Sonderlob von Trainer Thomas Schaaf. „Ich muss ja als Verteidiger auch nicht so viel laufen“, scherzte „Merte“ beim „Tag der Fans“. Allofs glaubt, „dass es Per nicht schwer fallen wird, mit der verkürzten Vorbereitung klarzukommen“.

Wie wichtig Per Mertesacker (rechts) für die Werder-Abwehr ist, war in Fulham besonders gut zu sehen.

Als Mertesacker nach 56 Minuten den Platz verließ, stand’s 1:1. Für den 25-Jährigen kam Sebastian Boenisch, der sich hinten links einordnete. Petri Pasanen rückte in die Zentrale. Dass Werder dann unterging, lag sicher nicht nur am neuen Verteidigerpaar. Es zeigte aber, wie gut Mertesacker der Bremer Defensive als Stabilisator getan hatte. Weil sein sonstiger Abwehrpartner Naldo wegen hartnäckiger Knieprobleme bei weitem noch nicht fit ist, läuft’s auf die Kombination Mertesacker - Prödl in der Mitte hinaus.

Hinten rechts ist die Situation sonnenklar. Clemens Fritz hat dort keine Konkurrenz. Der 29-Jährige ist gut drauf, gehörte in Fulham in der ersten Halbzeit zu den Besten. Fritz war defensiv gewohnt sicher und brachte vorne mehrere brandgefährliche Flanken in den Strafraum. Offenbar hatte er aber etwas zu viel Gas gegeben, nach der Pause wirkte er müde.

Um den Platz ganz links in der Viererkette konkurrieren Pasanen und Boenisch. Dieses Rennen ist völlig offen. Setzt Schaaf auf Dynamik und Offensive, bringt er Boenisch. Pasanen wäre die sicherere Variante. Gut möglich auch, dass der eine (Boenisch) bei Drittligist Ahlen für Druck sorgt und der andere (Pasanen) gegen Genua erst mal hinten dicht macht.

Mittelfeld

In der Defensivzentrale nähert sich Torsten Frings sichtbar seiner Topform. Der Kapitän, der nach einer Leistenoperation wochenlang ausgefallen und erst in Bad Waltersdorf wieder richtig eingestiegen war, gab in Fulham 45 Minuten lang eine gute Figur ab. Der 33-Jährige ist gesetzt. Philipp Bargfrede

▪ Pizarro/Almeida

▪ harmonieren gut

wohl auch. Der 21-Jährige, der im Kader der deutschen U 21 für das EM-Qualifikationsspiel morgen in Hafnarfjördur gegen Island steht, knüpfte bislang an seine starken Leistungen aus der Vorsaison an. „Er hat die komplette Vorbereitung sehr gut bestritten“, lobt Allofs.

An Aaron Hunt führt sowieso kein Weg vorbei. Er ist topfit, in toller Form und ließ Schaaf und Allofs schon mehrfach ins Schwärmen geraten. Fraglich aber, wo der 23-Jährige in der Offensive aufläuft. Er vertrat Özil hervorragend in der Mitte, auch in der ersten Hälfte in Fulham. Bleibt’s dabei, muss Özil, wenn der dann überhaupt noch da ist, um seinen Platz zittern. Dann hätte Tim Borowski wegen seiner Defensivqualitäten bessere Chancen auf den letzten freien Platz. „Man hätte es auch verantworten können, wenn Mesut in Fulham noch nicht gespielt hätte. Er ist doch erst am Anfang der Trainingsarbeit“, meint Allofs. Viel aufholen kann der 21-Jährige bis Samstag allerdings nicht mehr. Darf er trotz seines Rückstands in der Mitte ran, würde Hunt wahrscheinlich auf halblinks rücken – und Borowski wäre draußen.

Verschwindend geringe Chancen haben Felix Kroos und Daniel Jensen.

Angriff

Gegen starke Gegner hat Marko Arnautovic bislang sehr wenig gezeigt – vermutlich muss er auf der Bank Platz nehmen.

Ja, das sah gut aus. Claudio Pizarro und Hugo Almeida bildeten im letzten Test eine gefährliche Doppelspitze. Pizarro erzielte das 1:0, Almeida traf nach einer Klasse-Aktion den Pfosten. Beide bereiteten auch Chancen vor, waren in der starken ersten Hälfte ständige Unruheherde. Zur Pause kamen die zwei Markos (Marin und Arnautovic). Der Dreiersturm mit Pizarro funktionierte jedoch gar nicht. Werder hatte im zweiten Durchgang nur noch eine Chance durch Arnautovic, der ansonsten ganz schwach war. Schaaf versucht’s vermutlich erst mal weiter mit zwei Stürmern, die Pizarro und Almeida heißen. Torjäger Pizarro ist vorne ohnehin die unumstrittene Nummer eins. „Und Hugo macht auch einen guten Eindruck“, urteilt Allofs.

Nationalspieler Marin säße ebenso auf der Bank wie Markus Rosenberg, Sandro Wagner – und eben auch Arnautovic. Der 21-jährige Österreicher hat gegen starke Gegner bislang nicht gezeigt, dass er die von Schaaf attestierten „besonderen Fähigkeiten“ besitzt.

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