Werder-Keeper Sebastian Mielitz hat sich „stabilisiert“/ Das Parkhotel vermisst er nicht

„Einfach so weiterhalten“

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Ein Gespräch über Stabilität, Wünsche und Europa: Werders Sebastian Mielitz (r.) und Sportredakteur Malte Rehnert.

Bremen - Die Situation ist schon ein bisschen ungewohnt für Sebastian Mielitz. Seit einigen Spielen sind die Kritiker, die seine Leistungen stets mit Argusaugen beobachten, ziemlich leise. Überrascht ist Werders Nummer eins davon jedoch nicht.

„Ich habe mich stabilisiert und gut bis sehr gut gehalten“, urteilt der 24-Jährige. So kann und soll es in dieser Saison bitteschön weitergehen, wünscht sich Mielitz im Interview.

Acht Spiele, drei Mal zu null, insgesamt zwölf Gegentore: Ist das ein guter Start in Ihre zweite Saison als Bremer Stammkeeper?

Sebastian Mielitz:Ich denke, ich kann ganz zufrieden sein. Es kommen immer mal Phasen, in denen es nicht so gut läuft, es Aufs und Abs gibt. Aber ich bin auf einem guten Weg, habe mich in den letzten Spielen stabilisiert und gut bis sehr gut gehalten.

Seit Wochen hören Sie mehr Lob als Kritik – das war in der Vergangenheit oft umgekehrt. Wie gut tut das?

Mielitz:Natürlich sehr gut. Ich musste viel einstecken, was dieser Beruf aber mit sich bringt. Da muss man durch, das stärkt einen auch. Mich zumindest hat es gestärkt. Ich bin ganz offen mit den ganzen Dingen umgegangen. Ich habe versucht, auch nach schwächeren Spielen das Positive herauszukristallisieren. Ich habe immer zu mir gesagt: Ich weiß, was ich kann. Ich stehe 100-prozentig zu meiner Leistung.

In welchen Bereichen sind Sie stabiler geworden?

Mielitz:Das ist schwierig zu sagen, da spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Das Training natürlich. Marco Langner (Werders neuer Torwarttrainer, Anm. d. Red.) macht Super-Arbeit, er bringt mich voran. Das ist ganz wichtig. Zwischenmenschlich passt es bei uns hervorragend. Das ist natürlich ein großer Baustein und eine wichtige Voraussetzung.

Was macht Langner anders als sein Vorgänger Michael Kraft?

Mielitz:Ich stelle da eigentlich ungerne Vergleiche an. Jeder Torwarttrainer hat seine eigene Philosophie. Das Torwartspiel verändert sich immer wieder. Wir trainieren zum Beispiel viele Eins-gegen-Eins-Situationen, um sich da die nötige Sicherheit zu holen. Um Marcos Philosophie zu verinnerlichen, dauerte es ein paar Wochen. Jetzt greift es so langsam.

Sie waren in Spielen häufiger mal ein bisschen hektisch, wirken inzwischen ruhiger und sicherer – woran liegt das?

Mielitz:Ich mache mir keinen Stress, spiele einfach mein Spiel und versuche, der Mannschaft damit zu helfen. Und das geht eben am besten, wenn der Torwart Ruhe ausstrahlt.

Haben Sie im Vergleich zur Vorsaison irgendetwas verändert? In ihrem Spiel oder in Ihrem Auftreten?

Mielitz:Nein, gar nichts. Mit den Spielen kommt eben die Erfahrung, die Ruhe und die Gelassenheit, die man als Torwart einfach braucht. Und man lernt auch aus seinen Fehlern, klar. Es ist ein Gesamtpaket in diesem Reifeprozess.

Sind Sie inzwischen ein Führungsspieler?

Mielitz:Davon gibt es doch viele. Die elf, die auf Platz stehen, müssen das für sich beanspruchen. Ich versuche, von ganz hinten vorneweg zu gehen.

Was wäre für Sie als Nummer eins am Ende eine gute Saison?

Mielitz:Wenn wir ganz oft zu null spielen, das ist mein persönlicher Wunsch (lacht). Nein, wenn ich konstant meine Leistung bringe und einfach so weiterhalte wie in den vergangenen Wochen, dann wäre das eine gute Saison für mich.

