Werder freut und ärgert sich über das 1:1 in Valencia / Sehnsucht nach ähnlicher Atmosphäre in Bremen

Eine unvergessliche Nacht

Der Dank der Werder-Profis galt in erster Linie den eigenen Fans, aber irgendwie auch den anderen Zuschauern im Estadio Mestalla. „Ein schöner Ort, um Fußball zu spielen“, schwärmte Petri Pasanen (links). Clemens Fritz (Mitte) und Torsten Frings dachten genauso.

Bremen - Von Björn Knips · Das Funkeln in den Augen der Spieler war nicht zu übersehen. Diese Nacht von Valencia werden die Fußball-Profis von Werder Bremen so schnell nicht vergessen.

Dabei gab’s gar keinen großen Sieg, dafür aber jede Menge Emotionen – und am Ende mit dem 1:1 ein Ergebnis, das die Bremer zwar nicht glücklich, aber zufrieden machte. Das Europa-League-Viertelfinale ist am Donnerstag im Rückspiel in Bremen (19.00 Uhr) zum Greifen nahe, wenngleich Per Mertesacker warnte: „Wir müssen die richtigen Lehren aus diesem Spiel ziehen, sonst wird das nichts.“

Hausaufgaben bekamen aber nicht nur die Werder-Profis, sondern auch die Anhänger in der Heimat gestellt. Denn so eine Atmosphäre wie im Estadio Mestalla würden sich die Bremer auch in ihrem Weserstadion wünschen. „Das war der Wahnsinn, wie die Zuschauer wie eine Wand hinter ihrer Mannschaft standen. Das ist ganz anders als bei uns. Da war Power, da war Leben drin“, schwärmte Tim Wiese. Nach der Kritik von Sportchef Klaus Allofs am vergangenen Samstag nach der Partie gegen Stuttgart war’s die nächste Spitze gegen das Bremer Publikum. Kapitän Torsten Frings versuchte, die Kritik etwas zu relativieren: „Natürlich gibt es bei uns viele Zuschauer, die erst mitgehen, wenn’s gut läuft. Es gibt auch Zuschauer, die nur zum Pfeifen kommen. Aber unsere wahren Fans unterstützen uns so gut wie möglich. Da können wir uns nicht beschweren. In unserem Stadion sind sie leider nur viel weiter weg vom Spielfeld als in Valencia. Doch wenn der Umbau fertig ist, wird alles besser.“

Auf dem Platz soll’s schon im Rückspiel besser werden. Denn trotz des guten Ergebnisses gingen die Werder-Profis sehr selbstkritisch mit ihrer Leistung um. „In der ersten Halbzeit haben wir vieles richtig, in der zweiten Halbzeit vieles falsch gemacht“, brachte es Clemens Fritz auf den Punkt. Die Gäste hatten stark begonnen und keinerlei Respekt vor dem Tabellendritten der Primera Division gezeigt. Doch das Elfmeter-Geschenk von Schiedsrichter Martin Atkinson bekam ihnen gar nicht. Nachdem Frings den Strafstoß sicher verwandelt hatte (24.), wichen die Gäste zurück wie das Kaninchen vor der Schlange. Und nach dem Platzverweis für Ever Banega (55.) nach einer Tätlichkeit gegen Marko Marin schienen die Bremer endgültig auf der Flucht zu sein. „Da sind wir viel zu ängstlich geworden“, erinnerte sich Mertesacker mit Schrecken an diese beiden Phasen. Unglaublich, dass der spanische Angriffsfluss nur einmal im Werder-Kasten mündete, als Juan Mata beherzt nachsetzte (57.).

Doch Werder hatte an diesem Abend auch die Klasse, sich zurückzumelden, sich hervorragende Chancen zu erarbeiten. Nur genutzt wurden sie nicht. Deshalb lautete das Fazit von Klaus Allofs: „Wir haben eine gute Ausgangsposition, aber wir hätten eine noch bessere haben können. Wir hätten gewinnen müssen.“

Richtig viel Zeit zum Hadern bleibt allerdings nicht. Schon morgen steht das Bundesliga-Spiel in Hoffenheim (15.30 Uhr) an. Die Vorfreude hält sich in Grenzen, wie Frings gestand: „Nach so einem besonderen Spiel wie in Valencia ist das wirklich nicht so leicht. Aber wir kriegen das schon hin.“

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