Und für Werder?

Mielitz:Wir wollen mit den Plätzen ganz unten nichts zu tun haben, sondern – in Anführungszeichen – eine entspannte Saison erleben.

Die vielleicht sogar nach Europa führt?

Mielitz:Ich tue mich immer schwer mit Prognosen. Natürlich würde ich mich freuen, wenn wir hier wieder internationalen Fußball erleben könnten. Das wäre für die Fans ein tolles Geschenk. Aber wir tun gut daran, die Saison erst mal in geregelte Bahnen zu lenken. Da sind wir auf einem guten Weg.

Trainer Robin Dutt ist gerade erneut nach Ihrem Vorgänger Tim Wiese gefragt worden. Er hat nochmals betont, dass eine Rückholaktion nicht infrage kommt. Wie sehr nervt Sie dieses Thema mittlerweile?

Mielitz:Ich habe das natürlich alles verfolgt, aber es wurde auch ziemlich aufgebauscht. Deshalb mache ich mir da keine großen Gedanken drüber. Ich gehe damit ganz gelassen um.

Das 100-prozentige Vertrauen von Werder haben Sie immer gespürt?

Mielitz:Auf jeden Fall. Ich hatte und habe die volle Rückendeckung des Vereins.

Wie groß ist der Druck auf einen jungen Torhüter?

Mielitz:Wenn einem Torwart ein Fehler passiert, ist der Aufschrei immer groß. Dem muss man sich stellen, daran muss man sich gewöhnen. Und das tue ich.

Ihr Vertrag läuft nach der aktuellen Saison aus. Wie ist aktuell der Stand der Verhandlungen um eine Verlängerung?

Mielitz:Es hat noch keine Gespräch gegeben. Zu gegebener Zeit werden wir uns zusammensetzen, ich möchte da gar keinen Druck aufbauen. Werder ist und bleibt mein erster Ansprechpartner. Ich habe immer gesagt, dass ich mich sehr freuen würde, wenn es hier weitergeht. Ich fühle mich total wohl, bin seit 2005 hier, habe das komplette Nachwuchsleistungszentrum durchlaufen. Ich weiß, was ich an Bremen und Werder habe. Und ich möchte noch lange für Werder spielen.

Als nächstes geht es am Samstag gegen Freiburg. Wird Werder seine Fans da mal wieder mit einem Sieg und flottem Fußball verwöhnen?

Mielitz:Das würde mich freuen. Leider kann ich selbst nicht so viele Tore schießen. Aber im Ernst: Ich will da gar nicht groß rumposaunen. Freiburg hat trotz der ganzen Abgänge eine junge, hungrige Mannschaft. Und sie sind Europa-League-Teilnehmer, das darf man nicht vergessen. Das wird sicher wieder ein sehr intensives Spiel. Von uns kann man momentan nicht das große Spektakel erwarten. Wir wollen nach den 66 Gegentoren aus der vergangenen Saison erst mal kompakt stehen und die Null halten.

Zum dritten Mal übernachten Ihre Teamkollegen und Sie vor einem Heimspiel nicht im Parkhotel, sondern im eigenen Bett . . .

Mielitz:Es ist noch immer komisch und ungewohnt, das muss ich ehrlich zugeben. Ich kannte es nur so, dass wir vor Heimspielen im Hotel waren.

Was ist jetzt anders?

Mielitz:Genau genommen nicht viel. Man bereitet sich zu Hause genauso vor wie im Hotel, guckt abends zum Beispiel Fernsehen oder liest gemütlich ein Buch. Jeder ist Profi genug, um sich entsprechend vorzubereiten. Ich finde es jedenfalls gut, wie wir es jetzt machen. Im eigenen Bett schläft es sich doch immer noch am besten.

Die Heimschläfer-Methode war bisher aber nicht sonderlich erfolgreich. Gegen Frankfurt gab es eine deutliche Pleite (0:3), gegen Nürnberg dann ein Unentschieden (3:3).

Mielitz:Tja, dann fehlt bei den Ergebnissen ja nur noch eine Möglichkeit . . . · mr

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